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Felix Passlack ist wie gemacht fürs Revierderby

Borusse mit Schalke-Vergangenheit

In Bottrop geboren, als Schalker aufgewachsen, in Dortmund gereift: Felix Passlacks bisheriges Leben ist eng mit dem Ruhrgebiet verbunden. Der 18-Jährige ist einer der Shooting-Stars der noch jungen Bundesliga-Saison und steht heute (18.30 Uhr) vor seinem ersten Derby gegen den FC Schalke 04.

DORTMUND

, 29.10.2016
Felix Passlack ist wie gemacht fürs Revierderby

Steht vor seinem ersten Revierderby im Profibereich: Felix Passlack.

Die königsblaue Vergangenheit - für die er eigentlich nichts konnte - haben ihm die Fans des BVB längst verziehen. Passlack ist zwar eben erst volljährig geworden, doch Schüchternheit ist für den Außenbahnspieler der Borussia ein echtes Fremdwort.

Mit offenen Augen durchs Leben

Der Jugend-Nationalspieler läuft mit offenen Augen durchs Leben, stellt sich selbstbewusst neuen Aufgaben und paart seine erfrischende Lockerheit mit einer profihaften Einstellung zu seinem Beruf. Kurz: Der Youngster macht es seinem Trainer Thomas Tuchel leicht, ihm Einsatzzeiten zu schenken.

Wobei „schenken“ eigentlich das falsche Wort ist. Denn Passlack verdient sich seine Spiele mit guten Leistungen. Beispielhaft dafür steht die Partie bei Sporting Lissabon. Der drittjüngste Champions-League-Debütant des BVB bekam es auf seiner Seite mit dem technisch brillanten und noch dazu pfeilschnellen Gelson Martins zu tun - und warf sich mit Herz, Leidenschaft und Klasse in diese Herkules-Aufgabe.

Lob von Michael Zorc

Dass er früh mit Gelb verwarnt wurde, bremste ihn nicht. Beherzt ging der 1,70 Meter große und auffallend muskulöse Passlack in die Zweikämpfe und raubte seinem Gegner so den Nerv. Dass er den Schlusspfiff beim dramatischen 2:1-Sieg nicht auf dem Platz erlebte, lag nicht an einer schwachen Leistung, sondern daran, dass er sich völlig verausgabt hatte. Mit Krämpfen musste er in der Nachspielzeit vom Platz getragen werden.

„Wie Passlack in fast allen Szenen gegen Martins verteidigt hat, da kann man nur den Hut ziehen“, adelte BVB-Sportdirektor Michael Zorc das Talent aus dem eigenen Nachwuchs anschließend. Zumal Passlack nicht wie sonst üblich rechts gespielt hatte, sondern als Linksverteidiger. „Fußball ist mein Job“, kommentierte er den Positionswechsel ziemlich cool, „ich muss mit allem umgehen können.“  Und das gelingt ihm derzeit beeindruckend konstant.

Eine Premiere

Das 171. Revierderby gegen den FC Schalke 04 wird Passlack daher mit hoher Wahrscheinlichkeit auf dem Rasen erleben. Es wäre eine Premiere für den Bottroper, dessen Herz als kleiner Junge aufgrund seines Geburtsorts fast zwangsläufig für Schalke schlug.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Vier mögliche Schlüssel-Duelle beim 171. Revierderby

