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Die Herrin der Ringe: Sandra Heidingsfelder hat Cyr-Wheel-Weltmeisterschaft im Visier

Rhönrad und Cyr Wheel

Die Dortmunderin Sandra Heidingsfelder turnt nicht auf typischen Geräten wie dem Reck oder dem Barren. Bei der 29-Jährigen geht es rund, denn sie beherrscht das Rhönrad und das Cyr Wheel.

Dortmund

, 13.03.2019 / Lesedauer: 4 min
Die Herrin der Ringe: Sandra Heidingsfelder hat Cyr-Wheel-Weltmeisterschaft im Visier

Sandra Heidingsfelder turnt nicht nur im Rhönrad, sondern auch im Cyr Wheel. © Nils Foltynowicz

Die Welt von Sandra Heidingsfelder steht Kopf – und das ist gut so. Denn im Rhönrad und dem sogenannten Cyr Wheel – einem riesigen Hula-Hoop-ähnlichen Reifen – zeigt sie beeindruckende Kunststücke. Wie eine Ballerina hängt die 29-Jährige vom TuS Wellinghofen in dem schwarzen Hula-Hoop-Ring.

Mit viel Körperspannung und Muskelkraft hält sie sich fest und bewegt die Füße, während sich der mit PVC beschichtete Metallring dreht – seitlich, vor und zurück, von links nach rechts. Kein Wunder, dass es wichtig ist, schwindelfrei zu sein. „Das Cyr Wheel wird eigentlich in der Akrobatik, beispielsweise im Zirkus, verwendet. Doch mittlerweile gibt es immer mehr Sportler, die das wie ich als Wettkampfsport machen“, sagt sie.

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Sandra Heidingsfelder will zur Cyr-Wheel-WM

Und Heidingsfelder ist sogar sehr erfolgreich mit dem Reifen. Bereits zwei Mal nahm sie an den Weltmeisterschaften teil – einmal in Amerika und einmal in der Schweiz. In Cincinnati schaffte sie es 2016 in den Finals unter die besten sieben Teilnehmerinnen und 2018 in der Schweiz sogar unter die letzten fünf Turnerinnen.

Finanzierung bereitet Probleme

Auch bei der kommenden Weltmeisterschaft will sie wieder am Start sein. Die findet in New York statt. Das Problem bei einer WM: die Finanzierung. „Ich habe mir bislang immer privat Sponsoren gesucht. Meine Familie hat was dazu gezahlt, und auch mein Chef hat mich finanziell unterstützt“, erklärt Sandra.

Aktuell trainiert sie zwei bis drei Mal pro Woche in der Halle, aber wenn eine Meisterschaft anstehe, dann sei es vier bis fünf Mal Training beim TuS Wellinghofen für jeweils zwei Stunden.

Ich habe mir bislang immer privat Sponsoren gesucht. Meine Familie hat was dazu gezahlt, und auch mein Chef hat mich finanziell unterstützt.

Bevor sie zum Cyr Wheel kam, begann sie vor 19 Jahren mit dem Rhönrad. Durch eine Schul-AG ihrer Schwester fand sie zu der Sportart und ist bis heute buchstäblich daran hängen geblieben. „Ich möchte es solange machen, wie es mir Spaß macht. Wenn es hinterher körperlich nicht mehr klappt, dann auch als Trainerin. Aber aufhören möchte ich in naher Zukunft nicht.“

Das Rhönradturnen liegt bei ihr in der Familie. Ihre Schwester und ihr Bruder sind ebenfalls im Verein aktiv. Und dass obwohl zumindest beim TuS Wellinghofen Männer bei der Sportart eine Ausnahme sind. „Es gibt auch Jungs, die den Sport machen. Bei uns im Verein sind das zwar sehr wenige, aber es gibt zum Beispiel noch meinen Bruder, der das auch jahrelang gemacht hat und hier momentan als Trainer aktiv ist. Aber in anderen Vereinen gibt es auch mehrere Jungs, die das machen“, sagt Heidingsfelder.

Rhönradturnen bei Kindern immer beliebter

Vor allem das Rhönradturnen würde bei Kindern immer beliebter, erzählt sie. Deshalb hätten beim TuS Wellinghofen bereits Kinder wieder weggeschickt werden müssen. Denn vor allem der Kinder- und Jugendkurs ist sehr ausgelastet. Für das Rhönradturnen sei es der einzige Dortmunder Verein, der die Sportart anbietet. Insgesamt gibt es laut dem Deutschen Turnverband etwa 5900 Rhönradturner in mehr als 200 deutschen Vereinen.

