Ein in Ickern geborener Trainer ist nach wenigen Wochen im neuen Club schon wieder entlassen worden. © Jens Lukas
Fußball

In Castrop-Rauxel erfolgreicher Trainer wird als Wunschkandidat geholt und schnell entlassen

Mit 57 Jahren 30 Jahre als Fußballtrainer tätig zu sein, ist schon eine besondere Leistung. Eine lange Zeit mit Höhen und Tiefen. Das hat ein Coach durchlebt, weil er sich früh verletzte.

Über 30 Jahre als Fußballtrainer, das ist schon besonders. Das Ganze dazu erst mit 57 Jahren geschafft zu haben, eine großartige Sache. Geschuldet indes der Tatsache, dass er sich als Spieler schwere Verletzungen zugezogen hatte.

Erfolge und weniger glorreiche Zeiten wurden durchlebt. Titel und Abstiege und das Gefühl sich auf einem Schleudersitz zu befinden, wechseln sich in der jahrelangen Präsentation auf der Trainerbank ab.

Letzte Station war SW Meckinghoven

Ein Mann der das genauso bisher durchlebt hat und der aktuell wieder die Kehrseite der Medaille im Trainerberuf am eigenen Leibe erfuhr, ist der gebürtige Castrop-Rauxeler Olaf Senking, der in Waltrop wohnt. Der Kreisliga A-Ligist SW Meckinghoven gab zuletzt die Trennung von seinem zur Saison 2019/20 als Wunschkandidaten gefeierten Senking bekannt.

Olaf Senking wirkte zweimal in zwei Jahrzehnten als Coach des SuS Merklinde. © Jens Lukas © Jens Lukas

Die Verbindung kam mit den Dattelnern zustande, weil das zweite Engagement beim SuS Merklinde (2017 bis 2019) endete. Während Olaf Senking 2001 mehr Zeit für die Familie aufbringen wollte (Ehefrau Marisa-Galassi bekam die Zwillinge Guilia und Fabiano und in Merklinde aufgab, kam das Aus 2019 in beiderseitigem Einvernehmen. Merklindes Sportlicher Leiter Martin Broll sagte: „Wir sind nicht im Streit auseinander gegangen, nur in der Zielsetzung waren wir uns nicht einig.“

Zum (damaligen) Glück anscheinend für die Verantwortlichen von Kreisliga A-Ligist SW Meckinghoven. Die hatten sofort um Senking gebuhlt und seine Zusage nach dreitägiger Überlegung bekommen. „Wir haben mehrere Trainer zur Auswahl gehabt“, erklärte Meckinghovens Vorsitzender Klaus Herrmann, „die gegenseitigen Argumente hätten letztlich beide Seiten überzeugt.“

Kopfzerbrechen bekam Olaf Senking (l.) trotz der Unterstützung von Toni Schreier bei seinem zweiten Engagement in Merklinde. © Volker Engel © Volker Engel

Das ist Olaf Senking

  • Olaf Senking ist im Castrop-Rauxeler Stadtteil Ickern geboren und wohnt mit Familie in Waltrop. Mit Ehefrau Marisa-Galassi Senking hat er die 19-Jährigen Zwillinge Guilia und Fabiano.
  • Über 30 Jahre Trainer-Erfahrungen sammelte er bei Arminia Ickern, VfB Waltrop (Jugend und Senioren), SuS Merklinde (2x), Germania Datteln und SW Meckinghoven.
  • Der 57-Jährige ist als Kunden-Vertriebspartner seit vielen Jahren für die Gesundheitskasse AOK Nordwest tätig.

Das ist alles Schnee von gestern. Die Mannschaft belegte in der wegen der Corona abgebrochenen Saison 2019/20 Rang 13. In der aktuell ausgesetzten Spielzeit 2020/21 macht der letzte Tabellenplatz den Dattelnern wohl Angst. Ein Sieg aus sechs Spielen sieht nicht so rosig aus. Olaf Senking war sich im Gespräch mit unserer Redaktion überzeugt: „Wir hätten die Wende zu geschafft“.

Olaf Senking spielte für VfB Habinghorst in der Landesliga

Dabei basiert seine Aussage auf Erfahrungen von drei Jahrzehnten. Er begann als Schüler bei Eintracht Ickern, weil dort sein Vater und Onkel kickten. Dann zog es ihn zum ersten Mal zum VfB Waltrop in die Jugend. Es ging als 18-Jähriger zum SC Arminia Ickern. Beim VfB Habinghorst spielte Olaf Senking zwei Jahre lang in der Landesliga, ehe ein Kreuzbandriss und eine Meniskus-Verletzung das Karriere-Aus besiegelten.

Der Trainer Senking wurde im Alter von 27 Jahren geboren – 1990. Über seine Arbeit bei Arminia Ickern titelte unsere Redaktion 1995: „Mit Senking kam der Erfolg zurück.“ Er selbst sagte: „Das war eine schöne Zeit, wir sind einmal Feldstadtmeister und dreimal Hallenmeister geworden.“

Mitte der 1990er Jahre rief wieder der VfB Waltrop. Spielertrainer war Ex-Profi Toni Schreier, auf dem Feld standen hier bekannte Spieler wie Martin Broll, Frank-Michael Isbruch und Stefan Friebel. Alle vier sahen sich später auch beim SuS Merklinde wieder. Dorthin zog es dann auch Senking 1999 hin.

2001 ging es nach dem ersten Merklinde-Gastspiel nach Waltrop zurück. Dort betreute Olaf Senking zunächst die Senioren und machte sich danach über Jahre als VfB-Nachwuchs-Trainer einen Namen. Zwischenzeitlich gab es eine Stippvisite bei Germania Datteln – und 2017 die Rückkehr zum Fuchsweg.

Augenblicklich ruht der Spielbetrieb. Eine neue Trainerstelle gibt es noch nicht, erklärte Olaf Senking. So kann er augenblicklich auch nicht seiner Tochter Guilia beim Fußball zuschauen. Während sich ihr Bruder Fabiano dem Rudern verschrieben hat, ist das Tochterherz eine sehr gute Fußballerin geworden. Sie kickte in der U17-Bundesliga beim VfL Bochum und jetzt mit 19 Jahren im Regionalliga-Frauen-Team des FFC Recklinghausen.

Über den Autor
Sportredaktion Castrop-Rauxel
Geboren und wohnhaft in Castrop-Rauxel, bin ich über den Billardsport (Karambolage) als freier Mitarbeiter in der Castrop-Rauxeler Lokalredaktion angefangen. Da ich neben dem französischen Billard noch Fußball, Handball, Tischtennis und Tennis in Vereinen aktiv ausführte bot es sich förmlich an, darüber ebenfalls zu berichten.
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