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Ganz bittere Demütigung für den FC Bayern

"Vizekusen"-Dublette

Es war ein symptomatisches Bild: Mit gesenktem Kopf trottete Bastian Schweinsteiger tief in den Katakomben des Olympiastadions neben dem gefühlt plötzlich einen Meter größeren Sebastian Kehl her. Der Münchner hielt bloß einen Kulturbeutel in der Hand, der BVB-Kapitän den begehrten Pokal.

BERLIN

von Von Matthias Dersch

, 13.05.2012
Ganz bittere Demütigung für den FC Bayern

"Wie konnte das nur passieren?" wird sich nicht nur Bayerns Bastian Schweinsteiger nach der bitteren 2:5-Finalniederlage gefragt haben. Mit gesenktem Kopf geht der Mannschaftskapitän nach dem Schlusspfiff vom Platz.

Der FC Bayern war von der Borussia gedemütigt worden – und kämpft nun mit den Folgen einer der bittersten Pleiten der jüngeren Vereinsgeschichte. Philipp Lahm verstand die Welt nicht mehr. Der Bayern-Kapitän stand auf dem Rasen und schüttelte immer wieder mit dem Kopf. „Was ist da nur passiert?“, schien er sich zu fragen, ohne eine vernünftige Antwort darauf zu finden.

Ein paar Meter weiter tanzten die Dortmunder vor ihren Fans herum und bejubelten den ersten Doublesieg der Klubhistorie. Es waren grässliche Bilder für die Münchner, die sich doch eigentlich revanchieren wollten für zuletzt vier Bundesliga-Niederlagen gegen den BVB in Serie. Doch der Plan war gewaltig schief gegangen – trotz einer sehr guten Vorstellung in den ersten 30 Minuten. „Wir waren über 90 Minuten die bessere Mannschaft“, diktierte Lahm weit nach Spielschluss in alle Mikrofone, die sich dem Bayern-Kapitän entgegenstreckten. Auch sein Teamkollege Schweinsteiger meinte, man sei näher am 2:1 gewesen als die Dortmunder. Das Münchner Nationalmannschaftsduo lag mit dieser Analyse nicht einmal komplett falsch. In der Tat hatten sich die Bayern diesmal deutlich besser auf das schwarzgelbe Spiel eingestellt als noch bei der 0:1-Niederlage in Dortmund. Und doch war die deutliche 2:5-Pleite verdient.

Es war Jupp Heynckes, der 67-jährige Trainer-Oldie des Rekordmeisters, der die schlimme Wahrheit als erstes aussprach: „Wir dürfen uns nicht beklagen“, sagte er deutlich, „unser gesamtes Defensivverhalten war katastrophal. Wir haben uns das selbst zuzuschreiben. Man muss nüchtern feststellen, dass wir den Sieg nicht verdient haben.“ Später stauchte Bayern-Vorstand Karl-Heinz Rummenigge die Spieler zusammen: „Das war kein Pech. Das war kein Zufall. Das war eine Blamage.“ Rumms. Dieser Schlag saß. Mindestens drei der fünf Dortmunder Tore wurden von Bayern-Spielern durch individuelle Fehler ermöglicht. Erst patzte Luis Gustavo, dann Jerome Boateng, beim 2:5-Schlusspunkt waren es Manuel Neuer, der den Ball durch die Hände flutschen ließ. Zuweilen erinnerte das Münchner Abwehrverhalten eher an einen Slapstickfilm als an die Vorstellung eines Champions-League-Finalisten.

„Fast peinlich“, befand der „Kaiser“ Franz Beckenbauer die Tatsache, dass sein Klub nun zum fünften Mal in Serie gegen den BVB den Kürzeren gezogen hatte. Die Art und Weise dieser erneuten Niederlage gab ihr gar eine ganz eigene Dimension: Seit dem verlorenen Champions-League-Finale 1999 gegen Manchester United (1:2) in Barcelona dürfte dem FCB keine Pleite mehr geschmerzt haben als dieses 2:5. Es war eine Demütigung und „richtig bitter“, wie Lahm befand. Und es könnte noch schlimmer kommen: Am Samstag reist der FC Chelsea zu den Bayern. Das „Finale dahoam“ in der europäischen Königsklasse ist für die Münchner Segen und Fluch zugleich. Gewinnt der FCB, ist selbst die Demontage von Berlin vergessen. Werden die Münchner Bayern aber wieder nur Zweiter, droht der „Mia-san-mia“-Klub zu einer traurigen „Vizekusen“-Dublette zusammenzuschrumpfen. Schlimmer ging es für den stolzen Verein wirklich nimmer …

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