Japanische Kultur und Tradition spielen im Kampfsport eine große Rolle. Das wurde nicht nur am Stand des Instituts für Budologie deutlich.
Kampfsport

Angreifer hatten beim Seminar in Wulfen auch etwas zu lachen

Wie schalte ich einen Angreifer am schnellsten aus? Beim Großseminar des Tao Wulfen lernten 180 Kampfsportler das und vieles mehr mit einem Lachen.

Yawara Kyushi-Ryu oder Shaolin Kempo? Authentic Street Defense oder Kickboxen? Taekwondo oder Hapkido? Bei den „Secrets of Martial Arts“ hatten die Teilnehmer am vergangenen Samstag in der Wulfener Gesamtschulhalle die Wahl.

Bei dem Großseminars der Martial Arts Association International konnten sie in unbekannte Kampfsportarten und -stile hineinschnuppern und die Demonstrationen der zahlreichen, als Referenten auftretenden Großmeister auch gleich selbst in die Tat umsetzen.

Gekommen waren die rund 180 Kampfsportler nicht nur aus NRW. „Wir haben zum Beispiel eine zehnköpfige Gruppe aus Cuxhaven. Im Grunde kommen die Leute aus dem gesamten Bundesgebiet“, erzählte Bernd Höhle, Vorsitzender der Martial Arts Association International.

Das Seminar in Wulfen sei so etwas wie eine große Wiedersehensfeier: „Es ist das erste Treffen seit 2019“, berichtete Höhle. Corona habe – natürlich – auch die Kampfsportler ausgebremst, und die Zahlen von Wulfen hätten das bestätigt: „Wir hatten auch schon Treffen mit 500 Teilnehmern und mehr“, sagte der MAA-Vorsitzende. Offenbar seien die Menschen noch vorsichtig: „Wenn Berufstätige nach einer solchen Veranstaltung in Quarantäne müssten, wäre das für viele natürlich ein Problem.“

Eindringlicher Hinweis auf Coronaregeln

Auch in Wulfen galten deshalb noch strenge Verhaltensregeln. Rückverfolgung, Abstandhalten, Maskenpflicht. Wer die Toilette am Tribüneneingang benutzte, musste die Halle verlassen und über den Haupteingang wieder herein kommen. Bei der Begrüßung erinnerten die Veranstalter die Teilnehmer noch einmal eindringlich an alle diese Vorschriften, und nachdem die rund 20 Großmeister vorgestellt waren, ging‘s dann auf die Matten.

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Secrets of Martial Art

Dort zeigte dann zum Beispiel Marc Sommer, wie man sich mit einfachen Techniken der Authentic Street Defense gegen Angreifer zur Wehr setzt, die einen mit beiden Händen würgen wollen. Zwei, drei kleine Griffe zur richtigen Stelle, ein gut angesetzter Hebel, und Sommers Angreifer purzelte zu Boden. „Und jetzt ihr!“, hieß es dann, und Sekunden später begann in Zweier-Teams ein buchstäblich fröhliches Handgemenge. Denn eines zeichnete alle Teilnehmer aus: das Lachen.

Getreu dem MAA-Motto „Gemeinsam miteinander, nicht gegeneinander“ schlüpften die Kämpfer zwar in die Rollen von Angreifer und Verteidiger, blieben dabei aber stets Partner und achteten auf die Gesundheit ihres Gegenübers.

Da bedurfte es dann sogar ab und zu der Aufforderung „Mach ruhig fester.“ Etwa, wenn Großmeister Tobias Riemer beim Yawara Kyushi-Ryu zeigte, wie Druck auf einen bestimmten Punkt am Unterarm den Griff eines Angreifers lösen kann.

Dinge wie diese hatte sich Marvin Ley vom Ausrichter Tao Wulfen von dem Seminar erhofft: „Ich will hier viel Neues sehen, aber vor allem auch viele Leute wieder treffen, die ich über die Jahre kennengelernt habe.“ Und Vereinskollege Jens Lagemann ergänzte: „Ich freue mich vor allem darüber, dass diese Veranstaltung überhaupt wieder stattfinden kann.“

Rund sechs Stunden Zeit

Rund sechs Stunden hatten die Teilnehmer Zeit, um ihren Horizont zu erweitern und neue Grifftechniken zu lernen. Aber natürlich wurden die Kampfpausen ausgiebig dafür genutzt, alte Bekanntschaften aufzufrischen oder sich über die Corona-Leidenszeit auszutauschen. Das Seminar in Wulfen war für alle ein Schritt in Richtung Normalität, also quasi ein Schritt zurück nach vorn. Gemeinsam miteinander, nicht gegeneinander.

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Sportredaktion
Sport ist für den Wulfener nicht nur ein wichtiger Bestandteil seines Arbeitslebens. Seit 1993 schreibt er als Mitarbeiter der Dorstener Zeitung über das Sportgeschehen in der Lippestadt, seit 1999 ist er als Redakteur für den Lokalsport in der Lippestadt verantwortlich. Dabei fasziniert ihn besonders die Vielfalt der Dorstener Sportszene, die von Fußball bis Tanzen und von Basketball bis Kitesurfen reicht.
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Andreas Leistner