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Klaus Fischer feiert seinen 60. Geburtstag

Schalker Legende

GELSENKIRCHEN Klaus Fischer weiß, dass die Frage kommt, und sein vergnügter Gesichtsausdruck macht deutlich, dass er schon ein wenig stolz darauf ist, noch immer die gleiche Antwort darauf geben zu können: „Ja – ich mach’ ihn noch!“

von Von Norbert Neubaum

, 23.12.2009
Klaus Fischer feiert seinen 60. Geburtstag

Fischers ganz besonderes Markenzeichen: Der Fallrückzieher.

Nun wäre es zu einfach, die Karriere des erfolgreichsten Schalker Torschützen aller Zeiten (182 Tore in 295 Bundesliga-Spielen) alleine auf die Fallrückzieher zu reduzieren, mit denen Fischer die Fußball-Welt begeisterte und berühmt wurde. Schließlich, darauf hat er oft genug zurecht hingewiesen, ging sein fußballerisches Können weit über diese Akrobatik hinaus.Aber heute geht es nicht anders. Die Fallrückzieher Fischers sind geradezu greifbar. Auf dem Tisch des Vereinsheims der DJK Blau-Weiß Gelsenkirchen im Sportzentrum Schürenkamp stehen kleine Klaus-Fischer-beim-Fallrückzieher-Statuen, die jeder Teilnehmer der Fußball-Schule bekommt, die Fischer im Sommer 2010 dort ausrichtet.

Seit Jahren tourt er mit seiner Fußball-Schule quer durch die Republik – dabei sind es die einfachen Dinge, die er den Kindern beibringen will: „Ball stoppen, Kopf hoch nehmen, einen gescheiten Querpass spielen – das muss sitzen!“Wenn Fischer über Fußball redet, macht er das so leidenschaftlich, so enthusiastisch, dass der Zuhörer kaum auf die Idee kommt, einem bald 60-Jährigen gegenüber zu sitzen. Und doch steht Klaus Fischer dieser runde Geburtstag bevor: Am 27. Dezember, am kommenden Sonntag, wird er „60“.„Was? So alt schon?“, ist der Gedanke, der den zweitbesten Torschützen in der „ewigen Bundesliga-Tabelle“ (268 Tore für 1860 München, Schalke, den 1. FC Köln und Bochum) umtreibt, wenn er an seinen Ehrentag denkt. Seinen 50. Geburtstag hat der „Torschütze des Jahrhunderts“ (Fallrückzieher-Tor 1977 im Länderspiel gegen die Schweiz) noch groß im „Blauen Salon“ des Parkstadions gefeiert, diesmal bleibt die Party aus, Fischer fährt mit seiner Familie vom Wohnort Gelsenkirchen nach Bayern in seinen Geburtsort Zwiesel. Dort wird auch gefeiert, aber leise.Fischer traurig: „2009 war kein Jahr, in dem ich groß feiern sollte. Dazu fehlt mir der Antrieb. Der Tod von Rolf Rüssmann ist mir sehr nahe gegangen. Es hat weh getan, Rolli so leiden zu sehen.“ Anfang Oktober war Fischers bester Freund nach langer Krankheit gestorben, Fischer trug bei der Beisetzung tapfer die Schalker Fahne bis ans Grab.

Rüssmann, so Fischer, sei auf Schalke der erste Spieler gewesen, der sich um ihn gekümmert habe. Denn von Bayern ins Ruhrgebiet – das war 1970, als Fischer ein Königsblauer wurde, noch ein echtes Abenteuer. „Als ich das erste Mal hierhin gefahren bin, bin ich aus Versehen in Essen gelandet“, erinnert sich Fischer. Schalkes Fans werden froh sein, dass er nicht dort geblieben ist: Fischer ist einer der Schalker Kult-Figuren, wurde in die Jahrhundert-Elf gewählt und genießt noch heute ungeheure Popularität. „Vielleicht liegt das daran“, wagt der Torjäger einen Erklärungsversuch, „dass ich immer recht einfach geblieben bin. Die meisten sagen Klaus zu mir, kaum einer Herr Fischer.“ Nur einmal kippte die Stimmung: „Vor meinem Wechsel zum 1. FC Köln haben mich die Leute als Judas beschimpft, das war heftig. Beim letzten Spiel von mir haben sie am Spielfeldrand gewartet – ich weiß bis heute nicht mehr, wie ich da heil nach Hause gekommen bin.“Fischer hatte vorher erklärt, nicht mit dem Absteiger Schalke in die Zweite Liga zu gehen, „wahrscheinlich war es falsch, dass ich das von Anfang an so gesagt habe.“

Fischers Karriere hatte es in sich, inklusive des Bundesliga-Skandals. 535 Bundesliga-Spiele, oft mit Trefferquoten von über 20 pro Saison, 45 Länderspiele (32 Tore) – dass er trotz seiner unbestrittenen Klasse nie den Sprung zu einem der Promi-Clubs im Ausland geschafft hat, nimmt er gelassen hin: „1978 war der FC Barcelona an mir interessiert. Doch nach der WM haben die dann den Hans Krankl genommen. Aber ich bin eh ein Kind der Bundesliga.“ Fischers Blick geht nach vorn. Der ausgezeichnete Golfer freut sich auf die nächsten Fußball-Schulen, und wenn ein Vater oder Opa (Fischer: „Meistens sagen sie ihren Sprösslingen, sie sollen mal fragen“) darum bittet, der „Altmeister“ möge doch noch mal einen Fallrückzieher machen, dann erfüllt Fischer diesen Wunsch gern. Aber: „So flanken wie der Rüdiger Abramczik damals kann ja keiner. Meistens lasse ich mir die Bälle zuwerfen.“Klaus Fischer macht „ihn“ also noch – auch mit „60“.

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