Vorher und nachher: Das alte Stadion an der Bahnhofstraße mit seinem Sprecherturm wurde nach dem Beschluss von 2003 in eine moderne Kunstrasenanlage umgewandelt.
Sportgeschichte

2003 gab es zwei gute Nachrichten für Castrop-Rauxeler Ascheplatz-Fußballer

Anfang der 2000er Jahre beschloss die Politik in Castrop-Rauxel, gleich zwei Sportplätze auf einen Schlag mit modernem Kunstrasen auszustatten. Wir haben die Hintergründe aufgeschrieben.

Im Jahr 2003 gab es gleich zwei gute Nachrichten für die Castrop-Rauxeler Fußballer-Zunft: Die Stadtverwaltung beschloss im damals für den Sport zuständige Betriebsausschuss 3, den Ascheplatz in der Erin-Kampfbahn sowie den Rasen im Stadion an der Bahnhofstraße zu renovieren und daraus moderne Kunstrasenplätze zu machen.

In Ickern wurde im Jahr 2000 der erste Castrop-Rauxeler Kunstrasen eingeweiht

Zuvor waren bereits in der Glückauf-Kampfbahn in Ickern (Spielort für den SC Arminia Ickern und SF Habinghorst) im Jahr 2000, am Fuchsweg beim SuS Merklinde 2001 sowie 2002 am Schweriner Grafweg die grünen Spielteppiche ausgelegt worden. In die modernisierte Erin-Kampfbahn zog der SV Wacker Obercastrop im Jahr 2005 ein. 2007 wurde das runderneuerte Stadion an der Bahnhofstraße wiedereröffnet.

Stadtgarten-Platz in Obercastrop wurde verkauft

„Neue Lust auf sattes Grün“ lautete die Überschrift über einem Artikel am 9. November 2003. ISer Betriebsausschuss hatte auch für die Erin-Kampfbahn Grünes Licht gegeben. Nur: Die vorgegebenen Gesamtkosten von 1,278 Millionen Euro sollten nicht überschritten werden. Der damalige Sportamtsleiter Winfried Hetzel wurde mit den Worten zitiert: „Wir müssen dann woanders in der Erin-Kampfbahn sparen.“ Damals wurde der Sportplatz der Obercastroper für 2,5 Millionen Euro verkauft, um am Stadtgarten ein Altenheim zu errichten.

Wilfried Hetzel (r) im alten Stadion an der Bahnhofstraße.

Die Baupläne für die Erin- Kampfbahn lagen griffbereit in den Schubladen des Sportamtes, wie Hetzel damals betonte: „Wir warten nur auf den Startschuss.“ Bis dahin trainierten noch die Junioren der SG Castrop sowie der C-Kreisligist Inter Castrop (mittlerweile aufgelöst) an der Karlstraße. Sie alle mussten vor dem Beginn der Bauarbeiten endgültig ins Stadion an der Bahnhofstraße umziehen, das noch nicht renoviert war.

Vor einiger Zeit erinnerte sich der mittlerweile pensionierte Wilfried Hetzel an die Zeiten Anfang der 2000er-Jahre. Er sagte rückblickend: „Es war bitter nötig, die Asche- und Rasenplätze durch moderne Kunstrasenplätze zu ersetzen. Die alten Plätze waren vor allem wegen des schlechten Untergrundes und kaputter Drainagen in einem ganz schlechten Zustand. Sie sind quasi durch die vielen Mannschaften kaputt-trainiert worden.“ Da hätte sich keine Investition gelohnt.

So sah es einst in der Erin-Kampfbahn aus.
Und so sieht die Erin-Kampfbahn heutzutage aus.

Auf die Möglichkeit der Kunstrasenplätze waren Hetzel und Gisbert Babel vom Sportamt in Köln gekommen. Dort sind sie in jedem Jahr Besucher der Sportstättenmesse FSB (Freiräume, Sport- und Bewegungseinrichtungen) gewesen. Und kamen hier in Kontakt mit den Geschäftsführern der Firma Polytan (Bayern). Diese hatte rund um Köln bereits einige Anlagen modernisiert und konnten Hetzel und Babel mehrere Plätze präsentieren.

Der einstige Sportamtsleiter sagt aus der Erinnerung: „Ich weiß noch, dass wir im Rheinland eine Begehung hatten und dort ohne Probleme gespielt werden konnte, während bei uns daheim tatsächlich alle Plätze gesperrt waren.“

Die Stadt Castrop-Rauxel musste damals handeln. Denn nicht nur der marode Zustand der Plätze war ein Problem. Hetzel berichtet rückblickend: „Es gab auch Klagen von Anwohnern. Wie etwa, dass durch den Aschestaub ihre Wäsche auf der Leine im Sommer rot sei.“

Zudem hatte die Verwaltung Sportentwicklungskonzept in Auftrag gegeben. Das Ergebnis: Die vorhandenen Anlagen rentierten sich nicht. Es wurde daher zur endgültigen Schließung einiger Plätze geraten.

Acht Kunstrasenplätze wurden in Castrop-Rauxel gebaut

Dazu kam es durch die Renovierung der meisten Sportanlagen letztlich aber nicht. Heute verfügen von 13 Sportplätzen insgesamt 8 über eine Spielfläche mit Kunstrasen. Drei Plätze haben Naturrasen. Lediglich die Anlagen in Pöppinghausen und Dingen (stillgelegt) sind noch Ascheplätze.

Wer weiß das noch? Einst hatte das Stadion an der Bahnhofstraße einen Sprecherturm. Und eben dieser – wie auch das Marathontor darunter – fielen dem Umbau zum Opfer. Winfried Hetzel erklärt in der Rückschau: „Die beiden Dinge hatten zwar Nostalgiewert. Allerdings mussten sie der neuen Planung weichen.“

Der Turm war sogar baufällig. Hetzel: „Ich bin da einmal raufgeklettert. Als ich oben war, bin ich beinahe mit den Füßen unten durchgebrochen.“

Für den Neubau des Platzes musste auch ein Trick angewendet werden: Der imposante Tribünen-Wall rund um den Rasenplatz und die Asche-Laufbahn mussten abgetragen werden und als Untergrund der neuen Sportfläche verwendet werden. Die Planer im Rathaus hatten zuvor Befürchtungen gehegt, der unter anderem aus Hausmüll aufgeschüttete Wall sei giftig und müsste komplett entsorgt werden.

Hetzel setzte auf eine kostengünstige Gelegenheit, das Material der Wälle weiterzuverwenden. „Es musste nur geschreddert werden“, erklärte der Mann vom Sportamt. Der Boden konnte danach eingebaut werden, weil der Rasenplatz auf einem tieferen Niveau lag als die Umgebung. Damit war auch der Ärger mit den hiesigen Maulwürfen beendet. Hetzel: „Wir haben am Tag deren Löcher zugeworfen, die waren tags darauf alle wieder da.“

Über den Autor
Lokalsport Castrop-Rauxel
Ein Journalist macht sich aus Prinzip keine Sache zu eigen, nicht einmal eine gute (dieses Prinzip ist auch das Motto des Hanns-Joachim-Friedrichs-Preises).
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Jens Lukas

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