Ein gebürtiger Castrop-Rauxeler (dunkles Trikot) hat in Erfurt seine Eishockey-Heimat gefunden. © Lars Wannemacher
Eishockey

Castrop-Rauxeler hat sein Eishockey-Glück in Erfurt gefunden – als Profi

Er erblickte in Castrop-Rauxel das Licht der Welt. Längere Zeit aufgewachsen ist er in Dortmund-Dorstfeld. Mit 13 Jahren begann seine Eishockey-Wanderschaft kreuz und quer durch die Republik.

Kontakt zur Geburtsstadt besteht immer noch: „Eine Tante wohnt in Castrop-Rauxel. Ich war zwar länger nicht mehr dort, werde im Sommer aber hinfahren – dann wird meine Tante 60“, erklärt der Eishockeyspieler, der mit dreieinhalb Jahren die ersten Schlittschuhe bekam und nun seit 2014 in der 3. Liga für die Black Dragons Erfurt übers Eis flitzt – als Profi.

Vater war Fan des Premieren-Vereins

Beim EHC Dortmund begann Felix Schümann mit Eishockey – sein Vater war Fan dieses Clubs. Von dort ging es zum Krefelder EV. Als 13-Jähriger wechselte er zu den Eisbären Berlin in deren Sportschule. Gespielt für die Eisbären hat er in der Schüler-Bundesliga und Deutschen Nachwuchsliga. Es folgte die Düsseldorfer EG.

Dort durfte Felix Schümann an der großen Eishockey-Welt schnuppern im Training mit den Erstliga-Spielern. Mit 19 Jahren unterschrieb er in Dortmund seinen ersten Profi-Vertrag, ehe es zu den Lausitzer Füchsen nach Weißwasser in die DEL2 ging. Bei den Black Dragons Erfurt in Liga 3 hat Felix Schümann sein Glück gefunden.

Felix Schümann trägt bei den Black Dragons Erfurt in Liga 3 die Nummer 53. © Lars Wannemacher © Lars Wannemacher

Die thüringische Landeshauptstadt findet er toll: „Erfurt hat einen wunderschönen Stadtkern – daneben aber auch Großstadt-Flair. Ich fühle mich in Erfurt total wohl.“ Das Ruhrgebiet ist keine Option mehr, wenn der bald 30-Jährige – Geburtstag am 13. Februar – seine sportliche Karriere beendet. Auch aus beruflicher Sicht nicht. Seit zwei Jahren ist Schümann neben Eishockey-Profi selbstständiger Personal-Trainer. „Dieser Job lässt sich zeitlich gut mit dem Sport koordinieren.“

Wann er die Schlittschuhe an den Nagel hängt, den Schläger in die Ecke stellt, weiß Schümann nicht: „Das hängt mit davon ab, wie lange die Corona-Krise andauert – Profi-Eishockey ohne Einnahmen in Erfurt finanziert werden kann.“

Thüringen ist ein dunkelrotes Corona-Infektions-Bundesland. „Die Zahlen in Erfurt gehen zurück“, so Schümann, der sich im Dezember selbst mit Corona infiziert hatte, seinen Krankheitsverlauf als mittelschwer einstuft mit Fieber, Verlust von Geschmack und Geruch. „Ich bin wieder gesund und kann voll trainieren.“

„Voll trainieren“ ist das Stichwort. „Ich habe die Schlittschuhe an und rufe später zurück“, hat es Felix Schümann eilig auf das Eis zu kommen – sein Trainer hatte gerufen. In Normalzeiten wird täglich von 16.30 bis 21 Uhr trainiert mit Video-Analyse, Athletik und Eis-Arbeit. Durch Corona etwas gebremster.

Zuletzt fielen Erfurter Spiele aus wegen positiver Corona-Tests. „Die 3. Liga im Eishockey wurde als Profisport eingestuft. Deshalb dürfen wir trainieren und spielen“, so der noch 29-Jährige.

Richtig zur Sache geht Felix Schümann (r.). © Lars Wannemacher © Lars Wannemacher

Wenn Profi-Fußballer stöhnen unter starker Belastung, was sollen da Eishockey-Spieler sagen? „Wir haben in den nächsten zehn Wochen 33 Spiele.“ Und das mit zum Teil langen Auswärtsfahrten nach Hannover, Tilburg in den Niederlanden, Hamburg, Rostock und Herne.

„Diese Touren stören mich nicht weiter. Blöd ist ein Freitagabend-Spiel in Hamburg. Da müssen wir irre früh losfahren. Nachmittags sind die Hamburger Straßen vollgestopft mit Autos, da brauchen wir ewig, um die Eishalle mitten in der Stadt pünktlich zu erreichen.“

Die sportliche Situation in der Oberliga Nord sieht Felix Schümann klar abgesteckt: „Spitzenreiter Hannover Scorpions läuft vorne weg. Dort gibt es viel Geld – wir haben den Scorpions im Heimspiel trotzdem einen Punkt abgeknöpft. Alle anderen Teams spielen auf demselben Level.“ So sei Tabellenplatz zehn unter 13 Klubs für seine Black Dragons nicht das letzte Wort, so Schümann.

Felix Schümann will seine Laufbahn in Erfurt beenden. © Lars Wannemacher © Lars Wannemacher

Gibt es im Eishockey Unterschiede beim Eis? „Auf jeden Fall. Das Eis ist in jeder Halle anders – die Eisfläche sowieso. In Leipzig gibt es nur eine kleine Spielfläche, auf der man anders Eishockey spielen muss als auf größeren. Bei uns spielt keiner gerne wegen des gelblichen Lichts in der Halle“, erklärt Schümann.

Zu klein für die 1. Bundesliga

Hegt ein junger Mann mit dieser Eishockey-Vita nicht den Traum, in der 1. Liga zu spielen? „Klar. Es ist aber sauschwer, bei einem DEL-Club unterzukommen. Ich habe diesen Traum früh begraben – mit 1,70 Metern bin ich etwas zu klein für die DEL. Ich bin aber zufrieden mit dem, was ich im Eishockey erreicht habe.“

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Freier Mitarbeiter
Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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