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Zentrum gegen Schlaganfall

St.-Marien-Hospital Lünen

Ohne sie wäre der Alltag ein anderer. Denken, fühlen und bewegen: All das steuern unsere Nerven. Umso schlimmer ist es, wenn das Nervensystem gestört wird – durch einen Schlaganfall oder eine schwere Krankheit. Die Neurologische Klinik des St.-Marien-Hospitals in Lünen leistet in solchen Fällen wertvolle Hilfe – und begleitet Patienten auf ihrem Weg zurück in den Alltag.

05.09.2016 / Lesedauer: 4 min

Die junge Frau kam gerade noch rechtzeitig. Als sie ihre Hände nicht mehr bewegen konnte, sekundenlang nach dem richtigen Wort suchen musste, zögerte sie keine Sekunde – und meldete sich in der Stroke Unit des Lüner St.-Marien-Hospitals.

Die Untersuchungen in der Neurologischen Klinik zeichneten ein ernüchterndes Bild: Ein schwerer Schlaganfall hatte zwei Drittel des Gehirns lahmgelegt. „Ohne zeitnahe Behandlung hätten wir die Patientin möglicherweise in eine Pflegeeinrichtung überweisen müssen“, betont die Chefärztin der Abteilung, Dr. Iris Adelt. Doch mit einem modernen Operationsverfahren konnte das Blutgerinnsel, das ein Gefäß im Gehirn der 38-Jährigen verstopft hatte, entfernt werden. „Heute hat sie nur noch eine ganz leichte Störung, die man in der Reha sehr gut behandeln kann“, sagt Dr. Adelt.

Von Epilepsie bis zu Multipler Sklerose

Mit Schlaganfällen sind sie und ihre Kollegen nahezu täglich konfrontiert. Doch das Spektrum der Arbeit ist noch breiter gefächert: Die Experten helfen Epileptikern ebenso wie Patienten mit Multipler Sklerose – einer Nervenkrankheit, bei der die Abwehrzellen des Körpers körpereigene Strukturen angreifen. Die Nervenfasern nehmen Schaden, können Reize schlechter weiterleiten. Die Folge sind Muskelschwäche und Lähmungen, eine Minderung der Sehschärfe oder Gefühlsstörungen.

Bis zu 600 Betroffene werden jährlich ambulant im St.-Marien-Hospital behandelt. „Neben den gewohnten Behandlungsmethoden gibt es seit einiger Zeit auch Infusionen mit Antikörpern, die den Patienten einmal im Monat verabreicht werden“, sagt Dr. Adelt. Ziel sei es, das Fortschreiten der Krankheit zu verhindern – und Patienten schnelle Hilfe zukommen zu lassen, wenn sich der nächste Schub anbahnt.

Schnelles Handeln

Während chronisch Kranke vor allem Langzeittherapien für den Alltag brauchen, ist in anderen Fällen schnelles Handeln wichtig – wie beim Schlaganfall: „Time ist brain, sagen wir Fachleute – also Zeit ist Gehirn.“ Viel zu häufig warteten Patienten erst einmal ab, wenn sie die typischen Symptome an sich beobachteten – Taubheitsgefühle auf einer Körperseite, Sprechstörungen oder Doppelbilder und Kopfschmerzen. Sie riefen dann Angehörige oder Freunde an, um sich Rat zu holen oder ein paar beruhigende Worte zu hören. „Viele denken, das geht schon wieder vorbei. Dabei ist in einer solchen Situation das einzig Richtige, sofort den Notarzt zu rufen oder sich in eine spezialisierte Schlaganfallklinik bringen zu lassen.“

Das St.-Marien-Hospital ist eines dieser Schlaganfallzentren. Seit 2008 gibt es hier die sogenannte Stroke Unit, die erst im Januar dieses Jahres durch die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft für weitere drei Jahre zertifiziert wurde. Die Auszeichnung belegt, dass die Behandlung der Patienten nach höchsten wissenschaftlichen Standards und mit modernsten Methoden erfolgt.

Schlaganfall trifft nicht nur Ältere

In der Stroke Unit werden Patienten bis zu drei Tage nach Auftreten des Schlaganfalls intensiv betreut und überwacht – um bleibende Schäden so gering wie möglich zu halten. „Wir sind immer vor Ort – 365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag“, betont Dr. Adelt. Das Angebot wird immer stärker nachgefragt, denn die Zahl der Schlaganfall-Patienten steigt kontinuierlich. Laut Deutscher Schlaganfall-Gesellschaft erleiden jährlich rund 200 000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, 60 000 sind sogenannte Wiederkehrer, also bereits zum wiederholten Mal davon betroffen. Und längst tritt die Erkrankung nicht mehr nur bei älteren Menschen auf. „Unser jüngster Patient war gerade einmal 22 Jahre alt“, sagt Dr. Adelt.

