Lukas Große-Puppendahl machte seinen Bachelor am Davis & Elkins College, wo er auch Fußball spielte. Nun steckt er mitten in seinem Masterstudium an der Carson-Newman University, wo er als Co-Trainer des Fußballteams tätig ist. © Privat
Fußballstipendium

Welche Voraussetzungen brauche ich für ein Fußballstipendium in den USA?

Studium und Fußball verbinden und das auch noch im Ausland: Viele Fußballer träumen von einem Collegestipendium in den USA. Der Gründer von Soccerships erklärt, was dafür nötig ist.

Den Traum, als Fußballer in die USA zu gehen, haben viele. In Kombination mit einem Studium zieht es junge Talente an die Colleges und Universitäten der Vereinigten Staaten, um dort als Spieler der Uni-Mannschaften die Karriere voranzutreiben. Doch was muss ich als Spieler mitbringen, damit der Traum vom Stipendium in Erfüllung gehen kann?

Wir haben mit Jan Driessen, Gründer und Geschäftsführer der Vermittlungsagentur Soccerships gesprochen, um der Faszination „Fußballstipendium“ auf den Grund zu gehen. Alleine aus dem Ober- und Landesliga-Teams des TuS Haltern am See zog es in diesem Sommer beispielsweise vier Spieler gen Westen. Den Grund für die hohe Nachfrage talentierter Spieler kann sich Jan Driessen erklären.

Jan Driessen ging einst selbst in die USA.
Jan Driessen ging einst selbst in die USA. Später gründete er die Vermittlungsagentur Soccerships. © Privat © Privat

„Die jungen Leute erkennen, dass es eine gute Chance ist, Studium und Fußball zu verbinden“, erklärt er. Auch er war im Jahr 2005 als Stipendiat in die USA gegangen, damals noch als einer von wenigen.

„Hier ist fast alles auf Profi-Niveau, das System ist einmalig“

Einige Jahre nach Jan Driessen ging auch Lukas Große-Puppendahl erstmals in die USA. Der Ex-Spieler des TuS Haltern am See und der Spvgg. Erkenschwick machte seinen Bachelor, kehrte nach Deutschland zurück, wo er auch für Soccerships arbeitete, und ist mittlerweile für sein Masterstudium wieder in die Vereinigten Staaten gezogen, wo er diesmal nicht als Spieler, sondern als Co-Trainer tätig ist.

„Ich würde das auf jeden Fall immer wieder machen“, sagt der 29-Jährige, der an der Carson-Newman University in Tennessee studiert. „Wenn jemand schon mit dem Gedanken spielt, würde ich ihm immer dazu raten, es zumindest mal anzugehen.“ Abgesehen von Nachwuchsleistungszentren gebe es in Deutschland keine Möglichkeiten, Studium und Sport so gut zu kombinieren wie in den USA. „Hier ist fast alles auf Profi-Niveau, das System ist einmalig“, sagt er.

Für die erfolgreiche Vermittlung an ein College in den USA gibt es laut Jan Driessen derweil drei Faktoren, die eine Rolle spielen. Zunächst müssen die akademischen Voraussetzung passen.

„Die Grundvoraussetzung ist das Fachabitur oder die allgemeine Hochschulreife“, so Driessen. Denn andernfalls sei man nicht dazu berechtigt, an einer Universität in den Vereinigten Staaten zu studieren.

Zudem darf man nicht länger als ein Jahr aus der Schule raus sein oder muss aktiv an einer Hochschule in Deutschland studieren. Während der Bewerbung erwarten die Spielerinnen und Spieler dann zwei akademische Tests, die unter anderem die Englischkenntnisse prüfen.

Soccerships-Gründer Jan Driessen: Ein Vollstipendium ist nur die Ausnahme

Neben den akademischen Voraussetzungen spiele auch die sportliche Leistungsfähigkeit sowie die finanzielle Lage der Bewerber eine Rolle. „Je besser du als Fußballer bist, desto höher kann dein Stipendium ausfallen“, erklärt der Soccerships-Geschäftsführer.

Jan Driessen betont aber auch, dass ein Vollstipendium die absolute Ausnahme ist und viele ein Teilstipendium bekämen, welches rund 75 Prozent der Kosten trägt.

Das bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass oft circa 25 Prozent der Kosten der Spieler übernehmen muss. Bei den unterschiedlich hohen Studiengebühren in den USA seien das oftmals zwischen 10.000 und 15.000 Euro pro Jahr.

Währenddessen kann man in Deutschland ab einem gewissen Niveau schon ein wenig Geld mit dem Fußballspielen verdienen – auch bei den Amateuren. „Und hier muss man noch draufzahlen“, sagt Lukas Große-Puppendahl. „Man kriegt aber auch viel erlassen, wird in dem Sinne bezahlt, dass ein Teil des Studiums bezahlt wird.“

Verschiedene Varianten bei der Dauer des USA-Aufenthaltes

Werden alle Voraussetzungen von den Spielern erfüllt, können sie im „Spielerkatalog“ einer Agentur aufgenommen werden. „Dort finden die Trainer dann alle Angaben zu Größe, Gewicht und Position des Spielers sowie ein Highlight- und ein Spielvideo“, erklärt Jan Driessen.

Einerseits könnten die Trainer dann nach dem passender Spieler suchen, aber sie könnten der Agentur eben auch eine Art Anforderungsprofil stellen, was für eine Art von Spieler sie suchen.

Dann könne die Agentur auch aktiv mit dem passenden Kandidaten im Gepäck auf das College zugehen. Bezüglich der Aufenthaltsdauer in den Vereinigten Staaten gibt es laut Jan Driessen indes häufig zwei Varianten.

Spieler könnten das Stipendium als Auslandsjahr betrachten und nach einem Jahr am College zurück nach Deutschland kommen. Der Großteil der Spieler würde sich allerdings dafür entscheiden, insgesamt vier Jahre in Nordamerika zu verbringen.

„Man darf insgesamt vier volle Saisons am College spielen. In der Zeit kann man auch seinen Bachelor-Abschluss an der Universität machen“, so Jan Driessen abschließend.

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Erst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter und nach dem Volontariat seit 2021 als Redakteur für Lensing Media im Einsatz. Am liebsten im Lokalsport unterwegs - denn abseits der reinen Ergebnisse hat jedes Spiel und jeder Sportler eine spannende Geschichte zu erzählen.
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Pascal Albert