Typische Szene mit Schermbecks Gabriel Cavar (M.): Es ging durchaus robust auf dem Schermbecker Kunstrasen. © Ralf Pieper
Fussball

SV Schermbeck gewinnt ein Spiel der vergebenen Chancen

Auf dem Papier feierte der SV Schermbeck gegen die SG Finnentrop/Bamenohl am Sonntag einen klaren Sieg. Gewiss nicht unverdient. Doch das war nur die halbe Wahrheit.

Am Ende sah alles ganz leicht aus. Paul Stieber, am Sonntag Dreh- und Angelpunkt des Oberligisten SV Schermbeck, bediente Tolga Özdemir mustergültig, und Özdemir ließ Bamenohls Keeper Armend Shaqiri keine Chance. Klassischer Konter. 4:1. Deckel drauf. Der zweite Saisonsieg des SVS war unter Dach und Fach.

Doch so schön und zwingend wie dieser letzte Konter war das SVS-Spiel vorher über weite Strecken nicht. Trainer Sleiman Salha verwies erneut darauf, dass einige Spieler kräftemäßig noch immer nicht auf vollem Level spielen: „Viele sind halt erst während der Vorbereitung eingestiegen.“

Deshalb sei seiner Mannschaft nach einer guten ersten halben Stunde ein wenig die Luft ausgegangen, sodass Finnentrop/Bamenohl besser ins Spiel gekommen sei. Hätten die Sauerländer in dieser Phase ihre Chancen konsequent genutzt, der SVS hätte auch in Rückstand geraten können, ja eigentlich müssen. Doch die Sauerländer vergaben zwei glasklare Möglichkeiten, und so blieb es zunächst beim schön herausgespielten 1:0 durch Paul Stieber, der eine Hereingabe von Jan Bachmann verwertete (15.).

Unmittelbar vor dem Pausenpfiff besann sich dann erneut Lukas Steinrötter seiner Vollstrecker-Qualitäten. Diesmal war es zwar kein Fallrückzieher, aber ein Kopfball nach Eckball tat es auch, und der SVS ging mit einem 2:0 in die Pause (45.).

Im zweiten Durchgang setzte Sleiman Salha dann auf eine Fünferkette, aus der heraus der SVS die entscheidenden Konter setzen wollte. Das hätte auch wunderbar aufgehen können. Doch Paul Stieber traf nach einer guten Stunde nur die Latte (63.), und Nicolai Pakowskis sehenswertem Dribbling gegen drei Verteidiger fehlte nur der krönende Abschluss, als er sich die Ecke aussuchen konnte und vorbei schoss (65.).

Diese Nachlässigkeiten ärgerten den Schermbecker Trainer: „Wir wollten Männerfußball spielen und das Ding entscheiden. Stattdessen waren wir ein wenig zu verspielt, und so kam es, wie es kommen musste.“

Damit meinte Salha den Finnentroper Anschlusstreffer durch einen Freistoß von Philipp Hennes, nachdem vorher schon Tobias Kleppel aus gut 25 Metern am Innenpfosten gescheitert war (79.).

Doch viel Zeit zum Ärgern hatte der Schermbecker Trainer nicht. Quasi im direkten Gegenzug bediente Enes Schick Tolga Özdemir, und der stellte den alten Abstand prompt wieder her (80.). In der Schlussminute schlug Özdemir dann zum zweiten Mal zu, als Stieber ihn auf die Reise schickte.

In seiner Spielanalyse musste Sleiman Salha eingestehen, dass der SVS auf dem Weg zur Topform nach wie vor noch einige Meter machen muss. Das lag aber zumindest in der Offensive nach wie vor am Fehlen wichtiger Akteure wie Bilal Can Özkara oder Timur Karagülmez. „Gegen einen Gegner wie Finnentrop/Bamenohl hat das heute gereicht, aber schon nächste Woche wird das in Kaan-Marienborn ganz anders aussehen“, mahnte der Schermbecker Trainer. Eine ähnlich fahrlässige Chancenverwertung könne sich sein Team dann nicht erlauben.

  • SV Schermbeck – SG Finnentrop/Bamenohl 4:1 (2:0)
    SVS: Geraedts; Habitz, Özdemir, Zugcic (46. Schlüter), Pakowski, Malte Grumann (57. Jordan), Cavar (57. Schick), Steinrötter, Bachmann, Smykacz, Stieber.
    Tore: 1:0 Stieber (15.); 2:0 Steinrötter (45.); 2:1 Hennes (79.); 3:1, 4:1 Özdemir (80., 90.).
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Sportredaktion
Sport ist für den Wulfener nicht nur ein wichtiger Bestandteil seines Arbeitslebens. Seit 1993 schreibt er als Mitarbeiter der Dorstener Zeitung über das Sportgeschehen in der Lippestadt, seit 1999 ist er als Redakteur für den Lokalsport in der Lippestadt verantwortlich. Dabei fasziniert ihn besonders die Vielfalt der Dorstener Sportszene, die von Fußball bis Tanzen und von Basketball bis Kitesurfen reicht.
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Andreas Leistner