Olympische Spiele 2022

Castrop-Rauxlerin fährt zu den Olympischen Winterspielen nach Peking

Eine 21-jährige Leichtathletin aus Castrop-Rauxel macht sich auf den Weg nach Peking, um dort im Zweier-Bob mit bis zu 130 Stundenkilometern den Eiskanal hinabzurasen.
Eine Castrop-Rauxelerin gehört bei den Olympischen Winterspielen 2022 zum deutschen Kader im Zweier-Bob. Mit bis zu 130 Stundenkilometern geht es den Eiskanal von Yanqing hinab. © picture alliance/dpa

Für viele Sportler sind die Olympischen Spiele ein großer Traum; für die meisten wird er nie in Erfüllung gehen. Doch eine 21-jährige Castrop-Rauxelerin bricht bald nach Peking auf. Sie gehört zum Aufgebot des deutschen Zweier-Bob-Teams.

Kira Lipperheide wird am 7. Februar 22 Jahre alt, vier Tage nach der Eröffnungsfeier im Nationalstadion in der chinesischen Hauptstadt. Mit sechs Jahren schloss sich die Schwerinerin der Leichtathletik-Abteilung des TB Rauxel an. „Interessant fand ich den Bob-Sport schon immer, habe aber früher nie gedacht, dass ich selbst mal dabei bin“, sagt Kira Lipperheide im Telefonat mit unserer Redaktion.

„Den Bob mal ausprobieren“

Auch 2017 bei ihrem Wechsel zum TV Gladbeck hatte die ehemalige Schülerin am Adalbert-Stifter-Gymnasium noch keinen Gedanken daran, mit über hundert Stundenkilometern den Eiskanal hinab zu preschen; wusste nicht einmal, dass sich diese Perspektive in Gladbeck bot. Sie feierte weiterhin Erfolge als Läuferin. 2018 gewann sie Silber mit der Gladbecker 4x-100-Meter-Staffel bei den deutschen Leichtathletik-Juniorenmeisterschaften in Heilbronn.

Die Castrop-Rauxelerin Kira Lipperheide (links) mit Bob-Pilotin Mariama Jamanka beim Bob-Weltcup in Innsbruck. Lipperheide begann als Läuferin beim TB Rauxel, wechselte dann zum TV Gladbeck und kam so zum Bob-Sport. © picture alliance/dpa

„Als ich in Gladbeck war, kam dann aber schnell die Idee, mal den Bob auszuprobieren“, erinnert sich Kira Lipperheide. Kurz vor Weihnachten erzielte sie beim Anschiebetest in Oberhof auf Anhieb die drittschnellste Zeit. Bereits im Januar 2019 folgte der erste offizielle Start im Zweierbob von Pilotin Kim Kalicki; beim Europacup in Innsbruck landeten sie auf Platz zwei.

Im Januar 2020 dann der erste Weltcup-Sieg. Als Anschieberin von Stephanie Schneider siegte Kira Lipperheide in Winterberg. Nur einen Monat später folgte der Junioren-Weltmeistertitel mit Pilotin Kim Kalicki. Doch dann bremste ihr eigener Körper die junge Castrop-Rauxelerin aus. Die Bundespolizistin erlitt einen Ermüdungsbruch und fiel für die komplette Saison 2020/21 aus.

Kira Lipperheide (hinten) ist Anschieberin im Zweier-Bob. Dabei ist vor allem Schnellkraft gefragt. © privat

Dennoch gelang ihr am Tag vor Heiligabend beim Leistungstest in Oberhof der Sprung in die Olympia-Auswahl – als Ersatz-Anschieberin für Peking 2022. „Mit Olympia habe ich schon geliebäugelt“, so Kira Lipperheide. „Nur mit dem Ausfall hatte ich nicht geplant. Diese Zeit hat mir in der Saisonvorbereitung gefehlt. Wintersportler werden im Sommer gemacht.“

Die Rolle der Ersatz-Anschieberin sieht sie zwiespältig. „Ich fahre mit einem lachenden und einem weinenden Auge nach China“, sagt die 21-Jährige. „Aber ich bin auch froh, meine Rückenprobleme hinter mir gelassen zu haben.“ Als Ersatz-Anschieberin sitzt Kira Lipperheide quasi auf der Reservebank. Nur falls eine der drei gesetzten Anschieberinnen der Zweier-Teams Laura Nolte/Deborah Levi, Mariama Jamanka/Alexandra Burghardt und Kim Kalicki/Lisa Buckwitz ausfällt, kommt sie zum Zuge. Sie oder Leonie Fiebig vom BSC Winterberg.

Als Anschieberin von Stephanie Schneider (rechts) feierte Kira Lipperheide in Winterberg ihren ersten Weltcup-Sieg. © picture alliance/dpa

Während sich Kira Lipperheide bereithält, wird sie im Olympia-Team alle möglichen Aufgaben übernehmen, um die übrigen Mitglieder zu entlasten. Dazu gehört auch das Schleifen und Polieren der Kufen. Eigentlich Routine. Dennoch sei Olympia „neu und aufregend“, so die ehemalige TBR-Athletin.

Für einen Einsatz in China scheint die 21-Jährige gerüstet. Sie kennt die neue Bob-Bahn in Yanqing, 75 Kilometer vor Peking. Dort wurde sie mit Pilotin Mariama Jamanka im Oktober bei den Selektionsrennen Erste. Bis zu 10.000 Zuschauer finden Platz an der Strecke in Form eines Drachens. „Die Kulisse ist echt beeindruckend, die Chinesen haben an nichts gespart“, sagt Kira Lipperheide. „Für Pilotinnen ist die Strecke anspruchsvoll, für die Anschieberinnen entspannt mit wenig Druck in den Kurven. Es macht Spaß, dort zu fahren.“

Bis 2017 startete Kira Lipperheide für den TB Rauxel, wie hier bei den Deutschen Meisterschaften in Ulm. Dann wechselte sie zum TV Gladbeck. © Wolfgang Birkenstock

Den Bahnrekord in Yanqing halten übrigens Kim Kalicki und Anabel Galander mit 1:02,14 Minuten. Hinter dieser einen Minute – auf die es letztlich ankommt – steckt jede Menge Arbeit, wie unzählige Stunden im Kraftraum.

„Wir sind Schnellkraftsportler“, erläutert Kira Lipperheide. Bereits im Frühjahr geht das Training los. Im April geht es zunächst darum, schneller und kräftiger zu werden. Im Sommer trainiert man dann mit einem Schlitten auf Rollen. Und im Herbst geht zu den Lehrgängen.

Kira Lipperheide (vorn) war 2015 für den TB Rauxel am Start. Bereits mit sechs Jahren schloss sie sich dem Verein an. © Volker Engel

In der letzten Vorbereitungsphase geht es dann in den Eiskanal. So tritt die junge Castrop-Rauxelerin bei der achten Weltcup-Station im schweizerischen St. Moritz (14. bis 16. Januar) an. „Jetzt bloß keinen Fehler machen und aufpassen, dass bei uns nichts mit Corona passiert“, erklärt Kira Lipperheide. „Ein Corona-Fall im Team würde für viele Probleme sorgen.“ Das olympische Motto lautet schließlich: Dabei sein ist alles.

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