Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Berkelmühle doch abreißen? Fachplaner warnt vor bleibendem Restrisiko bei Sanierung

rnHochwasserschutzkonzept

Erst Ende 2022 soll mit der Sanierung der Berkelmühle begonnen werden. Das empfiehlt das Planungsbüro für das Hochwasserschutzkonzept. Im Bauausschuss wurde danach auch der Abriss angedacht.

Stadtlohn

, 23.05.2019 / Lesedauer: 4 min

Als Diplom-Ingenieur Ulrich Krath am Dienstag seine Ausführungen zum Hochwasserschutzkonzept vor den Politikern des Umwelt-, Planungs- und Bauausschusses beendet hatte, herrschte weitgehende Ernüchterung bei den Kommunalpolitikern, was ihre Erwartungshaltung in Sachen zeitliche Umsetzung des Konzeptes angeht. Ins Grübeln kamen die Politiker außerdem darüber, was den bis dato geplanten Erhalt der alten Berkelmühle angeht.

Rund 800 Einzelmaßnahmen

Der Fachplaner aus Koblenz stellte den Politikern in seinem Vortrag die Grundzüge der geplanten Maßnahme vor, welche die Innenstadt und besonders den Bereich der Burgstraße vor neuen Hochwassern schützen soll. Schon im Juni soll es Untersuchungen für Grundwassermessstellen und Sondierungsbohrungen geben, erklärte Ulrich Krath, der für das Gesamtprojekt von rund 800 einzelnen Vorgängen sprach.

Berkelmühle doch abreißen? Fachplaner warnt vor bleibendem Restrisiko bei Sanierung

Stauwehr und Generatorgebäude an der Berkelmühle sollen abgerissen werden. Die Sicherung des Mühlengebäudes ist dabei sehr anspruchsvoll. © Bernd Schlusemann

Sein Terminplan für die Gesamtumsetzung inklusive der Schaffung von Retentionsflächen, der Höherlegung der Burgstraße und der zum Konzept gehörenden Sanierung des alten Mühlengebäudes reicht bis Herbst 2023. Ulrich Krath schilderte den Politikern, dass der von ihm terminierte Zeitstrahl die Fertigstellung der Hinterlandentwässerung im Außenbereich bis Herbst 2022 vorsieht.

Anfang 2021 soll mit einer Anhebung der Burgstraße begonnen werden. Gleichzeitig sieht der Zeitplan unter anderem die Erneuerung der Wehranlage, neue Uferwände, einen Fischaufstieg an der Berkelmühle und die Schaffung von Retentionsräumen zur Dämpfung von Hochwasserwellen vor. „Es gibt nie eine optimale Lösung“, versprach der Planer den Ausschussmitgliedern nicht, dass nach den geplanten Maßnahmen nie wieder Hochwasser in den Stadt steht. Bei einem sogenannten 100-jährigen Starkregenereignis könnten auch nach den Baumaßnahmen noch bis zu 50 Zentimeter Wasser in der Burgstraße stehen: „Das wird nicht zu verhindern sein“.

Jetzt lesen

„Das Mühlengebäude stellt eine besondere Herausforderung dar“, leitete Ulrich Krath seinen Bericht ein, der die Politiker am Ende doch arg ins Grübeln brachte. Wie Krath ausführte, erfordert die Sicherung des Gebäudes eine weitere Gründung, bevor mit dem geplanten Teilabriss, beispielsweise des Turbinengebäudes, begonnen werden kann.

Problem: Bis in eine Tiefe von zehn Metern ist im Bereich der Mühle kein fester Untergrund vorhanden. Krath sprach von Sand, Holz und Bauschutt. Entsprechend tief müsse eine Pfahlgründung erfolgen. Dabei dürften die vorhandenen Gründungspfähle des Gebäudes nicht freigelegt werden. „Das ist schon ein ziemlicher Anspruch“, erklärte der Planer den Politikern.

