Eine ganz besondere Langstreckenfahrt hat der Wüllener Stefan Ostendorf in den Niederlanden gemeistert. © privat
Radsport

Längste Fahrt des Lebens: Stefan Ostendorf 1200 Kilometer auf dem Rad

Bei einer Langstreckenfahrt durch die Niederlande hat der Wüllener Stefan Ostendorf so lange auf seinem Rennrad gesessen wie noch nie. Und wohl auch selten weniger geschlafen.

Das letzte offizielle Langstreckenrennen lag für Stefan Ostendorf schon eine Weile zurück. Organisierte Rennen waren wegen der Corona-Einschränkungen lange Zeit nicht möglich. Die ARA (Audax Randonneurs Allemagne) hat kurzfristig das Projekt Brevet Bord-eau auf die Beine gestellt, eine Langstreckenfahrt die niederländische Küste entlang.

Damit die Fahrer auf ihrem Weg nicht vor weitere Probleme gestellt werden, plante die ARA eine Strecke ohne Überquerung von Ländergrenzen. So ging es für Fahrer einmal an der gesamten Küste der Niederlanden entlang und später durch das Innenland zurück. Stefan Ostendorf war einer der Teilnehmer.

Problematische Wetterbedingungen

Der Startpunkt war die niederländische Stadt Dordrecht. Von dort aus fuhren die zwölf Teilnehmer zum ersten von 18 Kontrollpunkten weiter in den Süden, ehe die Radsportler das erste Mal die Küste sahen. Dabei bereiteten die Wetterbedingungen den Fahrern Probleme. Starker Gegenwind führte zum Ausscheiden dreier Teilnehmer. Für Ostendorf ging es ein paar Tage über Alkmaar und Den Helder am Wasser entlang.

„Die größten Probleme sind die Versorgung und der Schlaf. Da kann man sich schnell die Zeit kaputt machen“, erzählt Stefan Ostendorf. Auf seinem Trip erlebte er sowohl traumhafte Nächte im Schlafsack am Strand als auch verregnete Übernachtungen an einer kleinen Bushaltestelle. Länger als drei Stunden waren zum Schlafen aber nicht Zeit. In Kontakt mit anderen Teilnehmern kam er dabei immer wieder: „Ich habe einen Kollegen zum Beispiel an einer Bushaltestelle in einem kleinen Ort getroffen. Das war ganz lustig.“

Stefan Ostendorf an der Küste bei Den Helder
Stefan Ostendorf an der Küste bei Den Helder © privat © privat

Auf dem Weg zum nördlichsten Punkt der Niederlanden war die Fahrt nicht immer komfortabel. „Die Strecken waren teilweise sehr unangenehm zu befahren. Das macht dann nicht so viel Spaß“, kommentiert Ostendorf die Wege im Norden. Am vierten Tag hatte der Radfahrliebhaber die gesamte Küste bereits abgefahren, sodass es im Inland weiter ging. Auf der Strecke zum vorletzten Ziel Utrecht konnte Ostendorf noch schöne Naturaufnahmen machen. Dafür hatte er sogar eine Gopro-Kamera dabei, die während des Fahrens häufig zum Einsatz kam.

Zurück nach 80 Stunden

Am fünften Tag kam der Wüllener nach 80 Stunden Fahrt wieder in Dordrecht an. Innerhalb von wenigen Tagen absolvierte Ostendorf 1200 Kilometer, das entspricht der Strecke von Ahaus bis Monaco, alleine mit dem Rad. Es war die längste Strecke, die er in seinem Leben bisher am Stück mit dem Rad gefahren ist.

Die vorgegebene Zeit von 90 Stunden unterbot er ohne Probleme. Eines war Ostendorf bei der ganzen Aktion noch besonders wichtig zu betonen: „Bei uns geht es nicht darum, schneller zu fahren als die anderen Teilnehmer. Wir fahren gegen uns selbst.“ Diese Aufgabe hat Stefan Ostendorf beachtlich gemeistert.

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