In den 50er-Jahren begann der Halterner Siegfried Thiel (vorderste Reihe, 2.v.r.), bei der Boxstaffel des TuS Haltern zu boxen. © Privat
Boxen

Halterner Ex-Boxer (83): Der Sport „ist heutzutage gemeiner geworden“

Vor langer Zeit hatte der TuS Haltern mal eine Box-Staffel. Mittendrin damals: Siegfried Thiel. Der heute 83-Jährige musste einmal sogar spontan als totaler Underdog in den Ring.

Lange ist es her, aber in Haltern gab es tatsächlich eine Box-Staffel. Sigfried Thiel war einer ihrer Akteure. Ab 1950, mit 13 Jahren, begann der mittlerweile 83-jährige seine Karriere beim TuS Haltern. Seitdem hat sich der Boxsport stark verändert.

Damals wurden die Kämpfe noch in der Niboxhalle an der Mühlenstraße ausgetragen (später Deli-Kino). Der Boxring wurde auf der Bühne aufgebaut. Ganz anders als bei Boxveranstaltungen üblich, wo der Ring in der Mitte der Zuschauer steht. Hier schaute das Publikum nur aus einer Richtung auf das Kampfgeschehen.

Siegfried Thiel gehörte früher zur Boxstaffel des TuS Haltern, später boxte er auch noch in Hamburg, als er bei der Bundeswehr war.
Siegfried Thiel gehörte früher zur Boxstaffel des TuS Haltern, später boxte er auch noch in Hamburg, als er bei der Bundeswehr war. © Jürgen Patzke © Jürgen Patzke

Ob diese Änderung für Sigfried Thiel damals einen Unterschied machte, kann er gar nicht sagen: „Ich war so konzentriert, da habe ich nicht gemerkt, ob was anders ist. Auf jeden Fall war die Halle immer gerappelt voll.“

Siegfried Thiel lief zu Fuß zum Training

Hier präsentierten sich Horst Riemann, die Brüder Mowe (Werner, Friedhelm und Arthur) sowie viele andere. Peter Martens betreute das Team zusammen mit Friedhelm Born, beide waren Idealisten und sehr engagiert.

Der Boxer ist ein Individualsportler, er ist ganz allein für sein Tun verantwortlich. Dazu gehört auch das geregelte Training. Sigfried Thiel und einige seiner Mitstreiter mussten von Lavesum nach Haltern genau deshalb zu Fuß laufen. „Für mich war dieser Sport eine Bestätigung für körperliche Fitness und möglicherweise hilft mir das noch heute im hohen Alter“, meint der zweifache Vater.

Der TuS Haltern gliederte die Box-Staffel irgendwann aus und die Qualität im Team nahm in der Folgezeit deutlich ab. Es sollte noch ein interessanter Vergleich in Selm stattfinden, der letzte Auftritt der Halterner Box-Staffel. Zwar verlor die Staffel bereits einige gute Leute, doch stand ein spannender Kampf zwischen den beiden Westfalenmeistern Helmut Wiethoff und dem Selmer Uli Stein an.

Mittelgewicht gegen Halbschwergewicht

Helmut Wiethoff erschien erst gar nicht und brachte den Trainer in Nöten. „Siggi, Du musst einspringen“, flehte ihn Coach Martens an, erinnert sich Thiel. Somit ging es für den Mittelgewichtler gegen Halbschwergewicht und Westfalenmeister Stein in den Ring – eine schier unlösbare Aufgabe.

Doch zwei Runden lang sah der Underdog richtig gut aus, erst in der dritten und letzten Runde setzte ihn ein Leberhaken matt. Das Gesamtergebnis in Selm war am Ende vernichtend.

Das war es dann mit der Halterner Box-Staffel. Sigfried Thiel absolvierte seine Ausbildung bei Bundeswehr in Hamburg und trainierte dort während dieser Zeit bei Heros mit, einer der damals besten deutschen Box-Staffeln. Dort war alles wesentlich professioneller, erinnert sich Thiel, dessen Vorbilder im deutschen Raum Gustav Wilhelm Hermann „Bubi“ Scholz und international Cassius Clay waren.

„Das aggressive Gehabe vor dem Kampf habe ich so nie erlebt“

Seit Siegfried Thiel nicht mehr boxt, sind schon einige Jahre vergangen. Eine Erinnerung, die besonders stark hängen geblieben ist: „Zu den Auswärtskämpfen fuhr uns immer Hannes Strickling. Er besaß nur einen Bus für sein Unternehmen und nahm gern seine überaus gutaussehende Ehefrau mit, was die älteren Jungs aus dem Kader sehr freute.“

Der Sport selbst hat sich in den letzten Jahrzehnten derweil ziemlich verändert, sagt Thiel. „Boxen ist heutzutage gemeiner geworden.“

Früher sei bei einem Break des Schiedsrichters auch Schluss gewesen und es ging auseinander, „heute gibt es noch mindestens einen Schlag nach“, erklärt er. „Das Gehabe, teilweise recht aggressiv, vor einem Kampf, sowas habe ich so nie erlebt.“

Open-Air-Boxkämpfe am Lippspieker

  • Bereits bevor Sigfried Thiel der Boxstaffel des TuS Haltern beitrat, gab es Boxkämpfe in Haltern.
  • Der Ring stand open-air am Lippspieker.
  • Dort erlebten die Zuschauer auch den deutschen Meister Hein ten Hoff und Europameister Heinz Neuhaus, beides Schwergewichtler, die den deutschen Boxsport in den 50er-Jahren dominierten.
Über den Autor
Freier Mitarbeiter
Als Fotografenmeister und ehemaliger Fußballer bot sich mir an in diesem Metier weiter tätig zu sein. Seit 2016 fotografiere und schreibe ich für Lensing Media im Bereich Sport, aber auch bei Bedarf für die Lokalredaktion Haltern am See.
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Jürgen Patzke