Einer der Protagonisten einer unterhaltsamen Saison in der Kreisliga A2: Mirzet Efendic (am Pfosten) hat schon 13 Treffer für den SV Hochlar 28 erzielt. Auf seine Tore hofft der Klub auch am Sonntag im Derby gegen SW Röllinghausen. © Thomas Braucks
Fußball: Kreisliga A2

„Diese Liga ist eine Wundertüte“: Die Kreisliga A2 ist turbulent wie lange nicht

Davon können Fans der Fußball-Bundesliga nur träumen: Neun Spieltage sind absolviert und schon sieben Mal wechselte die Tabellenführung. In der Kreisliga A2 geht’s derzeit richtig rund.

Ziemlich spannend gerade, oder?“ Das sagt einer, der in der Kreisliga A2 mitten drin ist und nicht nur dabei: Thomas Mlodoch, Trainer des SV Hochlar. Der Recklinghäuser kommt sich vor wie bei einer Achterbahnfahrt auf der Palmkirmes. Rauf und runter – und das im Eiltempo: So geht‘s zu im Kampf um die Tabellenspitze. Die sieht aktuell so aus:

  • 1. SW Röllinghausen 28:7 21
  • 2. SuS Conc. Flaesheim 31:12 21
  • 3. SV Hochlar 28 33:19 21
  • 4. FC 96 Recklinghausen 33:11 19
  • 5. VfB Waltrop 19:15 17

Aus diesem Quintett waren alle schon Tabellenführer, und am Sonntag könnte es den nächsten Wechsel geben: Der SV Hochlar empfängt SW Röllinghausen und will alles daran setzen, den neuen Tabellenführer im Derby zu stürzen. „Für mich ist es ein Wunder, dass wir schon zwei Niederlagen kassiert haben und immer noch oben dabei sind“, sagt Mlodoch. „Aber klar ist: Am Sonntag haben wir etwas Druck. Mehr Pleiten können wir uns nicht leisten.“

Röllinghausen: „Uns hatte doch keiner auf dem Zettel“

Beim Gegner sieht das ganz anders aus. „Uns hatte doch keiner auf dem Zettel“, meint SW Röllinghausens Trainer Frank Fuhrmann. Am vergangenen Sonntag ballerte sich seine Elf mit einem 7:0-Erfolg gegen Vestia Disteln II an die Tabellenspitze. „Im Moment ist es eben so, dass jeder jeden schlagen kann. Das macht es gerade so spannend.“ Die Schwarz-Weißen sollte man dabei nicht unterschätzen: Die Kicker von der Klarastraße sind in den direkten Duellen mit den Top-Mannschaften bislang ungeschlagen.

Ein dickes Lob für die Schwarz-Weißen kommt vom Tabellendritten, SuS Concordia Flaesheim. „Röllinghausen ist für mich keine Überraschung“, sagt Trainer Michael Onnebrink. „Die Mannschaft ist ein Beispiel dafür, was du mit Teamgeist erreichen kannst.“

Auch was den Unterhaltungswert der Liga betrifft, sieht sich Onnebrink bestätigt: „Ich habe schon vor Wochen gesagt: Wir werden bis Weihnachten jede Woche einen neuen Tabellenführer haben – dabei bleibe ich.“ Der nächste Spitzenreiter könnte wieder Flaesheim heißen. Voraussetzung: ein Erfolg bei Borussia Ahsen am Sonntag. „Ich bin etwas überrascht, dass wir so weit oben mitspielen. Jetzt wollen wir aber natürlich auch oben dabeibleiben“, stellt Onnebrink klar.

