Berufsschüler fährt Ex-Freundin an

Verfahren eingestellt

Am Anfang des Prozesses stand am Donnerstag ein vermeintliches Verbrechen im Raum: Ein 21-jähriger Oedinger wurde beschuldigt, in Stadtlohn einen Unfalls absichtlich herbeigeführt, dabei seine Ex-Freundin verletzt und dann Unfallflucht begangen zu haben. Am Ende sah das Jugendschöffengericht in Borken eher eine riesengroße Dummheit und stellte das Verfahren gegen Geldauflagen ein.

STADTLOHN

, 19.01.2017, 17:38 Uhr / Lesedauer: 2 min
Berufsschüler fährt Ex-Freundin an

Auf diesem Schulweg an der Schillerstraße ereignete sich der Unfall am 21. April 2016, der gestern vor dem Jugendschöffengericht verhandelt wurde.

Verhandelt wurde am Donnerstag ein Vorfall, der sich am 21. April kurz vor Schulbeginn auf dem engen Weg von der Schillerstraße zum Berufskolleg Lise Meitner in Stadtlohn ereignete. Die damals 16-jährige Schülerin war ins Gespräch mit einer Freundin vertieft, als sie nach ihrer Darstellung plötzlich von hinten angefahren wurde und sich auf der Kühlerhaube sitzend wiederfand. "Ich war schockiert, mega erschrocken."

Ihre Freundin schilderte als Zeugin vor Gericht: "Ich habe sie dann zur Seite gerissen, damit nichts Schlimmeres passiert." Der Angeklagte parkte sein Auto einige hundert Meter entfernt und ging in den Unterricht - lachend als ob nichts passiert sei, wie die Zeugin betonte. Und das, obwohl das Unfallopfer geweint hätte. Nach Angaben der Geschädigten war ihr Knie nach dem Unfall kurzzeitig und leicht geschwollen.

"Nichts dabei gedacht"

Den Unfallhergang bestätigte der Angeklagte im wesentlichen: Er sei den Weg mit Schrittgeschwindigkeit gefahren. Andere Schülerinnen hätten ihm Platz gemacht. Er habe damit gerechnet, dass auch seine Ex-Freundin zur Seite ausweiche. Warum ging er nach dem Unfall in seine Klasse, ohne sich um das Unfallopfer zu kümmern?

"Ich habe mir nichts dabei gedacht", sagte der Angeklagte mehrfach auf Nachfragen des Richters. Die Tatsache, dass das Unfallopfer seine Ex-Freundin war, habe keine Rolle gespielt, betonte der Angeklagte. "Es war vorbei, wir haben uns ignoriert", bestätigte auch das Unfallopfer als Zeugin.

Zweifel an Fahrerflucht

Nach rund zweistündiger Verhandlung äußerte die Staatsanwältin Zweifel an der Schwere des Vorwurfs: Ein Vorsatz sei nicht nachweisbar, die Körperverletzung allenfalls fahrlässig erfolgt. Der Verteidiger zweifelte auch den Tatbestand der Fahrerflucht an: "Er hat sich nicht entzogen, er ist ja in die Schule gegangen und war bekannt." Das allerdings sah der Richter anders: Schließlich habe der Angeklagte nach dem Unfall nicht auf Ansprache der Zeugen reagiert. "Er war wohl etwas verpeilt", so der Richter.

Dennoch entschied sich das Schöffengericht für eine Einstellung des Verfahrens, unter anderem weil die Verletzung "nur ganz leicht" gewesen sei. Diese Entscheidung, so betonte der Richter aber, sei ihm nicht leicht gefallen. Der Angeklagte muss dem Opfer 150 Euro Schuldwiedergutmachung zahlen und als weitere Geldauflage 450 Euro an den Förderverein der Hospizbewegung in Stadtlohn überweisen.

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