120 Arbeitsplätze wandern ab

Sicon zieht nach Gescher

Das tut dem Wirtschaftsstandort Stadtlohn weh: Die Sicon-Unternehmensgruppe zieht mit 120 Arbeitsplätzen und 36 Millionen Euro Jahresumsatz komplett nach Gescher um. In Stadtlohn fehlen dem Unternehmen die Erweiterungsmöglichkeiten. Sicon-Geschäftsführer Lars Schwitte kritisierte gegenüber unserer Zeitung die Gewerbeflächenpolitik der Stadt Stadtlohn.

STADTLOHN

, 16.01.2017 / Lesedauer: 4 min
120 Arbeitsplätze wandern ab

Wird aufgegeben: Der Sicon-Firmensitz an der von-Ardenne-Straße in Stadtlohn. Was aus den Gebäuden wird, ist noch unklar. „Es gibt aber schon Interessenten“, sagt Geschäftsführer Lars Schwitte.

"Wir sind Stadtlohner. Wir wären gerne in Stadtlohn geblieben. Aber wir werden bei der Suche nach Erweiterungsflächen seit acht Jahren von der Stadt vertröstet. Jetzt haben wir die Konsequenz gezogen", sagt Geschäftsführer Lars Schwitte, der das Unternehmen für schlüsselfertigen Industriehallen und Gewerbebau gemeinsam mit seinem Kompagnon Edgar Hornhues aufgebaut hat.

Für die Stadt Stadtlohn bedauert Bürgermeister Helmut Könning die Sicon-Abwanderung sehr. "Wir hätten gerne geholfen. Wir haben alles versucht. Aber wir haben schlichtweg keine Flächen zur Verfügung."

Um Erweiterungsflächen gekämpft

Die Entscheidung, den Firmensitz nach Gescher zu verlegen, ist den beiden Geschäftsführern nicht leicht gefallen. Schwitte: "Wir haben um Erweiterungsflächen in Stadtlohn gekämpft." Schließlich habe das 2006 gegründete Unternehmen sich bewusst für den Standort an der von-Ardenne-Straße in Stadtlohn entschieden. "Wir haben vor Jahren ein attraktives Grundstücksangebot aus Ahaus ausgeschlagen, weil wir uns dem Standort Stadtlohn verbunden gefühlt haben."

Die Geschäfte dort liefen erfolgreich, so erfolgreich, dass es auf dem 8600 Quadratmeter großen Firmengrundstück an der von-Ardenne-Straße immer enger wurde. "Wir platzen dort aus allen Nähten", sagt Lars Schwitte. Morgensfrüh, so schildert er, wenn bis zu 40 Firmenfahrzeuge ins Ruhrgebiet, in den Frankfurter Raum oder zu einer Baustelle irgendwo sonst in der Bundesrepublik aufbrächen, gebe es schon auf dem Firmengelände den ersten Stau.

Gescher rollt roten Teppich aus

"Wir haben Gespräche im Stadtlohner Rathaus geführt. Doch die Stadt hat lange gar nicht reagiert. Passiert ist gar nichts. Da waren die in Gescher sehr viel fixer und flexibler. Die haben uns quasi den roten Teppich ausgerollt."

Geschers Bürgermeister Thomas Kerkhoff weiß warum: Er sieht in der Sicon GmbH "ein solides Unternehmen, das hervorragend in das Profil der Stadt passt. Die industrielle Wertschöpfungskette wird deutlich verbreitert, Wachstum, Innovationskraft und die Position unseres Standortes im überregionalen Wettbewerb gestärkt." Sicon repräsentiere ein neues Unternehmensfeld, schaffe neue qualifizierte Arbeitsplätze, heißt es weiter in einer Pressemitteilung der Stadt Gescher.

Verhandlungserfolg kommt zu spät

„Wir kriegen einfach keine Grundstücke, das ist der Kern unseres Gewerbeflächenproblems“, sagt Stadtlohns Bürgermeister Helmut Könning, den die Sicon-Abwanderung von Stadtlohn nach Gescher schmerzt. „Es ist ja nicht das erste Stadtlohner Unternehmen, das außerhalb von Stadtlohn Erweiterungsflächen sucht. Und meine Sorge ist, dass es auch nicht das letzte gewesen ist.“ Dabei haben der Erhalt und die Schaffung von Arbeitsplätzen aus Sicht des Bürgermeisters die „höchste Priorität“. Könning: „Arbeit vor Ort ist die Basis dafür, dass Stadtlohn wächst und gedeiht.“

Lieber Ersatzflächen statt Geld

Die Grundstücksverhandlungen mit den Landwirten gestalteten sich äußerst zäh. „Es scheitert nicht am Geld. Die Landwirte wollen meist lieber Ersatzflächen eintauschen, als ihre Flächen einfach nur zu verkaufen.“ Der Stadt Stadtlohn fehlten im Moment schlichtweg die Flächenreserven, über die Gescher gerade verfügen könne. Könning: „Es hat auch Jahre gegeben, wo das genau andersherum war.“ Der Bürgermeister verspricht aber: „Wir bleiben am Ball.“ Gerade jetzt seien nach langen Grundstücksverhandlungen in unmittelbarer Sicon-Nachbarschaft erfolgreich abgeschlossen worden. „Nur die Unterschrift fehlt noch“, sagt Helmut Könning. Bis die Fläche bebaut werden kann, seien aber noch planungsrechtliche Fragen zu klären. „Vor 2018 wird hier kaum gebaut werden können.“ Zu spät für die Firma Sicon, deren Entscheidung für den Firmenumzug schon gefallen ist.

Sicon will in Gescher weiter wachsen

Erster Spatenstich für den neuen Sicon-Firmsitz ist im Februar 2017 im Gewerbegebiet an der Schildarpstraße in Gescher.

Auf dem neuen, rund 18 000 Quadrat großen Grundstück im Gewerbegebiet zwischen B 525, dem neu geplanten Zubringer zur B 525, und der Schildarpstraße plant Sicon den Neubau einer repräsentativen Gewerbehalle mit massivem Bürotrakt.

Das Unternehmen Sikon wurde 2006 gegründet und beschäftigt heute mit den fünf Tochterunternehmen 120 Mitarbeiter. Mittelfristigt soll die Zahl auf 150 erhöht werden.

Im Bereich Abkant- und Umformtechnik ist eine Erweiterung der Feinblechkanterei geplant. Das Geschäftsfeld der Sika Fenstertechnik wird um die Produktion von Alu- und Kunststofffenstern erweitert. Auch die Dachtechnik Sicon GmbH und N&V Bauunternehmung siedeln nach Gescher um.

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