Betrüger hofft auf eine Chance

Berufung vor Landgericht

Gefängnisstrafe oder Bewährung – darum ging es am Donnerstag für einen Stadtlohner bei einem Berufungstermin vor dem Landgericht in Bocholt.

STADTLOHN

, 31.08.2017, 18:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Borkener Amtsgericht hatte den Angeklagten im Juni wegen einer Reihe von Straftaten zu einem Jahr Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Da er unter Bewährung stand, drohen ihm durch dieses neue Urteil mindestens zwei weitere Jahre Haft. Bis 2015 saß der Auszubildende eineinhalb Jahre in Haft.

Körperverletzungsdelikte, Urkundenfälschung und Fahren ohne Fahrerlaubnis waren damals die Gründe für die Haft. In dem Verfahren vor dem Borkener Amtsgericht ging es um sechs Betrugsfälle und Urkundenfälschung. So hatte der 24-Jährige Handys und einen Goldbarren im Internet bestellt, aber nicht bezahlt. Auf den Namen einer Gescheranerin hatte er Bekleidung im Netz gekauft (wir berichteten).

„Nicht gerechtfertigt“

Schon vor dem Borkener Amtsgericht zeigte sich der Angeklagte reumütig und bat das Gericht um eine Chance. Ein Geständnis legte er aber erst am letzten Verhandlungstag ab, als die Beweislast ohnehin erdrückend war. „Die Chance ist nicht gerechtfertigt“, meint der Richter des Amtsgerichts in seiner Urteilsbegründung.

Am Donnerstag ging es für den Stadtlohner erneut darum, eine Chance zu erhalten: Seit Anfang August macht er eine Ausbildung, will im nächsten Jahr heiraten. Die Taten habe er aus Geldnot begangen, berichtete der Angeklagte auf Nachfrage des Richters. Und: Er habe einen hohen Lebensstandard gehabt. Gleichzeitig versicherte er, den Schaden wiedergutmachen zu wollen. 200 Euro monatlich zahle er schon ab – bei einem Lehrlingsgehalt von 670 Euro und rund 1000 Euro, die er nebenher verdiene.

Taten waren „dumm“

Für die Gesamtbewertung als wichtig wertete das Gericht die Aussage der Bewährungshelferin. In einer schriftlichen Stellungnahme bewertete sie den Angeklagten als „nicht sehr zuverlässig“. Seit Februar 2017 sei das besser geworden. Im Januar habe es die erste neue Anklage gegeben, erkannte die Staatsanwältin sofort den Grund.

Die Einsicht in sein Fehlverhalten fehle: „Er bagatellisiert seine Straftaten“, zitierte der Richter die Bewährungshelferin weiter. Vor dem Landgericht dagegen bedauerte der Stadtlohner immer wieder seine Taten, bezeichnete diese als „dumm“.

Selbst verschuldet

Die jetzige Ausbildung sei für ihn die Chance, auf den rechten Weg zu kommen. Fachabitur und Meisterprüfung wolle er machen.

Das Gericht will nun an einem weiteren Prozesstag die Bewährungshelferin hören. Das passte dem Angeklagten so gar nicht: „Ich kann mir nicht ständig freinehmen für irgendwelche Gerichtstermine“. „In diese Schwierigkeit haben sie sich selber manövriert“, entgegnete der Vorsitzende Richter.

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