Abiturient aus Stadtlohn heuert als Fotograf auf der Aida an und reist drei Jahre um die Welt

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Milad Alkomi hat 2016 sein Abi gemacht. Seither verdient der Stadtlohner sein Geld auf allen Weltmeeren. Eindrücke von den schönsten Orten gibt es gratis dazu. Milad Alkomi ist Kreuzfahrer.

Stadtlohn

, 17.01.2020, 19:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Von New York bis Athen, von den Seychellen bis zu den Fjorden Norwegens – Milad Alkomi ist erst 22 Jahre alt und hat die Welt schon gesehen. Jedenfalls die Orte, die vielen als die echte Sehnsuchtsorte gelten.

Abiturient aus Stadtlohn heuert als Fotograf auf der Aida an und reist drei Jahre um die Welt

Milad Alkomi blickt von den Bergen auf den Geiranger Fjord in Norwegen. © Milad Alkomi

Nach dem Abitur 2016 am Berufskolleg für Technik in Ahaus – Leistungskurse Mathematik und Informatik – hat der Stadtlohner als Fotograf auf der Aida angeheuert. Inzwischen ist er viele tausend Seemeilen gereist, über den Indischen Ozean, durch die Karibik, über den Atlantik, das Mittelmeer oder auch das Nordmeer. Und er ist in den schönsten Häfen der Welt an Land gegangen.

Abiturient aus Stadtlohn heuert als Fotograf auf der Aida an und reist drei Jahre um die Welt

Die AidaNova, der Arbeitsplatz von Milad Alkomi, im Hafen von Santa Cruz de Teneriffe © Milad Alkomi

Weihnachten und den Jahreswechsel hat Milad Alkomi bei seinen Eltern, seinen sieben Geschwistern und seinen Freunden in Stadtlohn verbracht. Am Sonntag sticht er wieder in See. Redakteur Stefan Grothues hat am Donnerstag kurz vor der Abreise mit dem 22-Jährigen gesprochen.

Wo kommen Sie her? Und wo geht es jetzt hin?

Bis Dezember war ich im Mittelmeer unterwegs, Mallorca, Rom, Livorno, Marseille und Barcelona lagen auf der Route der siebentägigen Kreuzfahrt. Diese Tour bin ich drei Monate lang immer wieder neu gefahren.

Abiturient aus Stadtlohn heuert als Fotograf auf der Aida an und reist drei Jahre um die Welt

Luftsprung vor der Akropolis: Milad Alkomi genießt einen freien Tag in Athen. © Milad Alkomi


Am Samstag fliege ich nach Gran Canaria. Am Sonntag legt dort die AidaNova mit einer Kabinenanzahl von 2500 ab. Das ist das größte und modernste Schiff der Aida-Flotte. Die Tour führt zur Frühlingsinsel Madeira und dann nach Lanzarote, La Palma und Teneriffa. Unsere Gäste sind immer sieben Tage an Bord. Ich bin anderthalb Monate unterwegs.

Wie wird ein junger Mann aus Stadtlohn professioneller Kreuzfahrer? Hat da etwa das „ZDF-Traumschiff“ eine Rolle gespielt?
(lacht) Nein, die Sendung habe ich nie gesehen. Ich kenne nur den Film Titanic. Aber das ist ein anderes Thema. Die Idee hatte ich gar nicht selber. Die kam 2016 kurz nach dem Abitur von meiner guten Freundin Anke, die zu einem Fotoshooting bei mir war. Ich hatte eigentlich den Plan, als Au Pair in eine Familie in die USA zu gehen. Aber die Agentur hat damals nur Frauen vermittelt. Anke sagte: „Du kannst doch fotografieren. Such dir doch einen Fotografenjob auf einem Kreuzfahrtschiff!“

Hatten Sie denn das Fotografieren gelernt?

Das habe ich mir selber beigebracht. Schon als Kind hatte der kleine Milad immer eine Videokamera oder eine Polaroidkamera in der Hand. Mit 15, da war ich noch auf der Herta-Lebenstein-Realschule, habe ich meine erste Spiegelreflexkamera gekauft. Die haben meine Eltern gesponsort, weil sie meine Leidenschaft ja schon lange kannten. Dann habe ich viel über Fotografie gelesen und gegoogelt. Und ich habe viel fotografiert, am liebsten Menschen.

Da haben Sie sich getraut und sind dem Tipp Ihrer Freundin Anke gefolgt?

Ja, ich habe nicht lange gezweifelt, obwohl die Stelle eigentlich für ausgebildete Fotografen mit Berufserfahrung ausgeschrieben war. Schon sechs Wochen nach dem Gespräch mit meiner Freundin Anke bin ich auf Gran Canaria als Fotograf an Bord der AidaBlu gegangen ...

... nur sechs Wochen später?

(lacht) Ja, es hat einfach alles gepasst. Zuerst habe ich mich online mit einer Fotomappe beworben. Dann hat mir das Aida-Team beim Vorstellungsgespräch bescheinigt, professionelle Arbeit abzuliefern. Die Termine für die Gesundheitsuntersuchungen und die Sicherheitsausbildung in Rostock mit Feuerlöschübungen und Schwimmeinsätzen in voller Montur im kalten Wasser passten nahtlos. So ging alles ganz schnell.

Was haben Ihre Eltern gesagt?

