Jonas Heider ist seit Beginn der Kreisliga-Saison Trainer von SG Castrops Frauen-Team. Es ist seine erste Station als Coach; an der Bahnhofstraße übernahm er recht spontan ein Team, das einst als "untrainierbar" galt. © Volker Engel
Frauenfußball

SG Castrop: Debütant trainiert jetzt „die Untrainierbaren“

Jonas Heider steigt bei seiner ersten Trainer-Station gleich in große Fußstapfen. Bis Saison-Halbzeit lief es aber ziemlich gut für ihn und die Fußballerinnen der SG Castrop.

Die Fußballerinnen der SG Castrop haben sich mit einem 0:10 (0:7) beim Kreisliga-Spitzenreiter FC Schalke 04 II in die Winterpause verabschiedet. Die Niederlage hatte der heimische Tabellensiebte eingerechnet, denn Schalke II spielt mit einem Torverhältnis von 84:0 eigentlich in einer anderen Liga. Für die Castroperinnen war es dennoch eine erfolgreiche Hinrunde, nachdem zum Start noch unklar war, wie die Hinserie überhaupt ablaufen würde.

Ali Sommer ist nicht mehr Trainer der SG Castrop

Im August – bei der Saisonvorbereitung und im Kreispokal – schwang noch Hans-Albert „Ali“ Sommer das Trainerzepter, stand bereits im September ein anderer Name unter dem Spielberichtsbogen zum Kreisliga-Auftakt. Jonas Heider ist seitdem offiziell Frauen-Trainer an der Bahnhofstraße.

„Ali hatte bereits durchblicken lassen, dass er sich zurückziehen möchte“, erklärt der SG-Vorsitzende Björn Klieve. „Er will sich um sein Enkelkind kümmern.“ Daher habe Sommer gefürchtet, seiner Aufgabe als Trainer der SG-Frauen nicht mehr mit der nötigen Intensität nach gehen zu können.

Nachfolger musste schnell her

So musste schnell ein Nachfolger her. Die Wahl fiel auf Jonas Heider. „Das lief recht spontan“, schildert dieser. „Ich habe meiner Partnerin, Christina Murges, die selbst bei SG Castrop spielt, eher als Spaß gesagt: ,Wenn ihr keinen findet, gucke ich mir die Mannschaft mal an.´“ Eine Woche später, beim Kreisliga-Auftakt gegen Horst-Emscher (0:3/5.), stand er bereits als offizieller Coach an der Seitenlinie.

Es ist seine allererste Station als Trainer. Und das bei einer Mannschaft, die einst als untrainierbar galt. „Mir macht es Spaß beim Fußball nun auf der anderen Seite zu stehen“, so Heider. Man sieht so viel mehr vom Spiel.“

In der Jugend spielte Heider beim TuS Henrichenburg, wechselte als A-Junior zur SG Castrop. Als Senior ging er zurück nach Henrichenburg, dann zum VfR Rauxel. „Fußball interessiert mich, auch die Taktiken, ich lebe das“, sagt Heider. Mehr Vorbereitung aufs Traineramt gab es vor ein paar Wochen nicht. „Inzwischen habe ich mich ein wenig in Taktik-Bücher eingelesen“, so der Coach.

Die SG Castrops (rote Trikots) im Hinrunden-Stadtderby gegen den FC Frohlinde. Castrop siegte im September mit 6:0. © Volker Engel © Volker Engel

Bislang läuft es aber erstaunlich gut für sein Team. SG Castrop steht auf Platz sieben. Mit 14 Punkten hält man Kontakt zu den besten Teams der Liga, abgesehen von den beiden Schalker Equipes auf den Plätzen eins und zwei. ASC Leone (3.) und Erler SV (4.) trotzten die Castroperinnen jeweils ein 2:2-Unentschieden ab.

So fällt Heiders Fazit zur Saison-Halbzeit auch positiv aus. „Die Mannschaft ist eine gute Einheit geworden und hält zusammen“, so der Coach. „Taktisch ist letztes Jahr schon viel passiert, was uns jetzt hilft. Wenn wir nun noch eine gewisse Abgezocktheit hinkriegen, können wir es auf Platz vier hinter Leone schaffen.“

Kapitänin Vivian Gaj berät Coach

Dabei war ihm am Anfang gar nicht so wirklich klar, worauf er sich da einlässt. „Wichtig ist, dass von Anfang alles zwischen dem Team und mir gestimmt hat“, erklärt Heider. „Die Spielerinnen sollten mich erst kennen lernen. Sonst hätte ich das Amt nicht übernommen.“

Eine große Hilfe bei der Arbeit mit der Mannschaft ist Kapitänin Vivian Gaj. Sie setzte den Coach zu Beginn ins Bild, wer auf welcher Position spielt und wer wie tickt. Inzwischen hat sich Heider Verstärkung geholt. Malte Gerlach, als Junior einst beim SSV Jahn Regensburg in der 2. Bundesliga am Ball war, analysiert für die SG Castrop die gegnerische Taktik.

Solange allerdings an der Tabellen-Spitze die Schalker Doppel-Dominanz herrscht braucht man an der Bahnhofstraße keinen Gedanken an das Thema Bezirksliga-Aufstieg verschwenden. Auch bei Leone und Erle nicht.

„Das ist derzeit kein Problem“, so Heider. „Einerseits ist der Spaß am Fußball unsere Motivation. Und andererseits sind unsere Spielerinnen heiß wie Frittenfett, gegen Teams zu spielen, die Frauenfußball so professionell aufziehen, wie Schalke das macht.“ Nur falls Schalke ein drittes Team ins Rennen schicke und somit den Weg Richtung Bezirksliga weiterhin verbaue, könnte es schwierig werden, Spielerinnen zu halten, die höhere Ziele als die Kreisliga haben.

Ex-Trainer Ali Sommer wünscht seinen ehemaligen Team alles Gute für die Saison. „Der neue Trainer soll so weitermachen. Wie ich höre, macht er das gut“, so Sommer. Das ist natürlich ein großes Lob. Unbestritten ist schließlich, dass es Sommer war, der aus den „Untrainierbaren“ ein schlagkräftiges Team formte und für die Castroper Kreisligistinnen sogar ein Bundesliga-Angebot ablehnte.

Über den Autor
Redaktion und Sportredaktion Castrop-Rauxel

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