Borussia Dortmund empfängt den FC Schalke 04 – das elektrisierende Revier-Derby steigt am Samstag (18.30 Uhr/live bei Sky) in der Fußball-Bundesliga. Die Favoritenrolle scheint diesmal nicht so klar verteilt, den BVB plagen Personalsorgen, die Gäste aus Schalke bewiesen zuletzt deutlich ansteigende Form. Wir werfen einen Blick auf vier mögliche Schlüssel-Duelle der Partie zwischen Schwarzgelb und Königsblau.
27.10.2016
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THOMAS TUCHEL ist ein Fußball-Wissenschaftler. Er plant alle erdenklichen Spiel-Situationen im Kopf voraus. Über das durch die Verletzungsmisere bedingte Maß hinaus hat er in den vergangenen Spielen rotieren lassen und seiner Mannschaft auch wechselnde Spielsysteme verordnet. Das ging zu Lasten der Eingespieltheit und Stabilität. Tuchel hasst nichts mehr, als wenn sein Plan nicht aufgeht und daraus Niederlagen resultieren. Seine überbordende Akribie und Verbissenheit steht ihm dabei nicht selten im Weg.© Foto: dpa
MARKUS WEINZIERL: Der Schalker Trainer blieb trotz des Bundesliga-Fehlstarts (fünf Niederlagen in Serie) nach außen hin gelassen und arbeitete unbeeindruckt weiter. Er hat die volle Rückendeckung von Manager Heidel und genießt bei den Führungsspielern hohe Anerkennung. „Der Trainer ist ein kommunikativer Typ, der unheimlich positiv mit der schwierigen Situation zum Saisonstart umgegangen ist“, lobte Kapitän Höwedes. Weinzierl lebt in jeder Partie an der Seitenlinie das Engagement vor, was er von seinen Spielern erwartet.© Foto: dpa
PIERRE-EMERICK AUBAMEYANG: 33 Ballkontakte in Ingolstadt, nur 19 gegen die Hertha, 31 in Leverkusen – Dortmunds Top-Stürmer fehlte in der Liga zuletzt ein wenig die Bindung zum Spiel. Seiner Torgefährlichkeit tat dies keinen Abbruch, er hat den richtigen Riecher. Gelingt es dem BVB, Aubameyangs Schnelligkeit zur Geltung zu bringen, steigen automatisch die Siegchancen.© Foto: imago
MATIJA NASTASIC: Es wird sein erstes Derby gegen den BVB, weil er in der vergangenen Saison wegen eines Achillessehnenrisses fast komplett ausfiel. Seit er wieder fit ist, überzeugt der Serbe mit seiner Ruhe und Übersicht in der Innenverteidigung. Diese Nervenstärke ist gerade im Derby eine wichtige Qualität, weil die Atmosphäre im Stadion eben eine ganz besondere sein wird. Vor dem BVB hat Nastasic Respekt, aber keine Angst. „Wir arbeiten richtig hart. In den letzten Spielen konnte man sehen, dass wir auf einem guten Weg sind,“ betonte er.© Foto: imago
JULIAN WEIGL: Kam nach der EM nur schwer in Tritt, mittlerweile aber ist der wegen seiner Pass-Sicherheit und Übersicht von Tuchel so geschätzte 21-Jährige nicht mehr aus der Mannschaft wegzudenken. Auch als alleiniger Sechser im 4-1-4-1 gesetzt. Spannend wird sein, ob sich Weigl aus der persönlichen Manndeckung besser befreien kann als zuletzt – Schalke dürfte nicht verborgen geblieben sein, dass diese Variante ein adäquates taktisches Mittel darstellt.© Foto: imago
NABIL BENTALEB: Der Algerier hat sich innerhalb weniger Wochen zum Führungsspieler entwickelt. Er ist ein Balleroberer mit gutem Auge und sehr lernwillig. Heidel hat Bentaleb von den Tottenham Hotspur ausgeliehen, jedoch beinhaltet das Vertragswerk eine Kaufoption, die es Schalke ermöglicht, den 21-Jährigen am Saisonende zu verpflichten. Die Entscheidungsgewalt bei dieser Personalie liegt also allein bei den Königsblauen. Billig würde eine Verpflichtung allerdings nicht: Rund 20 Millionen Euro würde dieser Transfer kosten.© Foto: dpa
SOKRATIS: Seit dem Wechsel von Mats Hummels Borussia Dortmunds unumstrittener Abwehrchef. Einsatzwille und Robustheit im Zweikampf sind sein Markenzeichen. Gegen den Ball ein sehr unbequemer Abwehrspieler, allerdings manchmal mit Stellungsfehlern. Mit Ball muss er in die Rolle des aufbauenden Verteidigers als einer der Hummels-Nachfolger noch hineinwachsen. Der lange Pass ist nicht so sein Ding.© Foto: imago
YEVHEN KONOPLYANKA: „Er hat das gewisse Etwas und wird uns viel Freude machen “, sagte Manager Heidel bei der Verpflichtung des Ukrainers, der diese Einschätzung in den ersten Partien noch nicht rechtfertigen konnte. Doch spätestens nach seinen beiden Pokal-Toren in Nürnberg ist „Kono“ auf Schalke angekommen. Enorme Schnelligkeit und Dribbelstärke zeichnen den 27-Jährigen aus, der fleißig Deutsch lernt, damit die Integration bei seinem neuen Klub noch leichter fällt. Bisher lässt Konoplyanka „nur“ starke Leistungen sprechen. Das ist Schalke ganz recht.© Foto: dpa
Schlagworte BVB , Schalke 04

