Justus Jaegers (r.) führt das SuS-Team schon seit Jahren als Kapitän aufs Feld. Hier beim vergangenen Heimspiel gegen den SV Gescher. © Sascha Keirat
Fußball-Bezirksliga

SuS-Kapitän Jaegers: „Noch zu früh, um über große Dinge zu sprechen“

Nur wenige Teams warf die Corona-Pandemie derart zurück wie den SuS Stadtlohn. In diesem Jahr geht es erneut um den Landesliga-Aufstieg. Kapitän Justus Jaegers spricht im Interview über die Aussichten.

Die letzten drei Spielzeiten waren beim SuS Stadtlohn oft vom Konjunktiv bestimmt: Hätte der SC Münster 08 seine Mannschaft 2019 vor und nicht nach dem letzten Spieltag zurückgezogen, wäre der SuS in der Landesliga geblieben.

Wären die Saison 2019/20 oder die Spielzeit danach nicht von der Corona-Pandemie gestoppt worden – womöglich hätte der SuS längst den Wiederaufstieg gepackt. Den nächsten Anlauf hat das Team jetzt in Angriff genommen.

Wir haben mit SuS-Kapitän Justus Jaegers (25) über die Lage gesprochen.

Platz eins mit 14 Punkten aus sechs Spielen – wie fällt Ihr Fazit zum Saisonstart aus?
Die Entwicklung bei uns ist positiv. Es ist aber noch viel zu früh, um über große Dinge zu sprechen. Aber unabhängig von den Ergebnissen: Die Richtung stimmt.

Zuletzt gelang ein hart erkämpfter Derbysieg gegen den SV Gescher trotz rund 80 Minuten in Unterzahl. Was kann so ein Spiel in einer Mannschaft auslösen?
Solche Spiele stärken noch mal den Teamgeist, weil jeder ein paar Schritte mehr für den anderen machen muss. Sie sind einfach gut für die Moral und zeigen, was möglich ist, wenn jeder an seine Grenzen geht. Besonders hat es uns für Jannik Buning (sah nach 13 Minuten die Rote Karte, d. Red.) gefreut, dass wir das Spiel gewonnen haben, denn er hat bisher eine überragende Saison gespielt.

Wie schätzen Sie die Lage in der Bezirksliga insgesamt ein, überrascht Sie die aktuelle Tabelle, zum Beispiel mit dem TuS Wüllen als erstem Verfolger?
Die Liga ist recht ausgeglichen, das zeigen auch die vielen Unentschieden. Einige Mannschaften sind auch sehr von ihrer Tagesform abhängig. So kommen dann Ergebnisse wie der 5:1-Sieg unseres nächsten Gegners Borken-Hoxfeld gegen Billerbeck zustande.

Da sind wir natürlich vor dem Spiel am Sonntag gewarnt. Der TuS Wüllen ist sicher auch ein Beispiel dafür, dass einiges noch nicht so läuft wie von vielen vor der Saison erwartet, aber einen guten Start konnte man ihnen durchaus zutrauen. Im Moment ist alles noch eng beieinander, das kann in zwei Wochen schon wieder ganz anders aussehen. Ich sage immer, nach zehn bis zwölf Spieltagen sind die ersten Tendenzen erkennbar.

Sie selbst stehen schon seit 2015 im Kader der ersten Mannschaft, damals in der Oberliga, und haben mit ihr schon viele Rückschläge wegstecken müssen. Inwiefern war das sogar hilfreich für Ihre Entwicklung?
Das war definitiv hilfreich. Sportlich war das natürlich oft schwierig und nicht das, was man sich wünscht. Aber trotzdem hilfreich, weil es die Persönlichkeit stärkt. Ich denke, dass mir diese Erfahrungen auch außerhalb vom Fußball geholfen und definitiv auch die Bindung zum Verein gestärkt haben. Ich versuche jetzt, etwas davon an die jüngeren Spieler weiterzugeben.

Das Team besteht mittlerweile, auch wegen zwischenzeitlich finanzieller Probleme, zum Großteil aus Spielern aus dem eigenen Nachwuchs. Welche Auswirkungen hat das?
Unterm Strich sehe ich das positiv. Dass der Teamgeist im Moment so gut ist, kann auch daran liegen, dass viele sich schon aus der Jugend beim SuS kennen. Wir verstehen uns alle super und im Umfeld passt es auch. Und natürlich kommt auch jedes Jahr viel Qualität aus der Jugend nach, wenn man aktuell zum Beispiel auf Kevin Meise oder Luca Friedrich schaut. Und die nächsten stehen schon in den Startlöchern.

Trainer Stefan Rahsing hat bereits vor der Saison seinen Weggang im nächsten Sommer angekündigt. Wie hat die Mannschaft das aufgenommen?
Das hat uns ein, zwei Trainings lang beschäftigt, danach war das Thema auch durch. Stefan hat uns das Gefühl vermittelt, dass er deshalb jetzt nicht ein Prozent weniger gibt, ich würde eher sagen ein paar Prozent mehr. Sicher kommt die Thematik noch mal ein bisschen auf, wenn ein Nachfolger präsentiert wird, das ist ja ganz normal. Aber ich denke, dass die Lösung gut war, es so früh anzukündigen, damit keine Unruhe aufkommt.

Der SuS ist bereits seit Februar 2020 in der Liga ungeschlagen. Gescher-Trainer Hendrik Maduschka sprach zuletzt vom spielstärksten und am besten eingespielten Team der Liga. Was kann den SuS auf dem Weg in die Landesliga stoppen?
Das ist natürlich ein schönes Kompliment von meinem alten A-Jugend-Trainer, aber ein bisschen groß aufgetragen. Er hat das ja direkt vor dem Spiel gegen uns gesagt, wahrscheinlich auch mit dem Ziel, den Gegner stark zu reden. Daher würde ich das einfach mal so stehen lassen und mich vielleicht dazu äußern, wenn wir in ein paar Wochen immer noch so gut dastehen.

Grundsätzlich gibt es im Fußball so viele Variablen, die das Abschneiden beeinflussen. Seien es sportliche oder andere, zum Beispiel eine Pandemie, wie wir ja in den letzten Jahren schmerzlich festgestellt haben.

Über den Autor
Sportredaktion Ahaus