Ein Blick zurück: Wann wieder Optionen für Wettbewerbe in Stadien in der Leichtathletik mit vertretbarem Aufwand bestehen, ist noch nicht abzusehen. Im Kreis Ahaus/Coesfeld behält man Gelassenheit und Weitblick. © Michael Schley
Leichtathletik

Was wird aus der Freiluftsaison? „Planung mit der Brechstange bringt nichts“

Der FLVW hat verkündet, dass auch 2021 mit keiner normalen Freiluftsaison in der Leichtathletik zu rechnen ist. Im Kreis bleibt man gelassen – und hofft noch auf die zweite Jahreshälfte.

Mit den ersten Frühlingstagen wächst auch bei den Leichtathleten traditionell die Vorfreude auf die Freiluftsaison. Eigentlich. Denn in diesen Tagen herrschen andere Zeiten und Bedingungen. Schon vor einem Jahr stoppte das Coronavirus jäh die Planungen, nun macht dieses diese zumindest wieder schwierig. Das mussten auch die Verantwortlichen beim Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen (FLVW) eingestehen, die nun Stellung bezogen. „Aussitzen“ lautet darauf aufbauend weiter die Devise im FLVW-Kreis Ahaus/Coesfeld, „mehr bleibt uns aktuell kaum übrig“, teilt der Vorsitzende des Kreisleichtathletikausschusses, Ingo Röschenkemper, auf Nachfrage mit.

„Wir werden nicht mit einem vollumfänglichen Angebot in die Freiluftsaison gehen können. Dazu sind die Planungen von Veranstaltungen unter den notwendigen Hygieneanforderungen zu aufwändig und kostenintensiv. Sollte es die Infektionslage zulassen, ist es aber unser großes Ziel, für alle Altersklassen zumindest ein Meisterschaftsformat anbieten zu können“, betonte Peter Westermann, Vizepräsident Leichtathletik.

So soll am 16. Mai die NRW-Meisterschaften der Männer und Frauen in Recklinghausen stattfinden, die Teilnehmerzahlen werden entsprechend der Machbarkeit hinsichtlich des Hygienekonzeptes angepasst. Aktuell geht die Kommission Wettkampforganisation auch davon aus, dass die FLVW-Jugendmeisterschaften am 5. und 6. Juni im Rahmen der RuhrGames in Bochum-Wattenscheid stattfinden können.

Geplant ist zumindest eine Meisterschaft pro Altersklasse

Konkreter kann auch der Verband noch nicht werden: Sofern möglich sollen unter anderem noch die Westfälische Mehrkampfmeisterschaften aller Altersklassen und Blockwettkämpfe U16, die geschlossenen Westfälischen Senioren-Einzelmeisterschaften oder auch die FLVW-Mannschaftsmeisterschaften zur Durchführung kommen – wahrscheinlich eher im Herbst. Ausweichtermine sind begrenzt umsetzbar, da beispielsweise bei den Männern und Frauen oder in den Jugendklassen die NRW- oder FLVW-Meisterschaften als Qualifikationsmöglichkeiten für Deutsche Meisterschaften dienen. Aktuell wird an fairen Normen und Zulassungskriterien bei sicher ungleichen Bedingungen gefeilt.

Stand heute wären die Hygienemaßnahmen enorm: Für jede geplante Veranstaltung wird es ein eigenständiges Hygienekonzept geben, welches mit den örtlichen Ausrichtern und den jeweiligen Stadt- oder Kreisordnungs- und Gesundheitsämtern abgestimmt ist. Die Hygienekonzepte umfassen zum jetzigen Stand Maskenpflicht (außer für Athleten und Athletinnen während des Wettkampfs), Schnelltests an den jeweiligen Veranstaltungstagen, Kontakterfassung sowie Trennung der Personengruppen (Athleten/Betreuer/Mitarbeiter).

Schnelltests verursachen enorme Kosten

Und gerade hier sieht Ingo Röschenkemper den Knackpunkt: „Insbesondere beim Thema Schnelltests ist das finanziell kaum zu stemmen, ebenso organisatorisch. Wir sprechen bei Wettkämpfen auf Kreisebene schnell mal von 200 oder 300 Teilnehmern.“ Am Veranstaltungsort müssten im Grunde eigene Testzentren eingerichtet werden. „Wer übernimmt letztlich die Verantwortung?“, stellt er eine weitere berechtigte Frage.

Er erinnert zudem an einen Wettkampftag 2020 in Dülmen, bei dem ein Gewitter aufgezogen war: „Wie willst du dann verhindern, dass alle trotz des Abstandsgebots unters Tribünendach fliehen? Abgesehen von der genommenen Möglichkeit, die Umkleiden zu öffnen.“ Da bliebe nur ein Abbruch. Eine Planung „mit der Brechstange“ bringe aufgrund der vielen Unwägbarkeiten auch nichts.

Somit wartet man ab – und hofft auf die zweite Jahreshälfte. „Vielleicht werden ja zumindest kleinere Meetings möglich, vielleicht in den technischen Disziplinen“, so Röschenkemper. Die Option, in kleinen Gruppen bis 14 Jahre schon mal wieder trainieren zu können, ist sicher ein Anfang für die Rückkehr auf den Platz.

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