„Ich war am Wochenende oft in der Arena, mittlerweile habe ich die Schalke-Sympathie aber abgelegt“, sagte er, als er im Januar 2015 das erste Mal bei den Profis des BVB mittrainieren durfte, „ich bin mit der Zeit bekehrt worden.“ So überzeugend, dass er es sich beim 3:2-Sieg der Borussia in der vergangenen Saison nicht nehmen ließ, als Balljunge an der Bande zu stehen und seinen Teamkollegen von dort aus die Daumen zu drücken.  

Fritz-Walter-Medaille

Dass er das Zeug dazu hat, im Stadion auch eine andere Rolle als die des Balljungen zu übernehmen, war früh zu sehen. 2015 zeichnete ihn der DFB mit der Fritz-Walter-Medaille für den besten U17-Spieler Deutschlands aus, mit den Junioren des BVB gewann Passlack insgesamt drei Deutsche Meisterschaften, in den deutschen Junioren-Nationalteams übernahm er früh eine tragende Rolle.

Vor allem die Körperlichkeit seines Spiels und seine Torgefahr - in 71 U17- und U19-Bundesligaspielen erzielte Passlack 40 Tore und bereitete 38 Treffer vor - fielen den Beobachtern schnell ins Auge. Dass er auch noch Führungsaufgaben meisterte und häufig die Kapitänsbinde trug, machte ihn zusätzlich interessant.

"Auf dem Platz ist er frech"

„Felix ist sehr unbekümmert. Er macht das hervorragend und fügt sich gut ein. Auf dem Platz ist er frech“, lobte Sebastian Kehl, als Passlack Anfang 2015 das erste Mal bei den Profis des BVB mittrainieren durfte. Als Jürgen Klopp ein halbes Jahr später seinen Rücktritt beim BVB bekanntgab, bekannte er öffentlich, wie schade er es finde, Passlack und Christian Pulisic, das zweite große Eigenbau-Talent bei den BVB-Profis, nicht weiter trainieren zu können.  

Die tägliche Freude, mit Passlack auf dem Trainingsplatz zu stehen, hat heute Thomas Tuchel. Nicht immer endet das gut für den BVB-Trainer: Denn wie frech und unbekümmert Passlack ist, zeigte er im Sommertrainingslager 2016 in Bad Ragaz, als er Tuchel mit dem Rasensprenger nassmachte. Sanktionen musste er nicht befürchten. Dafür ist er als Allzweckwaffe aus den Außenbahnen bereits zu wertvoll. Denn er spielt verlässlich, ruhig und nahezu ohne Formschwankungen - beeindruckend für einen Spieler seines Alters.

Vater ist Feuerwehrmann

Und noch etwas kommt dem Youngster zugute: Passlack lebt die Mentalität vor, die die Menschen in Dortmund und Umgebung besonders schätzen. Von ungefähr kommt das nicht. Sein Vater ist Feuerwehrmann, Passlack weiß also aus direkter Erfahrung, was harte Arbeit bedeutet. „Ich bin Ruhrpottler“, sagt er über sich selbst, „das heißt: Malochen, kämpfen bis zum Ende, niemals aufgeben.“ Mit Tugenden wie diesen ist er wie gemacht fürs Derby.

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