Auf der Suche nach Blindgängern

Stadtlohner Mühlenareal

Gastronomie, Berkelbalkon und ein neues Hotel – auf dem alten Mühlengelände an der Berkel wird sich in nächster Zeit einiges drehen. Noch aber wird die Zukunft gebremst – von der Vergangenheit.

STADTLOHN

, 06.10.2017, 18:11 Uhr / Lesedauer: 2 min
Auf der Suche nach Blindgängern

Eine Mitarbeiterin des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Westfalen-Lippe untersucht alte Luftaufnahmen nach Verdachtsmomenten.

Der Abriss der alten Lagergebäude und des ehemaligen Berkelmarktes auf dem Mühlengelände an der Burgstraße ist beschlossene Sache. Sie machen Platz für die Neugestaltung des Berkelufers, für die Sanierung der Mühle und für das Hotelprojekt „Smartel“. Noch in diesem Herbst sollen die Bagger anrollen.

Zuvor muss aber sichergestellt sein, dass keine Gefahr von möglichen Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg ausgeht. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Bezirksregierung Arnsberg hat einige Verdachtsmomente ausgemacht. Britische Luftaufnahmen aus dem Jahr 1945 zeigen kritische Punkte.

Vorsichtsmaßnahme

Die Stadt Stadtlohn hatte Untersuchungen als Vorsichtsmaßnahme beantragt. „Das ist bei Baumaßnahmen in der Innenstadt erforderlich. Sie ist ja von Bomben flächendeckend in Trümmer gelegt worden“, erklärte Ordnungsamtsleiter Thomas Gausling am Freitag. Die Auswertung der Luftbilder habe drei konkrete Verdachtsmomente ergeben.

Die Untersuchungen vor Ort haben begonnen. Zum Teil konnte der Verdacht ausgeräumt werden. Die Arbeit vor Ort ist aber nicht abgeschlossen. Einige Untersuchungsbereiche sind schwer zugänglich. Grund zur Vorsicht ist gegeben, aber kein Grund zur Sorge. Thomas Gausling: „Verdachtsmomente sind nichts Ungewöhnliches.“

Einschläge zu erkennen

Auf den Luftbildern seien oft Einschläge zu erkennen, von denen längst keine Gefahr mehr ausgehe. „Direkt nach dem Krieg ist ja schon vieles geräumt worden.“ Dennoch kommen die 45 Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Westfalen-Lippe ihrer Arbeit kaum nach. Etwa die Hälfte von ihnen ist mit der Verwaltung und Auswertung der Luftbilder beschäftigt, die andere Hälfte übernimmt die Überprüfung und gegebenenfalls die Räumung vor Ort.

Ein Interview mit den Kampfmittelräumern ist daher nicht möglich. Dazu fehlt die Zeit. „Es gibt einen regelrechten Antragsstau“, erklärte am Freitag Christoph Söbbeler, Sprecher der Bezirksregierung Arnsberg. Wie ist das über 70 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs möglich? Söbbeler nennt drei Gründe.

Rege Bautätigkeit

Erstens: „Kaum eine Region in Deutschland war so stark von den Luftangriffen betroffen wie das Ruhrgebiet und Westfalen“. Zweitens: „Es gibt eine rege Bautätigkeit, das erhöht die Zahl der Anfragen. Und drittens: „Die Städte und Gemeinden sind heute sensibler und sehen die Überprüfung als obligatorisch an.“

Kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs, am 11., 21. und 22. März 1945, flogen die alliierten Luftstreitkräfte mehrere  schwere Bombenangriffe gegen die Stadt Stadtlohn. 330 Menschen verloren während der Bombardements ihr Leben. Fast die Hälfte der Gebäude wurde schwer beschädigt oder völlig zerstört.

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