Vor guter Kulisse setzte sich die SpVgg Vreden mit 8:1 in Greven durch und zog damit in das Viertelfinale des Westfalenpokals ein. © Stefan Hoof
Fußball

Historische Leistung: SpVgg Vreden im Viertelfinale des Westfalenpokals

Preußen Münster, der SC Verl und jetzt auch die SpVgg Vreden. Das sind die ersten drei Mannschaften, die sich für das Viertelfinale des Westfalenpokals qualifiziert haben. Aber warum ist das historisch?

Grevens Trainer Marcel Pielage hatte sich vor der Flutlichtpartie weit aus dem Fenster gelehnt. Die Chancen auf eine Sensation durch seine Mannschaft, den Bezirksligisten, hatte er selbstbewusst auf 50:50 beziffert. So berichtete die Tageszeitung in Greven.

Und die Gastgeber starteten furios. Nach wenigen Sekunden spielte Nicolas Kriwet den Ball zu Patrick Fechtel, der frei vor Vredens Keeper Tom Breuers auftauchte. Aus schon spitzerem Winkel schoss der Grevener nur ins Außennetz.

Tor nach 110 Sekunden

Der Auftakt einer Sensation? Mitnichten. Der Oberligist antwortete auf seine Art. Cool. Schnell. Erbarmungslos. Genau drei Minuten brauchten die Blau-Gelben, um alle Grevener Hoffnungen im Keim zu ersticken. Einen Angriff über seine linke Seite schloss der Oberligist eiskalt durch Leon Kondring ab. Da waren mal gerade 110 Sekunden gespielt. 1:0 für die Mannschaft von Trainer Engin Yavuzaslan. Drei Minuten später gleich der nächste Treffer. Nach einer Ecke für Greven (!) ging es blitzschnell nach vorne. Zu schnell für den Bezirksligisten, der bisher im Wettbewerb als „Landesliga-Schreck“ für Furore gesorgt hatte. Felix Mensing war zur Stelle und vollendete den Konter.

2:0 nach viereinhalb Minuten. Zwei Wirkungstreffer. Das Grevener Publikum staunte. So flott geht das in der Oberliga. „Da wird der Klassenunterschied doch deutlich“, waren sich die 09-Fans einig. „Wir haben gleich Fakten geschaffen. Wir haben gezeigt, was ein Oberligist leisten kann“, erklärte Yavuzaslan.

Auftakt nach Maß

Ein Auftakt nach Maß für die Vredener. Damit waren die Kräfteverhältnisse mal gleich geklärt. Immerhin: Der krasse Außenseiter erstarrte fortan nicht in lähmender Ehrfurcht. Ganz ohne Arbeit blieb Breuers nicht. Und ja, dieses eine Tor hatte sich der Bezirksligist auch verdient. Nach einem Freistoß traf Jonas Averbeck per Kopf zum 2:1 (34.). Das hätte Vreden besser verteidigen können.

Kein Muntermacher

Aber als Muntermacher taugte dieser Treffer nicht. Noch ehe sich die Hausherren überlegt hatten, ob sie wieder an die Pokalüberraschung glauben sollten, hatte sich diese Hoffnung auch schon wieder im Grevener Nachthimmel verflüchtigt. Vredens Pokal-Torjäger Nummer eins, Maximilian Hinkelmann, eilte nach einem genialen Pass von Marvin Hakvoort auf und davon und markierte das 3:1 – vier Minuten nach dem Anschlusstor, das eben doch nur ein Ehrentreffer war. Nochmals nur drei Minuten später stellte Hinkelmann das Ergebnis auf 4:1. Damit hat der Eperaner in dieser Saison in bislang jedem Pokalspiel – ob Kreis- oder Westfalenpokal – mindestens zweimal getroffen.

Timo Grabowsky dringt in den Grevener Strafraum ein.
Timo Grabowsky dringt in den Grevener Strafraum ein. © Stefan Hoof © Stefan Hoof

4:1 nach 45 Minuten – wohin sollte das führen? Locker ließ Vreden nicht. Im Moment läuft es. Der Mannschaft war die pure Spielfreude anzumerken. „Da möchte ich niemanden hervorheben, das hat die ganze Mannschaft sich verdient“, betonte Yavuzaslan später. Und Greven musste das auf dem Platz akzeptieren. Nur kurz nach dem Anpfiff gab Nicolas Ostenkötter das Signal, weiter mit Vollgas nach vorne zu spielen. Grevens Torwart Luca Dömer parierte zur Ecke.

Aber damit war Vredens Nummer acht nicht zufrieden. Er wollte sein Tor, er bekam sein Tor. Nach 55 Minuten tauchte er frei vor Dömer auf und schob den Ball zum 5:1 ins Netz.

Vorbereiter Kondring

Mit dem nächsten Treffer wäre eigentlich der wiederum geniale Leon Kondring, der neben seinem Treffer drei Torvorlagen gab, an der Reihe gewesen. Glück für Greven, er verzog knapp. Was nur eine Randnotiz war. Auch das 6:1 blieb Greven nicht erspart. Kilian Heisterkamp stellte seine gute Schusstechnik unter Beweis und traf mit einem exakt platzierten Schuss.

6:1 nach 62 Minuten – und nochmals die Frage: wohin sollte das führen? Satt waren Yavuzaslans Schützlinge noch immer nicht. Wie schon eine Woche zuvor beim 12:0 im Kreispokal in Ottenstein dachten sie gar nicht daran, vor dem Abpfiff ihren unbändigen Appetit auf Tore zu zügeln.

Daran änderten auch die Wechsel nichts. Jeder fügte sich gleich ein, der Spielfluss wurde nicht unterbrochen. Und die Torflut auch nicht gestoppt. Koray Arslan, nach 66 Minuten für Hinkelmann ins Spiel gekommen, erwies sich ebenso eiskalt vor dem Tor. Das war das 7:1 (87.). Passend endete dieser recht einseitige Vergleich mit einem Kracher. Dennis Wüpping hämmerte einen Freistoß an die Latte, das schepperte laut. Der Ball flog Keeper Dömer auf den Rücken und von dort ins Tor. 8:1! Nein. Greven hatte kein 50:50-Chance an diesem Abend.

Historischer Erfolg

Und wieso war das historisch? Trainer Engin Yavuzaslan: „Die SpVgg hat noch nie das Viertelfinale im Westfalenpokal erreicht. Wir sind stolz, das geschafft zu haben.“ Und das dürfen die Blau-Gelben sein nach dieser Torgala. Der nächste Gegner wird noch ermittelt und kommt aus der Oberliga oder sogar der Regionalliga: Westfalia Rhynern und Rot-Weiß Ahlen stehen sich erst in der kommenden Woche gegenüber.

Die Statistik

SpVgg Vreden: Breuers – Schücker (46. Wüpping), Heisterkamp (63. Resing), Hoffmann, Kondring, Ostenkötter (67. Kraushaar), Hinkelmann (66. Arslan), Grabowsky, Hakvoort, Mensing, Verwohlt.

Tore: 1:0 Kondring (2.), 2:0 Mensing (5.), 2:1 Averbeck (34.), 3:1, 4:1 Hinkelmann (38., 41.), 5:1 Ostenkötter (51.), 6:1 Heisterkamp (62.), 7:1 Arslan (87.), 8:1 Eigentor Dömer (88.).

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