Martin Janicki, Vorsitzender des SV Wacker Obercastrop. © privat
Fußball-Westfalenliga

Obercastrops Janicki: „Bövinghausens Personalpolitik ist nicht dem Amateurfußball würdig“

Der TuS Bövinghausen hat mit den Verpflichtungen der Ex-Profis Kevin Großkreutz und Baris Özbek die Messlatte in der Westfalenliga auf ein sehr hohes Level gelegt. Was sagt man beim SV Wacker Obercastrop dazu?

Die Vorgabe „Nicht kleckern, sondern klotzen“ ist seit Jahren die Devise beim TuS Bövinghausen mit Vorstands-Chef Ajan Dzaferoski. Im Mai bekam dieses Motto neue Nahrung durch die Verpflichtungen der ehemaligen Profis Kevin Großkreutz und Baris Özbek.

Großkreutz stand in seiner Zeit bei Borussia Dortmund sogar im Kader der Deutschen Nationalmannschaft, die 2014 in Brasilien Weltmeister wurde. Die weiteren Großkreutz-Erfolge: zwei Deutsche Meisterschaften, DFB-Pokalsieg und die Champions League-Endspielteilnahme. Der Castrop-Rauxeler Baris Özbek wurde mit Galatasaray Istanbul Meister in der 1. Türkischen Liga und hatte davor bei Union Berlin, MSV Duisburg und in der Türkei bei Trabzonspor gespielt.

Martin Janicki: „Eine starke Nummer“

Mit den beiden Verpflichtungen von Stars hat Bövinghausen die Liga in Aufruhr gebracht. Oder? Martin Janicki, 1. Vorsitzender des Liga-Konkurrenten SV Wacker Obercastrop, wird durch die Einkaufspolitik in der Dortmunder Nachbarschaft nicht nervös. Er sagte jetzt zum Reporter dieser Redaktion: „Das ist zwar schon eine starke Nummer, die dort in Bövinghausen vom Vorsitzenden Ajan Dzaferoski initiiert wird, doch diese Personalpolitik ist nicht dem Amateurfußball würdig und wird von uns auch nicht angestrebt.“

Wacker Obercastrop war ja 2020, nach dem Abbruch der Saison 2019/20 wegen der ersten Corona-Welle, als Landesliga-Spitzenreiter mit dem Zweitplatzierten Bövinghausen in die Westfalenliga aufgestiegen. Zu direkten Duellen in der neuen Liga kam es ja nicht, weil Corona es nicht zuließ.

Das Landesliga-Topduell gewannen Anfang Oktober 2019 Elvis Shala (r.) und sein SV Wacker Obercastrop beim favorisierten TuS Bövinghausen und übernahmen die Tabellenspitze. © Schaper © Schaper

Dass Bövinghausen natürlich jetzt der Top-Favorit auf Titel und Aufstieg sei, ist auch Janicki klar: „Die Bövinghausener hatten ja schon vorher eine starke Mannschaft, die jetzt noch eine höhere Hausnummer wird. Sie können sich sicherlich nur selbst schlagen – wenn mal alles nicht so läuft und die Stimmung kippt.“

Das klingt wie eine kleine Stichelei des Wacker-Vorsitzenden gegen den Bövinghausener Macher Dzaferoski. „Denn das macht er ja auch ganz gerne“, sagt Janicki und lacht. Sein Verein wird und kann das Wettrüsten nicht mitmachen.

Zum Beispiel sei man nie auf die Idee gekommen, mit dem Castrop-Rauxeler Baris Özbek zu sprechen. Dieser stammt quasi aus dem Dunstkreis der Erin-Kampfbahn. Der Kontakt wäre einfach gewesen, wenn man es gewollt hätte. Baris´ Bruder Sencer trainiert die C-Jugend in Obercastrop. Janicki sagt: „Wir haben eine gute Truppe und wir setzen bei Wacker nicht auf gestandene Profis, die sich im dritten Frühling befinden.“ Und weiter: „Wir haben auch Spieler in den Reihen, die – warum auch immer- eine Profikarriere verpasst haben.“

Auf jeden Fall freut sich der Wacker-Verantwortliche nach der langen Corona-Auszeit auf die neue Saison und den aufgemotzten Bövinghauser Express. Janicki in erwarteter Vorfreude: „Wir werden natürlich versuchen, die Star-Truppe zu ärgern. Denn jedes Spiel muss erst einmal gespielt werden. Für die Liga ist das natürlich toll. Ich rechne in jedem Spiel mit einem Zuschauer-Rekord, wenn es gegen Großkreutz, Özbek und Co geht.“ Schon vorher hatte der TuS Bövinghausen ein Team gespickt mit Spielern, die Erfahrungen aus der Oberliga, Regionalliga oder der 3. Liga mitbringen.

Nicht von ungefähr seien die Nachbarn jenseits der Castrop-Rauxeler Stadtgrenze im Süden von der Kreisliga bis zur Westfalenliga durchmarschiert. Bei Abbruch und Annullierung der Saison 2020/21 standen sie an der Westfalenliga-Spitze, dicht gefolgt von der Konkurrenz. Dazu zählten die Obercastroper, die in den sieben absolvierten Spielen nur ein Gegentor zuließen.

Diesen Abwehrriegel muss auch erstmal die neue Bövinghauser Formation knacken. Denn Janicki warnt auch den Favoriten: „Fußballspielen können alle in der Liga.“ Der Wacker-Funktionär meint aber auch, dass am Ende Bövinghausen die größte Chance hat, Meister zu werden.

Die Dortmunder stellen sich schon seit Jahren mit den Größten der Branche, wie zum Beispiel Paris St. Germain, auf eine Linie. Die großen Transparente rund um den Platz zeigen die Richtung an. Durch eine Kooperation mit der Pariser Jugend-Academy, steht dort in großen Lettern: Ici c`est Paris. Also locker übersetzt: „Hier ist Paris“. Ganz so weit ist der TuS Bövinghausen dann aber doch noch nicht.

Über den Autor
Sportredaktion Castrop-Rauxel
Geboren und wohnhaft in Castrop-Rauxel, bin ich über den Billardsport (Karambolage) als freier Mitarbeiter in der Castrop-Rauxeler Lokalredaktion angefangen. Da ich neben dem französischen Billard noch Fußball, Handball, Tischtennis und Tennis in Vereinen aktiv ausführte bot es sich förmlich an, darüber ebenfalls zu berichten.
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