Mit Hilfe aus Castrop-Rauxel wurde im Jahr 2016 der American Football-Verein Black Barons in Herne (dunkle Trikots) gegründet. © Black Barons
American Football

American Football: Castrop-Rauxel hatte von Anfang an Aktien bei Black Barons Herne

Einst brachten die Castrop-Rauxel Bengals einen Hauch von American Football in die Stadt - damals in den 1980er-Jahren. Als dieser Versuch im Sande verlief, folgte keine Neuauflage - zumindest nicht im Stadtgebiet.

Nur wenige erinnern sich noch daran. In Castrop-Rauxel, das mit Ausnahme des Basketballs eine Diaspora der US-Sportarten, hat es einst eine Football-Mannschaft gegeben. Die war anfangs recht erfolgreich. Im Jahr 1983 feierten die Bengals Castrop-Rauxel in Habinghorst ihre Premiere vor 500 Zuschauern und gewannen mit 22:6 gegen eine NRW-Auswahl. Der Großteil des Publikums war trotz Spielkommentierung mit den Regeln überfordert, aber gut unterhalten.

Vier Jahre traten die Bengals für Castrop-Rauxel auf. Danach hatte die Europastadt nichts mehr am Hut mit American Football. Als jedoch im Jahr 2016 in der Nachbarstadt Herne die Black Barons als American-Football-Abteilung des TV Wanne das Ei in die Hand nahmen, horchten sieben Castrop-Rauxeler auf.

Die Castrop-Rauxeler (v.l.) Lucian Duda, Edgar Kleist, Dustin Schulz, Max Kleist, Felix Schindelhauer, Marvin Mainzer und Kevin Duda hatten sich 2016 dem American Football bei den Black Barons Herne verschieben. © Markus van Boernig © Markus van Boernig

Da wollten sie spielen – und wurden zu Gründungsmitgliedern. Für diese „Glorreichen Sieben“ war der amerikanische Sport – hintergründig geht es bei diesem Sport einst um Landgewinn beim Weg der Siedler gen Westen – eine neue Herausforderung jenseits von Handball und Fußball.

Edgar Kleist: „Football liegt absolut im Trend“

Edgar und Max Kleist, Marvin Mainzer, Lucian und Kevin Duda, Dustin Schulz, sowie Felix Schindelhauer waren Neulinge im harten Spiel der dick gepolsterten Männer. Ihnen ging es nicht anders als 50 Spielern, die sich nur Monaten später den Black Barons anschlossen.

War es nur Neugier? „American Football liegt derzeit absolut im Trend“, nannte Edgar Kleist damals den Grund für den Einstieg der Castrop-Rauxel-Crew. Und auch der TV-Sender Pro7 trug einen Teil dazu bei, mit sonntäglichen Übertragungen aus der amerikanischen NFL-Superliga, bei ihnen die Lust auf diesen Sport zu entfachen.

Mittlerweile haben sich die Black Barons vom TV Wanne abgekoppelt. Mit demnächst eigenem Kunstrasen-Spielfeld mit American-Football-Linien im alten Horst-Stadion. Diese Spielfläche müssen sie sich mit den Fußballern von Arminia Holsterhausen teilen.

Noch immer gehören einige Castrop-Rauxeler den großen Kadern der Black Barons an. © Black Barons © Black Barons

Headcoach Kai-Uwe Weitz ist höchst begeistert: „Der neue Sportplatz ist ideal für unseren Sport – da hat die Stadt Herne richtig einen rausgehauen.“ Und auch die allgemeine Entwicklung bei den Black Barons passt. „Für dieses Jahr haben wir die hohe Zahl von 70 unterschriebenen Spielerpässen“, so Weitz. Im American Football müssen Spieler die bleiben, ihre Pässe jedes Jahr neu unterschreiben.

Welche Castrop-Rauxeler Gründungsmitglieder sind im Jahr 2021 noch bei der Stange geblieben? Auch das weiß der Headcoach, als ihm die Namen vorgelesen werden: „Felix Schindelhauer ist in unserer Offense ein erfolgreicher Passempfänger – Kevin Duda ein guter Defense-Spieler.“

Das sind aber nur zwei von sieben Akteuren. Was ist mit den anderen? „Die Kleists sind nach Nordeutschland gezogen – mit Edgar stehe ich über Facebook noch in Kontakt. Dustin Schulz, Marvin Mainzer und Lucian Duda haben aufgehört“, so der Trainer. Wie auch: „Aus Castrop-Rauxel sind aber weiter einige Jugendliche bei uns aktiv – und jederzeit weitere willkommen.“

Mit Ole Hoffmann entspringt ein Talent der Black-Barons-Jugendschmiede. Als 13-Jähriger schnupperte er 2019 mit der NRW-Auswahl „GreenMachine“ sogar schon Auslandsluft in Kroatien. Überhaupt die Jugendarbeit: Mit Tim Schiffer ist ein eigener U19-Spieler nun Quarterback des Landesliga-Teams. Zwei weitere U19-Jungs gehören zum Trainings-Kader der deutschen Nationalmannschaft für die EM 2023 mit Maximilian Weitz und Maurice Zernick, seit sie 2019 mit der NRW-Auswahl Deutscher Meister wurden.

Schlagzeilen schrieben 1983 die Footballer der Bengals Castrop-Rauxel. Ihr Manager Ulrich Hallerbach (rechts) war eine treibende Kraft, den Sport hier zu etablieren und überreichte auch dem Zeitungsfotografen nach einem „Sportunfall“ einen echten Football aus Leder. © Fotos Orwat/Montage Klose © Fotos Orwat/Montage Klose

Natürlich leiden die Black Barons auch unter dem Corona-Lockdown. In der Saison 2020 ging so gut wie nichts. Mit Ausnahme von sechs Testspielen ohne Fans und größeren Körperkontakt. Headcoach Weitz hoffte, im April wieder ins Training einsteigen zu dürfen, um sein Team bei einem eventuellen Saisonstart fit zu präsentieren.

Den Aifstieg knapp verpasst

Zuletzt hatten die Black Barons den Aufstieg in die Verbandsliga hauchdünn verpasst. „Ein Fünkchen Hoffnung gibt es noch, dass wir am Grünen Tisch aufsteigen dürfen“, so Weitz, der früher Quarterback in der 1. und 2. Liga bei den Recklinghausen Chargers war.

Und wenn es mit dem Aufstieg klappen sollte, als Headcoach der Herner Black Barons wieder ins Stadion Hohenhorst heimkehren würde. Mit dem Sieg der Tampa Bay Buccaneers vor einigen Wochen im Super Bowl-Finale erfüllte sich ein Weitz-Wunsch: „Mein Herz schlägt für Tampas Quarterback Tom Brady.“

Die Herner Black Barons planen in 2021 drei Tryouts (Trainingseinheiten) für Neueinsteiger in den American Football. Wann das sein wird, richtet sich nach dem Corona-Lockdown, sodass derzeit keine genauen Daten feststehen. Auf der Homepage der Barons und über Facebook werden diese Tryouts rechtzeitig angekündigt.

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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Jens Lukas

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