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Auf Glyphosat verzichtet die Stadt Stadtlohn schon seit Jahren und setzt auf Handarbeit

rnGlyphosat-Einsatz

Heißschaum und Bürste statt Glyphosat – auch die Stadt Stadtlohn setzt bei der Pflege von öffentlichen Flächen auf Handarbeit. Aber wie sieht es auf ihren verpachteten Flächen aus?

Stadtlohn

, 29.05.2019 / Lesedauer: 3 min

Es gibt eine klare Regelung: Für kommunale Straßen und alle Flächen, die nicht gärtnerisch, land- oder forstwirtschaftlich genutzt werden, gilt seit 2014 ein Erlass des NRW-Umweltministeriums, der den Gebrauch von Glyphosat untersagt. Daran hält sich natürlich auch die Stadt Stadtlohn: Auf befestigten Flächen, zum Beispiel auf Schul- und Kindergartengelände, an Sportplätzen und an Friedhöfen wird das Mittel nicht angewendet.

Die Alternative zum Pestizid: Die befestigten, also meist gepflasterten Flächen im Gebiet der Stadt Stadtlohn werden mit Heißschaum, mechanisch mit Drahtbürsten oder auch mt einem Brenner entfernt, teilt Dr. Uwe Spickermann, der in der Stadtverwaltung Stadtlohn für die Grünflächen zuständig ist, auf Anfrage mit.

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Viele Wildkräuter ließen sich durch mechanische Verfahren zufriedenstellend beseitigen. „Es muss allerdings mehrfach im Jahr geschäumt oder geflämmt werden, wodurch die Kosten deutlich steigen“, betont Uwe Spickermann. Denn die Stadt beauftragt externe Unternehmen für diese Aufgaben, der städtische Bauhof verfügt nicht über eine entsprechende Ausrüstung.

Die Kosten liegen dafür bei 2300 Euro pro Behandlung, wie der Erste Beigeordnete Günter Wewers mitteilte. Die rund 4000 Quadratmeter würden drei Mal im Jahr bearbeitet. Unter Einsatz der chemischen Keule waren die Kosten erheblich niedriger, sagt Wewers, genaue Zahlen kann er aber nicht nennen.

Seit Jahren werden in Stadtlohn keine Pestizide angewendet

Bauhofleiter Stefan Beckhaus kennt es aus seinem Arbeitsalltag nur so, dass keine Unkrautvernichtungsmittel angewandt werden. Seit Jahren ist das so – so ganz genau kann das bei der Stadt niemand eingrenzen. Der Bauhof selbst hat eine große Drahtbürste im Fuhrpark, die vor den Unimog gehängt wird. Mit diesem Gefährt geht es dann über die gepflasterten Wege in Stadtlohn, um dem unerwünschten Grün zu Leibe zu rücken.

Viele gärtnerischen Anlagen gibt es auch, von der kleinen Verkehrsinsel bis zu den Beeten im Losbergpark. „Dort wird unerwünschter Bewuchs durch Hacken und Jäten entfernt“, sagt Uwe Spickermann. Bauhofleiter Stefan Beckhaus trägt diese Aufgabe von Frühjahr bis Herbst in den täglichen Arbeitsplan ein und Verlauf des Sommer ist es eine wiederkehrende Schleife, nach der die Mitarbeiter mit der Hacke in den jeweiligen Grünanlagen aktiv sind: „Das ist eine tägliche Arbeit, ein bis zwei Kolonnen des Bauhofs sind jeden Tag draußen,“ so der Bauhofleiter.

Mechanische Verfahren kommen aber auch an ihre Grenzen

Bei Problempflanzen wie Quecke, Distel, Giersch, Löwenzahn oder Herkulesstaude kämen die mechanischen und thermischen Verfahren allerdings an ihre Grenzen, sodass Flächen manchmal nach wenigen Tagen wieder mit Unkraut bewachsen sind, betont Uwe Spickermann. Das wird jeder Haus- und Gartenbesitzer kennen. Der Unimog mit der Drahtbürste werde immer nach Bedarf eingesetzt. Wenn es regnerisch ist, öfter, weil das Wildkraut dann stärker wächst.

Auf Glyphosat verzichtet die Stadt Stadtlohn schon seit Jahren und setzt auf Handarbeit

Die Drahtbürste vor dem Unimog dreht sich so schnell und heftig, dass zum Teil Funken fliegen. Die Bürste holt Gras und Co. aus den Fugen der Pflasterflächen. © Markus Gehring

Was die Herkulesstaude angeht: Die Verbreitung diese Allergie auslösenden Pflanze halte der Bauhof relativ im Zaum, so die Einschätzung des Chefs Stefan Beckhaus. Die Pflanze, die sich vor allen an den Grabenrändern ausbreiten, muss mühevoll mit Wurzelwerk ausgegraben werden. Auch das ist echte Handarbeit angesagt.

Für verpachtete Flächen wird geltendes Recht angewandt

Anders sieht es auf städtischen Flächen aus, die verpachtet werden – an Landwirte oder Privatleute. Darauf haben weder Kommune noch Landesbehörden Einfluss. Was die Naturschützer des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in NRW stört. Sie wünschen sich, dass die Flächen unter der Auflage verpachtet werden, dort auf Pestizide zu verzichten, sagt Ralf Bilke, Agrarreferent des Bundes. In den Verträgen zu den landwirtschaftlichen Flächen und Kleingärten, die die Stadt Stadtlohn verpachtet, ist ein „ordnungsgemäßes Wirtschaften“ schriftlich festgehalten. Das heißt, die Pächter müssen sich an geltendes Recht halten. Verboten sind Pestizide auf landwirtschaftlichen Flächen oder für private Gärten nicht.

Absatzrückgang des Wirkstoffs in Deutschland

  • Glyphosat ist ein sogenanntes Total-Herbizid, es tötet alle grünen Pflanzen. Wo Glyphosat ausgebracht wird, wächst kein Gras mehr – auch kein Kraut, Strauch oder Moos. Ackerflächen können so vor oder kurz nach der Aussaat und nochmals nach der Ernte unkrautfrei gemacht werden.
  • Der vom US-Konzern Monsanto entwickelte Wirkstoff Glyphosat wurde 1974 erstmals zugelassen. Im Jahr 2000 lief das Patent aus, seither werden glyphosathaltige Produkte auch von zahlreichen anderen Herstellern angeboten.
  • Verkauft werden einer Studie aus dem Jahr 2016 zufolge jährlich weltweit mehr als 800.000 Tonnen solcher Mittel, in Deutschland waren es 2016 etwa 3.800 Tonnen glyphosathaltiger Produkte. Ein Rückgang, 2012 wurden noch knapp 6.000 Tonnen abgesetzt.
  • Die Deutsche Bahn ist der größte Einzelabnehmer des Wirkstoffs in Deutschland.
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