Bewährungsstrafe für rabiate Brüder nach Kopftritt

Gerichtsverhandlung

Für zwei Brüder aus Wüllen hatte das Schützenfest in Almsick am Dienstag ein ernstes gerichtliches Nachspiel. Der jüngere von beiden wurde wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe, der ältere wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt. Er hatte einem Security-Mann mit dem Schuh ins Gesicht getreten.

STADTLOHN/AHAUS

, 13.09.2016, 18:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das 33 Jahre alte Opfer - das auf dem Schützenfest im Mai für Ordnung sorgen sollte, sieht eigentlich nicht so aus, als ob ihn etwas leicht erschüttern könnte: ein bodybuilding-gestähltes Kraftpaket. An den entscheidenden Moment hatte er am Dienstag vor dem Amtsgericht in Ahaus aber nur eine bruchstückhafte Erinnerung: "Es hat ganz schön gescheppert."

Kopfschmerzen bis heute

Was passiert war, hatte sein Kollege beobachtet: Der Angeklagte sei auf den am Boden knienden 33-Jährigen zugestürmt - "wie ein Fußballspieler, der zum Ball rennt und volles Rohr abziehen will." Er habe noch versucht, die Attacke zu verhindern. Er konnte aber den Tritt ins Gesicht des Security-Mannes nicht verhindern. "Der Angeklagte ist ja zwei Meter groß und wirklich stark", so der Zeuge. Fotos zeigten in der Verhandlung das geschwollene Gesicht des Opfers und Hämatome, ein Arzt diagnostizierte einen Nasenbeinbruch. Noch heute leidet das Opfer unter Sehstörungen und Kopfschmerzen. Wie es zu diesem folgenreichen Tritt gegen 5 Uhr morgens kam, darüber gaben die angeklagten Brüder und die beiden Wachleute ganz unterschiedliche Darstellungen.

"Wollte nicht verletzen"

Der 23 Jahre alte jüngere der beiden Brüder gab an, der Security-Mann sei ihm gegenüber handgreiflich geworden. Dann hätten ihn weitere Security-Männer geschlagen und getreten, als er bereits am Boden lag. Daraufhin will ihm sein 25-jähriger Bruder zur Hilfe geeilt sein. Er räumte ein, getreten zu haben, betonte aber: "Ich wollte nicht das Gesicht treffen, ich wollte ihn nicht verletzten." Die Security-Leute indes schilderten die Vorgeschichte anders: Die Brüder seien schon im Verlauf des Schützenfests in provozierender Weise aufgefallen.

Als der Schützenfestplatz nach Festende geräumt werden sollte, habe ihn der jüngere der beiden Brüder verhöhnt, dass er für so wenig Geld arbeiten müsse, berichtete der 33-jährige Security-Mann vor Gericht. Unvermittelt habe ihm dann der Randalierer ins Gesicht geschlagen. Daraufhin habe er versucht, den 23-Jährigen am Boden zu fixieren. Das war der Moment, in dem der ältere Bruder ihn attackierte.

Antiaggressions-Training

Der Richter schenkte der Darstellung des Wachleute Glauben. Die Rechtfertigung der Brüder bezeichnete er nach weiteren Zeugenaussagen als "schlicht erfunden". Die Entschuldigung der Angeklagten hielt er für halbherzig -und wie zur Bestätigung dieses Eindrucks lachten die beiden Brüder während der Urteilsverkündung. Beide hatten bereits vor drei Jahren wegen Beleidigung, Körperverletzung und des Tragens der Zeichen von verfassungswidrigen Organisationen vor Gericht gestanden.

Der jüngere der beiden Brüder muss nun 3600 Euro Geldstrafe zahlen (90 Tagessätze à 40 Euro). Die Freiheitsstrafe des älteren Bruders wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Er muss zusätzlich 2000 Euro Schadenswiedergutmachung an das Opfer zahlen und an einem Antiaggressionstraining teilnehmen. Darüber hinaus könnten noch zivilrechtliche Ansprüche auf ihn zukommen. Die Brüder tragen auch die Kosten des Verfahrens und der Nebenklage.

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