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Ära geht zu Ende - RRC Brackel löst sich auf

Radsport

Am 31. Dezember ist Schluss, definitiv. Mit dem Ende des Jahres 2015 geht auch eine fast hundertjährige Ära zu Ende - der RRC Curve Brackel 1924 löst sich nach genau 91 Jahren auf. Ein schwerer Schlag für den arg gebeutelten Dortmunder Radsport.

DORTMUND

von Peter Kehl

, 31.12.2015
Ära geht zu Ende - RRC Brackel löst sich auf

6. September 2014: Die letzte Siegerehrung für Günter Schäfer (r.) nach dem 58. Internationalen Rad-Championat des RRC „Curve“ Brackel.

Der langjährige Vorsitzende Günter Schäfer zog schweren Herzens einen Schlussstrich. Er sei maßlos enttäuscht, keinen Nachfolger gefunden zu haben, so Schäfer, den man in Dortmunder besser als „Bill“ Schäfer kennt. Der Verein ist bereits beim Landessportbund abgemeldet.

Mangel an engagiertem Nachwuchs

Dieses Problem dürfte vielen Vereinen nicht unbekannt sein. Es mangelt an engagiertem Nachwuchs. Vereins- oder Funktionärsarbeit entfacht nicht gerade Beifallsstürme in der jüngeren Generation. Das erlebt der RRC Curve Brackel 1924 nun in seiner krassesten Form. Das einstige Aushängeschild des Dortmunder Radsports löst sich auf, nach 91 Jahren.

Günter Schäfer, seit 1978 Vorsitzender der Brackeler, sieht keinen anderen Weg mehr. „Die Suche nach einem Nachfolger war erfolglos, seit Jahren. Es blieb nur noch dieser Weg“, erklärte Schäfer sichtlich bewegt. Ab dem 1. Januar 2016 gibt es den RRC Curve Brackel nicht mehr. Zuvor war bereits der Große Westfalenpreis nach 76. Auflagen und das Int. Rad-Championat abgesagt worden.

Schwere Entscheidung für Schäfer

Man spürt, dass es Schäfer sich nicht leicht gemacht hat. Seine Stimme zittert, klingt verbittert. Er selbst sieht mitgenommen aus, zumal Schäfer nach zwei Knieoperationen und drei Herzinfarkten auch gesundheitlich angeschlagen ist. Keine Frage. Dass ausgerechnet er, der langjährige Vorsitzende und Straßenfachwart des Landesverbandes NRW, seinen Verein in die Auflösung schicken muss, tut weh.

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Eine persönliche Niederlage, und gleichzeitig eine Niederlage für’s Ehrenamt. 37 Jahre lang hatte er die Geschicke der Brackeler geleitet, in dieser Zeit den Int. Westfalenpreis und das Int. Rad-Championat organisiert und zu einem Markenzeichen auch außerhalb Deutschlands gemacht. Doch seit Jahren schrumpft der Verein. 39 Vereinsmitglieder sind es aktuell, wovon ganze Neun auf der letzten Jahreshauptversammlung anwesend waren.

König Fußball und sonst nichts

Ein Trauerspiel. Woran das liegt, darüber hat Schäfer, der ehemalige Nationalmannschaftsfahrer und erfolgreiche Radamateur, natürlich seine eigene Meinung. „Immer Fußball, Fußball, Fußball. Alles andere zählt nicht mehr. Bis vor 20 Jahren lief noch alles ausgezeichnet, es gab keine Probleme mit den Sponsoren oder den Absperrmaßnahmen“, so Schäfer, der 1999 für seine Verdienste um den Radsport das Bundesverdienstkreuz am Bande erhielt. Und keinen Ärger mit der Obrigkeit scheute.

1995 musste er den willkürlichen Abbruch des Westfalenpreis-Rennens durch die Polizei erleben. Danach ging‘s zur Sache, Schäfer scheute nichts, alarmierte die Öffentlichkeit, schreckte die Politiker auf. Doch zuletzt wurde es immer ruhiger um den 77-Jährigen. Zahlreiche Mitglieder hatten sich verabschiedet, vom Verein und auch von Günter Schäfer. Der ist ein Funktionär von altem Schrot und Korn. Ein unerschrockener Kämpfer für den Radsport, der manchmal recht rustikal und direkt sein kann. Nicht jedermanns Sache.

Seit zehn Jahren ging es bergab

Der Abschwung begann vor gut zehn Jahren. Der Dortmunder Radsport verlor dramatisch an Bedeutung. Legendäre Veranstaltungen wie das Dortmunder 6-Tage-Rennen oder der Große Weihnachtspreis wurden abgesagt. Dazu bis auf die Int. Stadtmeisterschaft in Hombruch alle der ehemals mehr als 20 Dortmunder Straßenrennen. Der Nachwuchs ging in die Nachbarstädte, notgedrungen.

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Heute in Dortmund ein Straßenrennen zu organisieren und vor allem zu finanzieren, ist an zahllose Verwaltungsauflagen geknüpft und mit noch mehr Kosten verbunden. 30.000 Euro (ohne Begleitwagen und Absperrmaßnahmen) und rund 200 Helfer seien nötig, so Schäfer.

Hilfe von RC Olympia

Die Polizei hatte sich längst zurückgezogen, dafür meldete sich die Berufsfeuerwehr mit neuen Forderungen. „Wenn uns Erni Claußmeyer und sein RC Olympia nicht an allen Ecken und Enden geholfen hätte, dann hätte ich schon lange vorher aufgehört“, sagt Schäfer. Der ehemalige Bahn-Weltmeister hatte kostenlos Zielrichter-Bus, Begleitwagen und Absperrungen zur Verfügung gestellt. Andere Sponsoren zogen sich aber gleichzeitig zurück.

In der Addition war das zu viel. Es fehlt nicht nur an tatkräftigen Helfern, an Mitgliedern und Sponsoren, sondern auch an einem neuen Vorsitzenden. Das war zu viel für den RRC Curve Brackel, den es ab dem 1. Januar 2016 nicht mehr gibt.

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