Lange Corona-Pause, viele Verletzungen

„Diese Liga ist wirklich eine Wundertüte“, meint Yücel Özdemir, Trainer des VfB Waltrop. Warum das so ist? Der Coach hat eine Theorie, die viele andere Trainer in der Klasse teilen. Die lange Corona-Pause, viele Verletzungen, Erkältungen, die damit verbundene schwache Beteiligung im Training: Das alles führt dazu, dass vielen Mannschaften die Konstanz fehlt. Ob der VfB Waltrop, der nach dem zweiten Spieltag ganz oben stand, davon noch einmal profitiert? Özdemir hat da seine Zweifel: „Einen Punkt auswärts zu holen und drei zu Hause reicht nicht für ganz oben.“

Zwei Trainer, die um den Aufstieg in die Bezirksliga mitspielen wollen: Mykola Makarchuk vom FC 96 Recklinhausen (links) und Thomas Mlodoch vom SV Hochlar 08. © Jochen Börger © Jochen Börger

Einem schmeckt das alles gar nicht, was in der Kreisliga A2 abgeht: Mykola Makarchuk, Trainer des FC 96 Recklinghausen. Wenn es darum geht, den Topfavoriten auszumachen, zeigt die ganze Liga mit dem Finger Richtung Stadion Hohenhorst und auf den bestens besetzten FC 96. Makarchuk will auch gar nicht tiefstapeln: „Es ist ja richtig, meine Jungs können kicken.“ Dumm nur: Sie zeigen es (noch) nicht immer.

Makarchuk glaubt: So turbulent bleibt es nicht

Am vergangenen Sonntag etwa brachte es der FC 96 fertig, bei Grün-Weiß Erkenschwick eine 3:0-Führung zu verjuxen. Die Quittung nach dem 3:3: Die Tabellenführung ist futsch, Recklinghausen nur noch Vierter. „Arrogant“ grantelte Makarchuk danach. Inzwischen klingt der ehemalige Oberliga-Spieler versöhnlicher: „Ich habe ja selbst mal ein bisschen Fußball gespielt. Ich weiß also, wie schwer es ist den Schalter umzulegen, wenn es mal nicht so läuft wie gewünscht.“

Trotzdem hat Makarchuk Zweifel, dass die Liga so turbulent bleibt. „Alles ist noch frisch. Warten wir mal, ob es so weitergeht.“ Seine Elf könnte dafür sorgen, dass die Achterbahnfahrt endet. „Wenn alle Spieler an Bord und fit sind, dann liegt es an uns, ob wir Punkte abgeben“, sagt der 38-Jährige selbstbewusst. „Ich bin jedenfalls zuversichtlich, dass wir bis zum Ende oben dabei sind.“

Damit würde auch der Tipp der meisten Experten aufgehen: Der Weg zum Titel und in die Bezirksliga führt in dieser Saison über den FC 96. Oder wie es Flaesheims Michael Onnebrink formuliert: „Alles andere als deren Aufstieg wäre eigentlich ein Aberwitz.“

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Stellv. Leiter Sportredaktion MHB
Hat schon als Schüler über die Spvgg. Erkenschwick geschrieben und ist dem Sport im Vest seitdem als Beobachter eng verbunden. Was gibt es Schöneres, als über Menschen in Bewegung, mit oder ohne Ball, zu berichten? Nicht viel.
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Redakteurin Waltrop
1969 in Koblenz geboren, begann sie 1991 das Volontariat beim Bauer-Verlag. Noch während der Oberstufenzeit wurde ihr von den Lehrern im Rheinland ein grausiges Bild des Ruhrgebiets vermittelt. Doch sehr schnell lernte sie die Region und die Menschen schätzen - und lieben. Längst hier verwurzelt, lebt sie seit 1993 in Waltrop, mit Mann und zwei Töchtern. Ob im Sport oder im Lokalen sind es die erzählten Geschichten, die sie so sehr an ihrem Beruf schätzt.
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Redakteur
Erst als Praktikant, dann als freier Mitarbeiter und nach dem Volontariat seit 2021 als Redakteur für Lensing Media im Einsatz. Am liebsten im Lokalsport unterwegs - denn abseits der reinen Ergebnisse hat jedes Spiel und jeder Sportler eine spannende Geschichte zu erzählen.
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Pascal Albert