Bauarbeiten im versteckten Bach

Garwerts Mähre

Die Garwerts Mähre ist auf einem Teilstück saniert worden. Die Arbeit unter Tage war hart, Enge und wenig Sauerstoff sorgten für einen besonderen Rhythmus..

STADTLOHN

, 02.02.2018, 16:07 Uhr / Lesedauer: 2 min
Bei Bewehrungsarbeiten im Kanal - 1,60 breit und einen Meter hoch war der Arbeitsplatz.

Bei Bewehrungsarbeiten im Kanal - 1,60 breit und einen Meter hoch war der Arbeitsplatz. © Stadt Stadtlohn

Mehr als einen Kilometer lang fließt die Garwerts Mähre von Süd nach Nord mitten durch die Stadt – allerdings plätschert der Bach seit Anfang der 1950er Jahre nur noch unterirdisch. Der Wasserlauf wurde in ein Betonbett gezwängt und komplett überbaut. Ein 120 Meter langes Teilstück zwischen Stiftsweg und Dufkampstraße ist jetzt mit großem Aufwand saniert worden.

„Die Beton- und Mauerwerkskonstruktionen befanden sich in einem stark desolaten Zustand“, erklärte Matthias Herwing vom Tiefbauamt der Stadt Stadtlohn am Freitag im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. Undichtigkeiten, Wurzeleinwüchse und Korrosionsbildungen an statisch wichtigen Stahlträgern duldeten keinen Aufschub mehr. Acht Monate haben die Arbeiten am Hauptkanal sowie an den Seitenschächten gedauert. 400.000 Euro hat die Stadt investiert.

Extreme Arbeitsbedingungen

Die Arbeiten waren nicht nur kostspielig, sondern für das fünfköpfige Kanalarbeiter-Team des Bauunternehmens auch körperlich extrem hart.

Der Kanal wurde zunächst vollständig gereinigt und abgestützt. Mit einer Blase wurde der Kanal soweit verschlossen, dass die Arbeiten auf dem Trockenen durchgeführt werden konnten. In dem 1,60 Meter breiten und nur einen Meter hohen rechteckigen Betontunnel mussten die Arbeiter anschließend die Sohle fräsen und komplett neu betonieren.

Große Mengen von Abbruchmaterialien mussten von Hand aus der Verrohrung transportiert werden. Marode Stellen der gemauerten Seitenwände besserten die Fünf in gebückter Haltung aus. Dann wurde alles verputzt und mit einer Spezialbeschichtung aus Kunststoff versehen.

„Wegen der schwierigen Sauerstoffversorgung und der großen Anstrengung auf engstem Raum durften die Arbeiter aus Sicherheitsgründen maximal 20 Minuten im Bauwerk verbleiben“, erklärte Matthias Herwing. Jetzt ist die Sanierung „erfolgreich abgeschlossen“, ergänzte er. Die mängelfreie Abnahme der Baumaßnahme durch eine Kamera-Inspektion erfolgte Ende Januar.

Die Sanierung, so Matthias Herwing, sei ein Beitrag, um das unterirdische Kanalnetz leistungsfähig zu halten. Das sei vor allem bei Starkregen wichtig.

Leistungsfähiger Kanal

„Die unterirdische Garwerts Mähre ist ausreichend leistungsfähig, um das Niederschlagswasser abzuführen – auch bei einem hundertjährigen Regenereignis“, hatte im vergangenen Jahr der Experte Stefan Koenen nach einer umfangreichen Untersuchung festgestellt. Dass es dennoch gelegentlich zu überfluteten Kellern kommt, erklärte Stefan Koenen damals so: „Einen absoluten Schutz kann es nicht geben. Die Kanalisation kann nicht für ein tausendjähriges Regenereignis ausgelegt werden.“ Wichtig sei außerdem, dass die Rückstauklappen der privaten Kanalanschlüsse funktionstüchtig seien.

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