Jahrelange Übung brauchen Anfänger nicht, um Figuren und Kunststücke zu lernen. „Das ist von Person zu Person unterschiedlich. Je nachdem, wie talentiert man ist, kann man die Figuren schnell oder langsamer lernen. Aber man muss schon ein paar Wochen im Rad gestanden haben, damit man das Gefühl dafür hat.“ Bestimmte Voraussetzungen bräuchten Anfänger nicht. Wichtig sei jedoch Körperbeherrschung und dass die Anfänger wissen, wo rechts und links ist und Spaß an Bewegung haben.

Das Rhönrad sei besser für Einsteiger geeignet als das Cyr Wheel, denn im Gegensatz zum Cyr Wheel ist es mit Griffen für die Hände und Schlaufen für die Füße ausgestattet. Beide Räder lassen sich vor allem durch Gewichtsverlagerung lenken.

Rhönrad oder Cyr Wheel?

Auch bei den Wettkämpfen gibt es Unterschiede. „Beim Rhönradturnen hat man immer einen Turnanzug an. Das ist so vorgeschrieben. Da haben wir im Verein alle die gleichen“, erklärt Heidingsfelder und fügt hinzu: „Beim Cyr Wheel darf man ein bisschen freier in der Auswahl sein und sich dann ein Kostüm passend zur Musik aussuchen.“ Natürlich sei es wichtig, darauf zu achten, dass man in dem Outfit auch turnen und sich ordentlich bewegen kann.

Die Herrin der Ringe: Sandra Heidingsfelder hat Cyr-Wheel-Weltmeisterschaft im Visier

Bereits seit 19 Jahren macht Sandra Heidingsfelder das Rhönradturnen. © Nils Foltynowicz

Ein weiterer Unterschied zwischen Rhönrad und Cyr Wheel: Die Rhönräder für Training und Wettkampf stellt der ausrichtende Verein. „Das ist auch praktischer so. Da viele Kinder ja schon früh anfangen und es die Räder in verschiedenen Größen gibt, wäre das sonst zu teuer“, sagt die 29-Jährige.

Abhängig von der Körpergröße turnen die Teilnehmer in unterschiedlichen Rhönrädern. Sie lassen sich entweder halbieren oder vierteln, sodass die Räder auf diese Weise in ein Auto passen. Das Cyr Wheel bringt normalerweise jeder Teilnehmer selbst mit. Zwischen 600 und 900 Euro kostet die Anschaffung des Cyr-Wheels in etwa.

Bislang nur kleinere Verletzungen

Ganz so gefährlich wie das Rhönradturnen und das Cyr-Wheelturnen aussehen, sind sie aber nicht. „Klar hat man da schon mal den Finger eingeklemmt oder ist mal herrausgefallen und hatte einen blauen Fleck, aber an sich habe ich mir noch nicht schlimm wehgetan“, erzählt Sandra.

Trotz Frühlingsbeginns sind weder das Rhönrad noch das Cyr Wheel für Böden außerhalb der Sporthalle geeignet. „Da braucht man einen Hallenboden für, weil auf Asphalt oder auf unebenen Flächen ist es sehr schwierig, zu turnen, denn das Rad kann dann schnell umkippen“, erklärt die Turnerin. Außerdem könne der dreckige und raue Boden die Beschichtung kaputtmachen.

Mit Rhönradturnen kann man kein Geld verdienen. Da gibt’s leider keine Preisgelder.

Auch wenn die Dortmunderin schon zwei Mal bei der Weltmeisterschaft im Cyr Wheel teilgenommen hat, arbeitet sie neben dem Sport als Schilder- und Lichtreklameherstellermeisterin. „Mit Rhönradturnen kann man kein Geld verdienen. Da gibt’s leider keine Preisgelder, wenn man auf Wettkämpfen turnt.

Im Cyr Wheel könnte man im Prinzip Geld verdienen, aber da muss man schon ein guter Artist sein und im Zirkus auftreten.“ Das wäre für die 29-Jährige allerdings keine Option.

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