Das war unbekanntes Terrain für meine Eltern. Mit der Seefahrt hatte meine Familie bis dahin gar nichts zu tun. Ich bin als jüngster Bruder mit sieben Geschwistern in Stadtlohn aufgewachsen. Ich bin auch hier geboren. Ursprünglich stammt meine Familie aus Syrien.

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Die AidaNova, der Arbeitsplatz von Milad Alkomi, im Hafen von Santa Cruz de Teneriffe © Milad Alkomi


Mein Vater war dort Psychologie-Professor. Zwischenzeitlich hat er auch in den USA gearbeitet und auch für die New York Times geschrieben. 1990 ist meine Familie nach Deutschland gekommen. Als Christen haben meine Eltern in Syrien keine Zukunft gesehen. Hier in Deutschland haben wir viele Verwandte. Einer meiner Brüder arbeitet jetzt als Schauspieler in Berlin, eine Schwester ist Sozialarbeiterin, zwei Brüder betreiben Samerosos Dönergrill in Ahaus, mein Vater macht für sie die Buchhaltung.

Wie sieht denn Ihr Arbeitsalltag auf der Aida aus?

Als Fotograf habe ich die Gäste an der Gangway fotografiert, bei den Landgängen und beim Unterhaltungsprogramm auf dem Schiff. Wichtig für gute Fotos ist dabei der Kontakt mit den Menschen. Nur dann findet sich die entspannte Stimmung auch auf den Fotos wieder.

Abiturient aus Stadtlohn heuert als Fotograf auf der Aida an und reist drei Jahre um die Welt

Tausendsassa: Auf der Bühne des Theatriums auf der AidaNova singt Moderator Milad Alkomi auch. © Milad Alkomi


Fotografiert habe ich aber nur in den ersten elf Monaten. Dann habe ich überlegt, mit dem Studium des Eventmanagements zu beginnen, um etwas Neues zu lernen. Mein Chef an Bord der Aida hat aber gesagt: „Auch hier kannst du neue Herausforderungen finden.“
Abiturient aus Stadtlohn heuert als Fotograf auf der Aida an und reist drei Jahre um die Welt

Im Theatriums auf der AidaNova moderiert Milad Alkomi Quiz- und Showveranstaltungen. © Milad Alkomi


So wurde ich ein „Gastgeber“ im großen Theatrium: Dort moderiere ich jetzt Shows und andere Veranstaltungen. Und gerade eben bin ich zum Gastgeber Supervisor befördert worden.

Fühlt sich das wie Arbeit mit Urlaub an – oder eher wie Urlaub mit Arbeit?

Das ist schon ein echt herausfordernder Job: sieben Tage die Woche, keine freien Tage, Einsätze von früh bis spät, aber mit ausreichend geregelten Pausen und Möglichkeiten, selbst mal das Meer oder eigene Landgänge zu genießen.

Abiturient aus Stadtlohn heuert als Fotograf auf der Aida an und reist drei Jahre um die Welt

Das Kreuzfahrtschiff AidaNova ist über 330 Meter lang. Da lassen sich Strecken bequem auf dem Segway zurücklegen. Das Gefährt steht für Stadtbesichtigungen bereit. © Milad Alkomi



Wird die Arbeit gut bezahlt – oder ist das Reiseerlebnis der Lohn?
Sie wird natürlich bezahlt. Hinzu kommen auch Kost und Logis. Aber für mich ist es wichtiger, die Welt zu sehen und viele Erfahrungen mit Menschen zu sammeln. Die Reise ist der eigentliche Lohn. Auch das Miteinander in der Crew ist sehr gut. Reisen auf See schweißen schneller und enger zusammen als eine gemeinsame Arbeit an Land.

In Ihrer Generation gehen viele freitags auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Machen Sie sich als Kreuzfahrer auch Gedanken?
Ja natürlich. Und Aida tut das auch und bekennt sich zu seiner Verantwortung. AidaNova ist das modernste Kreuzfahrtschiff der Flotte. Sie fährt nur mit flüssigem Erdgas und spart so Emissionen ein. AidaNova wurde 2019 als erstes Kreuzfahrtschiff weltweit mit dem Blauen Engel für ein umweltfreundliches Schiffsdesign ausgezeichnet. Das ist die Zukunft.

Wo ist es eigentlich am schönsten?

Für mich war es ein emotionaler Höhepunkt, an der Freiheitsstatue vorbei auf die Skyline von New York zuzufahren. Ich musste daran denken, dass auch mein Papa vor 30 Jahren genau hier gewesen ist. Tief beeindruckt haben mich auch die Felsenfestung von Akaba in Jordanien und Jerusalem mit seiner Geschichte und der Vielfalt der Kulturen.

Verliert Ihre Heimatstadt Stadtlohn angesichts der vielen Eindrücke nicht an Reiz?

(lacht) Ich weiß, was ich an Stadtlohn habe, ich bin hier seit 22 Jahren zuhause, hier ist meine Familie, hier sind meine Freunde. Darum kehre immer gern an die Berkel zurück. Für dieses Jahr habe ich meine Touren extra so gelegt, dass ich zum Dogdeball-Beach-Cup in Stadtlohn sein kann. Und studieren würde ich am liebsten in Münster, weil Stadtlohn dann nicht so weit weg ist.

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