Jetzt lesen

Damit ein saniertes Mühlengebäude nicht durch die geplanten Baumaßnahmen Schäden nimmt, empfahl Ulrich Krath dem Ausschuss dringend, mit der Sanierung der Mühle erst zu beginnen, wenn Uferwände und neue Wehranlage fertig sind. Das sei erst Mitte 2022 der Fall. Der Fachplaner nahm den Politikern damit jegliche Hoffnung, wie angedacht bereits im nächsten Jahr mit der Sanierung der alten Mühle beginnen zu können. Auch, damit danach zügig das geplante Hotel entstehen kann.

CDU ist Risikobegrenzung wichtig

Als „komplexen und komplizierten Ablauf“ bezeichnete Josef Wansing (CDU) das gerade Gehörte. Mit Blick auf das Mühlengebäude sei seiner Fraktion eine „Risikobegrenzung wichtig“. „Endlich haben wir einen realistischen Planungsablauf“, fand Martin Kömmelt (UWG). Gleichzeitig merkte er an, dass die vorgestellte Planung ihn „auf den Boden der Tatsachen geholt“ habe, was das Zeitfenster angeht.

Die Kommunalpolitiker konzentrierten sich in ihrer Diskussion im Wesentlichen auf das Mühlengebäude. „Es ist nicht einfach da außen rum zu bauen“, betonte Ulrich Krath und sprach von einem „Restrisiko, das immer besteht“.

Jetzt lesen

Auf die Frage nach den Kosten für das Gesamtprojekt von Ludger Brockherde (SPD) erklärte der Planer, dass es im jetzigen Stadium der Planung zu früh sei, eine Kostenschätzung abzugeben. Bernd Schöning (FDP) sprach davon, dass bisher Kosten von fünf bis 10 Millionen Euro „herumgeisterten“, wobei die Bezirksregierung mit 80 Prozent im Boot sei.

Bernd Schöning wollte wissen, ob der Planer eine Chance sieht, die Sanierung des Mühlengebäudes vorzuziehen. „Das geht so nicht“, machte Ulrich Krath unmissverständlich klar: „Das wird ein finanzielles Fiasko“.

Jetzt lesen

„Es wird teurer, als wir alle vermutet haben“, fasste UWG-Fraktionsvorsitzender Erwin Plate seinen Eindruck von dem Gehörten zusammen. Aus den Reihen der CDU kam dann die Überlegung, das Mühlengebäude doch abzureißen, „um zeitlich weiter zu kommen“.

Jetzt lesen

Bau-Fachbereichsleiter Mathias Pennekamp wollte diesen Gedanken gar nicht erst weiter vertiefen. „Die Berkelmühle ist ein identitätsstiftendes Gebäude für Stadtlohn“. Sie sei daher „wesentlich mehr als nur der Wert der Steine“. Er rief dazu auf, zunächst die Kosteneinschätzung abzuwarten.

Ohne Förderung Gebäude abgerissen

„Ohne Fördermittel hätten wir das Gebäude abgerissen“, ordnete Ludger Brockherde die Situation für sich ein und wollte wissen, ob es denn überhaupt noch Fördermittel gibt, wenn erst in 2022 mit der Sanierung begonnen wird. „Wir müssen mit der Bezirksregierung sprechen, wenn diese Dinge tatsächlich eintreten“, meinte Bürgermeister Helmut Könning.

Josef Wansing schloss sich den Sorgen seiner Vorredner „über Erhalt und Kosten“ für das Mühlengebäude an. Dabei fiel auch die Frage nach der Wirtschaftlichkeit einer Sanierung unter den gehörten, erschwerten Bedingungen. Er appellierte daran, diese Dinge möglichst schnell zu prüfen.

Am Ende des Tagesordnungspunktes blieb der Eindruck, dass die Kommunalpolitiker im Bauausschuss das Mühlengebäude nach dem Vortrag des Planers nicht um jeden Preis erhalten wollen.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt