Eigentlich schenkten sich die Kreisliga-A-Fußballer des FC Frohlinde (blaue Trikots) und des SC Arminia Ickern am neunten Spieltag im Derby nichts. Es gab aber eine bemerkenswerte Fairplay-Szene. © Volker Engel
Fußball-Kreisliga A

Video: Kreisliga-Trainer fordert zum Eigentor auf – mit Chance auf Fairplay-Preis?

Ein Fußballspiel auf zwei Tore zu reduzieren, wird der Sache oft nicht gerecht. Das Kreisliga-A-Duell des FC Frohlinde II mit Arminia Ickern bleibt allerdings vor allem durch diese im Gedächtnis haften.

Am neunten Spieltag der Kreisliga A standen sich auf dem Sportplatz an der Brandheide der FC Frohlinde II und Arminia Ickern gegenüber. Es war lange Zeit ein Derby wie viele andere zuvor: Nicht überragend, aber spannend. In der 78. Minute wurde dieses Spiel jedoch ein besonderes.

Arminen-Coach fragt Frohlindes Trainer nach Meinung

Im Mittelkreis lag ein verletzter Arminen-Spieler als Ickerns Kevin Tann allein auf Frohlinde-Keeper Max Brandenburger zulief. Alle anderen Spieler – inklusive Tann – erwarteten wohl eine Unterbrechung wegen des verletzten Mannes und blieben stehen: Der Pfiff blieb aus. Auf Zuruf: „Spiel weiter, es ist nicht gepfiffen worden“, machte Tann das 2:0.

War es ein schlechtes Gewissen? Oder eine Fairplay-Aktion? Ickerns Patrick Höfener netzte den Ball drei Minuten später – ebenfalls auf Zuruf – zum 1:2 ins eigene Tor ein. Ickerns Trainer Kim Weber sprach nach dem Schlusspfiff von einer Fairplay-Aktion, zumal ja kein Frohlinder verletzt auf dem Platz gelegen hätte. Frohlinde-Coach Dirk Vierhaus mochte sich kurz nach Spielschluss nicht äußern. Tags drauf dann schon.

Dirk Vierhaus, Trainer des FC Frohlinde II. © Volker Engel © Volker Engel

„Nach dem Spiel haben Kim Weber und ich uns die Hand gegeben. Als er mich gefragt hat, was ich in einer ähnlichen Situation getan hätte, habe ich ihm gesagt, das nicht zu wissen“, erklärt Vierhaus. Das lasse sich auch im Nachhinein nicht sagen, da in einem Spiel aus der aktuellen Situation heraus schnell reagiert werden müsse, so Vierhaus weiter.

Eins weiß der Frohlinde-Trainer aber: „Wenn Tann weitergelaufen wäre und den Ball reingehauen hätte, würde nicht darüber geredet werden.“ Und ergänzt: „Arminia Ickern hätte dieses Derby auch ohne diese Tore gewonnen.“

Trotz guter Chancen in der ersten Halbzeit („Da hat Ickerns Keeper ein paar Mal gut gehalten“) wäre seinem Team an diesem Tag wohl kein Tor gelungen, denkt Vierhaus. Zum verschossenen Elfmeter, der Frohlindes 1:0 hätte sein können, merkt er an: „Das kann passieren. Wenn der Torwart in die andere Ecke fliegt, hätten alle gesagt, dass Lennart Reichel den Keeper schön ausgeguckt hat.“

Doch zurück zu den „komischen Situationen“, wie Vierhaus die Tore zum 0:2 und 1:2 nennt. Ob das Ickerner Eigentor nun Fairplay oder schlechtes Gewissen war – wegen des kuriosen 2:0, ist letztlich auch nicht unbedingt wichtig.

Schiedsrichter Ahmet Candan (Dortmund) hat dieses 1:2 jedenfalls nicht als Flairplay-Aktion im Spielbericht vermerkt, wie Staffelleiter Andreas Pelzing bestätigte. Der Referee hätte die Gelegenheit dazu gehabt, erklärt der langjährige Funktionär: „Dafür gibt es im elektronischen Spielbericht eine Stelle. Wenn man dort den Haken setzt, kann man einen kurzen Bericht schreiben. Allerdings habe ich in all den Jahren hier noch nie etwas über irgendwelche Fairplay-Aktionen gelesen.“

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Über 30 Jahre als Sportredakteur aktiv, bin ich nun im "Unruhestand" seit der Saison 2018/2019 als Freier Mitarbeiter für den Castroper Sport am Ball - eine neue, spannende Erfahrung. Meine journalistischen Fachgebiete sind alle Ballsportarten, die Leichtathletik und Golf. Mit den deutschen Spitzen-Fechtern war ich in den frühen 2000er-Jahren bei Welt- und Europameisterschaften in der "halben Welt" unterwegs.
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