Neben der Akuttherapie geht es in der Stroke Unit auch um die Suche nach der Ursache der Erkrankung. Neue Erkenntnisse für die weitere Behandlung liefern sogenannte Perfusionsbilder aus der Computer-Tomografie. Dabei wird dem Patienten ein Kontrastmittel verabreicht, das die Vorgänge im Gehirn in Echtzeit nachvollziehbar macht. „Wir können damit sehr schnell erkennen, welche Teile des Gehirns vom Schlaganfall betroffen sind, und was noch gerettet werden kann.“ In etwa zehn Prozent der Fälle lässt sich das verstopfte Gefäß mit einer Operation wieder öffnen – so, wie es auch bei der jungen Frau geglückt ist. Manchmal helfen Medikamente.

Einschnitt ins Leben

Doch selbst bei erfolgreicher Behandlung ist der Schlaganfall für Betroffene ein enormer Einschnitt in ihrem Leben – ein Schock, den es zu verarbeiten gilt. Auch hier bietet das St.-Marien-Hospital Patienten die bestmögliche Betreuung: Eine Lichtinstallation soll Optimismus in schweren Zeiten vermitteln.

Die „Sky Factory“ projiziert Bilder von Bäumen, Blüten und dem blauen Himmel an die Decke über den Krankenhausbetten. Dass diese Eindrücke die Genesung fördern, hat Iris Adelt mehrfach beobachtet. „Viele Patienten erleben eine regelrechte Reizverarmung, wenn sie im Bett liegen – sie schauen nach oben und sehen nur die weiße Decke und ein wenig Metall“, sagt sie. „Dank des Lichtpanels fühlt man sich wie auf einer Wiese und schaut in den Himmel. Das erleben die Patienten als ansprechend und sehr beruhigend.“

Schwindel als Volkskrankheit

Immer häufiger haben die Mediziner darüber hinaus mit Schwindel-Erkrankungen zu tun. „Schwindel hat sich zu einer Volkskrankheit entwickelt“, sagt Dr. Adelt. In der Spezialambulanz des St.-Marien-Hospitals gehen Experten der Ursache der Symptome auf den Grund. „Wir klären ab, ob sie durch eine Störung im Innenohr ausgelöst werden – oder ob die Ursache im Gehirn liegt.“

Auch Menschen, die unter der Parkinson-Krankheit leiden, kommen in die Neurologische Klinik. Bei der chronischen Erkrankung sterben Nervenzellen in einem kleinen Teil des Gehirns ab – vor allem die Bewegungskontrolle leidet: „Viele kennen den typischen Robotergang der Patienten. Auch die Sprache ist in vielen Fällen verzögert. Dadurch wird Betroffenen schnell unterstellt, sie seien kognitiv eingeschränkt – obwohl die Krankheit keinesfalls mit einer Demenz einhergehen muss“, betont Dr. Adelt.

Bewegung

Die Chefärztin will die Behandlung von Bewegungsstörungen in der Neurologischen Klinik in Zukunft noch stärker in den Mittelpunkt rücken. Und sie ist überzeugt, dass neue Behandlungsmethoden Patienten schon in naher Zukunft wegweisende Chancen eröffnen werden: „Die Neurologie ist ein unglaublich spannendes, innovatives Feld – und ich bin jeden Tag froh, dass ich mich dafür entschieden habe.“

Jeder Mensch kann etwas dafür tun, dass sein Nervensystem gesund bleibt. Drei Tipps:
 1. Ausgewogen essen: Dr. Iris Adelt empfiehlt eine mediterrane, vitaminreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse. „Wer sich vegan ernährt, sollte unbedingt seine Versorgung mit den B-Vitaminen von einem Arzt überprüfen lassen. Denn ein Mangel kann zu Antriebsstörungen und kognitiven Problemen führen“, betont die Expertin.
 2. Aktiv sein: Bewegung ist in vielerlei Hinsicht gesund – auch die Nerven profitieren davon.
 3. Neues entdecken: Routine ist kontraproduktiv. „Das Gehirn ist immer interessiert an neuen Dingen“, sagt Dr. Adelt. Deshalb ist es wichtig, im Alltag immer wieder kleine Dinge zu verändern – und beispielsweise statt der gewohnten Route auch mal einen anderen Weg zur Arbeit zu nehmen. „Das baut Endorphine – die sogenannten Glückshormone – auf.“

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