Bewusste Spätstarter

Stadtlohn "Wir sind überhaupt nicht spät dran. Wir liegen genau im Plan. Und wir haben uns ganz bewusst dafür entschieden, das Neue Kommunale Finanzmanagement so spät wie möglich einzuführen."

24.07.2007, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Günter Wewers macht es nicht nervös, dass seine Kollegen in den Rathäusern von Vreden und Ahaus die Umstellung auf die neue Buchführung bereits vollzogen haben.

Im Gegenteil: Der Stadtlohner Kämmerer führt Argumente dafür ins Feld, erst zum 1. Januar 2009 mit "NKF" zu beginnen: "Bis dahin sind die meisten Schwierigkeiten bekannt, und vieles ist bis dahin auch bei der Software an Kinderkrankheiten ausgeräumt, die wir für die NKF anwenden werden."

Dennoch steckt das vierköpfige Expertenteam im Stadtlohner Rathaus schon seit langem mitten in den Vorarbeiten für die Einführung des NKF. Die Mitglieder der Projektgruppe haben sich intensiv dafür vorbereitet - das bestätigt auch das von ihnen erworbene NKF-Zertifikat des Studieninstituts Westfalen-Lippe. Und das Quartett übernimmt die Aufgabe von "Multiplikatoren": Sie vermitteln ihr Wissen an die anderen Mitarbeiter im Rathaus.

"Das Wesentliche am NKF ist wohl, dass der Werteverzehr deutlich wird", zeigt Wewers den Unterschied zur alten Art der Buchführung auf. Wenn zum Beispiel ein Schulgebäude in die Jahre kommt, lässt sich der Wertverlust künftig nicht nur im Haushalt ablesen. NKF verpflichte auch, diese Abschreibung wieder herein zu holen: "Das zielt auf den Werterhalt." Langfristigkeit als Programm: Das gilt genauso bei den Beamtenpensionen, für die die Stadt Rückstellungen vornehmen muss. Der Begriff, der diesen Gedanken der Nachhaltigkeit beschreibt: "Intergenerative Gerechtigkeit".

Ein Umdenken erfordert der neue Haushalt auch sprachlich: Er fasst die Aufgaben der Stadtverwaltung in "Produkten" zusammen. "Wir haben uns dafür entschieden, diese Produkte an die Fachbereiche anzugleichen. Damit liegen die Verantwortlichkeiten für die Finanzen und die Ressourcen jeweils in den gleichen Händen", so Wewers.

Wieviel ist aber das Vermögen der Stadt wert? Liegenschaften und Gebäude, Infrastruktur und Betriebsausstattung wollen fein säuberlich ihren Niederschlag in der Eröffnungsbilanz finden. Verhältnismäßig leicht zu ermitteln seien etwa die Grundstückswerte. Bei den Gebäuden verhält es sich schon schwieriger. Ermitteln muss die Stadt jeweils einen "vorsichtig geschätzten Zeitwert". Dazu reiche es nicht, bloß das Errichtungsjahr heranzuziehen. Auch der bauliche Zustand fließt mit ein - und kann bei einer theoretischen Lebensdauer von 50 Jahren einigen Einfluss darauf haben, wieviel "Restzeit" in der Bilanz etwa für die Schulen noch eingerechnet wird - Rechenaufgaben, denen sich gerade die Fachleute aus dem Bauamt widmen.

Zeitplan steht

Der Zeitplan für die Einführung der neuen Buchführung stehe jedenfalls. Im Frühjahr nächsten Jahres soll eine Vor-Eröffnungsbilanz auf dem Tisch liegen. Danach bleibe noch ein halbes Jahr Zeit, diese in den politischen Gremien zu beraten. to

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