Eingangskontrollen sind wichtiger denn je für die Fußballvereine in NRW. © A VON SANNOWITZ AvS 0172/848
Fußball

Wenn der Vorstand zum Kontrolleur wird – „2G“ bereitet viel Arbeit

Ohne Kontrolle geht nichts mehr. Die neue Corona-Verordnung beschert den Vereinen Arbeit. Derweil kristallisiert sich heraus, dass in vielen Vereinen die meisten Kicker durchgeimpft sind.

Ohne „2G“ geht so gut wie gar nichts mehr in NRW – davon können auch die Fußballvereine ein Lied singen. Ab sofort sind die Vereinsvorstände zur Kontrolle aufgerufen, ob Spieler, Trainer und Betreuer geimpft oder genesen sind. Der Arbeitsaufwand steigt.

Wie Uwe Matecki, den Vorsitzenden des Recklinghäuser A-Kreisligisten SW Röllinghausen, ging es am Mittwoch vielen anderen auch. Matecki sitzt an seinem Computer, informiert zudem in den klubinternen WhatsApp-Gruppen und mag sich dabei ein bisschen wie ein Arbeitgeber in der freien Wirtschaft vorkommen. Das Erstellen von Excel-Dateien hat Hochkonjunktur, je schneller Matecki und seinen Vorstandskollegen die Impfnachweise vorgelegt werden, desto besser. „Dennoch werden wir natürlich nun bei allen Trainingseinheiten sämtlicher Mannschaften Abfragen starten müssen, so der Klubchef. Der erste Überblick am Mittwochnachmittag sieht mit Blick auch auf die Partie der ersten Mannschaft am Sonntag bei GW Erkenschwick ganz gut aus. Größere Ausfälle wegen Nicht-Impfung sind nicht zu erwarten.

„Die ganz große Panik bricht nicht bei uns aus“

Ähnliches vermeldet Thomas Kranjc, Sportlicher Leiter des Lokalrivalen SV Hochlar 28. „Wenn ich alle drei Senioren-Mannschaften zusammenzähle, haben wir zwei Ungeimpfte.“ Der eine bekommt nun seinen ersten Pieks, „der andere muss sich jetzt mal Gedanken machen“, so Kranjc. Bei mehr als 90 Prozent liegt also die Quote am Segensberg. Die Kaderplanung für die Partie am Sonntag in Vinnum ist somit aus Corona-Gesichtspunkten nicht das Problem. „Aber wenn wir Heimspiele haben, ist die Kontrolle ein enormer Aufwand. Da werden wir zusätzliches Personal abstellen müssen“, so der Hochlarer Sportchef.

„Die ganz große Panik“, sagt Michael Blum, „bricht jetzt bei uns nicht aus.“ Der Sportliche Leiter von GW Erkenschwick muss nicht lange suchen, hat sofort eine Excel-Tabelle parat, in der der Impfstatus des A-Kreisligisten gespeichert ist. Geschäftsführer Ronny Bartusch hatte am Wochenende eine Abfrage gestartet. Ergebnis: „Bis auf drei Spieler sind bei uns alle durchgeimpft. Die wollen sich aber demnächst auch noch impfen lassen“, versichert Blum.

„Für mich ist das Wettbewerbsverzerrung“

Ähnlich sieht es auch bei Ligarivale SW Meckinghoven aus, wie der Sportliche Leiter Nico Thoneick, selbst aktiver Spieler im A-Kreisliga-Team der Dattelner, versichert. Auf zwei Spieler müsste das Team von Trainer David Krück in den letzten beiden Spielen bis zum Jahresende aber noch verzichten. „Der eine hat erst in der nächsten Woche seine zweite Impfung und muss dann ja noch 14 Tage aussetzen. Der andere hat auch schon einen Termin, aber leider zu spät“, sagt Nico Thoneick.

Bei Suat Akyüz, Vorsitzender bei DTSG Herten, steht derzeit das Telefon kaum still. „Ich muss jetzt die alten Spieler kontaktieren, die noch einen Spielerpass bei uns haben und zudem geimpft sind“, sagt der Funktionär. Das Problem beim Tabellenletzten der Kreisliga A 2: Vier bis fünf Spieler seien noch nicht geimpft. „Diejenigen Spieler, die bei uns verletzt sind, sind geimpft“, fügt Suat Akyüz hinzu. Heißt also: Derzeit hat er keine wettbewerbsfähige Mannschaft. „Die vom Verband lassen uns ins offene Messer laufen. Mit sieben, acht Leuten werden wir nicht antreten. Für mich ist das Wettbewerbsverzerrung“, sagt der DTSG-Vorsitzende.

„Ungeimpfte müssen klar die Konsequenzen tragen“

A-Kreisligist SC Marl-Hamm musste am Dienstag das Training absagen. Aber nicht aus Corona-Gründen. „Wir haben derzeit viele Kranke“, sagt SC-Trainer Henry Schoemaker. 2G bei Spielen zu kontrollieren, hält er für eine schwierige Angelegenheit. „Letztlich gibt es nur einen Weg, das ist Impfen. Leute, die sich nicht impfen lassen, haben in der Kabine nichts zu suchen“, sagt Henry Schoemaker. In seiner Mannschaft sei die Impfquote sehr hoch. Ein Akteur sei ungeimpft, ein weiterer Spieler genesen.

„Die neuen Regelungen stellen den ganzen Amateursport vor Probleme“, beklagt der Vorsitzende des VfB Waltrop, Friedhelm Finzel. „Wir haben in der ersten Mannschaft einen Spieler, der erst am kommenden Dienstag dazustoßen kann, da dann die 14-tägige Frist nach der zweiten Impfung abgelaufen ist, und einen Spieler, der nicht geimpft ist und das auch nicht machen möchte. Beide haben wir natürlich vom Trainings- und Spielbetrieb erst mal ausgeschlossen“, so der VfB-Boss. „Man muss den Ungeimpften jetzt klar sagen, dass sie die Konsequenzen tragen müssen und bei uns keinen Fußball mehr spielen können“, so Finzel.

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Fußball-Fan, “auf Kohle” geboren, mit Herz für Bergbau-Geschichte und kleine Sportvereine, in denen vielfach Großes entsteht. Wenn nicht auf dem Platz zu finden, dann mit dem E-Bike zwischen Münsterland und Sauerland.
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Im Job auf allen Plätzen in der Region, meiner Heimat, zu Hause. Als leidenschaftlicher Fußballfreund gehört mein Herz dem runden Leder, aber noch viel mehr den Menschen, die sich in den Vereinen engagieren. Privat bin ich Familienmensch und stolzer Papa, ansonsten bin ich in der Freizeit häufig mit dem Fahrrad in der Natur unterwegs. Neugierig zu sein und dabei andere neugierig zu machen, das treibt mich als Lokalsportredakteur seit 25 Jahren an.
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Sport hat mich von Kindesbeinen stets interessiert. Als Kind des Vests - mit Dattelner Kanalwasser getauft - interessieren mich die Geschichten der Sportler, ob Groß oder Klein. Und das im Medienhaus seit 1999.
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