Blick in eine andere Zeit

Erinnerungen

Nein, eigentlich ist es der älteren Dame gar nicht so recht, dass darum unnötig Aufhebens gemacht wird. Aber es besitzt eben großen Seltenheitswert, was Maria Kösters getan hat: die Erinnerungen an die eigene Jugend aufzuschreiben.

STADTLOHN

von Von Thorsten Ohm

, 13.11.2013, 16:44 Uhr / Lesedauer: 2 min
Maria Kösters (M.) trug sich anlässlich der Übergabe des Buches mit ihren Erinnerungen auch ins Goldene Buch der Stadt Stadtlohn ein; mit im Bild (von links) ihr Sohn Gregor Kösters, ihre Tochter Annemarie Pazek, Archivar Ulrich Söbbing und Bürgermeister Helmut Könning.

Maria Kösters (M.) trug sich anlässlich der Übergabe des Buches mit ihren Erinnerungen auch ins Goldene Buch der Stadt Stadtlohn ein; mit im Bild (von links) ihr Sohn Gregor Kösters, ihre Tochter Annemarie Pazek, Archivar Ulrich Söbbing und Bürgermeister Helmut Könning.

„Schreib das doch mal auf“, hatte die Familie Maria Kösters aufgefordert. Das tat sie: Mit ihrer klaren Handschrift füllte sie vor gut zehn Jahren viele Blätter. Und ging dabei mit Konzept vor: Sie beschränkte sich auf die Zeit zwischen ihrer Geburt 1924 und dem Jahr 1952, als ihr erstes Kind zur Welt kam. Diese Fokussierung macht die Aufzeichnungen besonders spannend. Denn sie spiegeln damit Zeiten des Umbruchs, wie es sie im vergangenen Jahrhundert in diesem Ausmaß in Deutschland sonst nicht gegeben hat. Dass die Erinnerungen von Maria Kösters jetzt als kleines Buch erschienen sind, ist der Initiative der Familie zu verdanken.

Eigentlich war es auch nur für diesen Kreis gedacht. Doch persönliche Geschichte stellt immer auch ein Stück Heimatgeschichte dar, mitunter sogar Zeitgeschichte – so wie bei Maria Kösters. Denn Diktatur, Krieg und Zerstörung verlangten den Menschen im Alltag vieles ab. Auch davon berichtet die Stadtlohnerin. Der Stil ihrer Sprache verdient besondere Aufmerksamkeit: Sie beschreibt präzise, mit großer Sachlichkeit, dabei anschaulich und doch schnörkellos – Alltagsfreuden und Schicksalsschläge, Not und Entbehrung, Verfolgung jüdischer Nachbarn und Schrecken des Bombenkrieges. „Bewegte Zeiten“ heißt der Band, den die Familie jetzt an Bürgermeister Helmut Könning übergeben hat. Die Runde am Tisch im Rathaus hatte gleich Gesprächsstoff, der sich auch aus den Erinnerungen von Maria Kösters speiste. Angeregt richteten alle den Blick in die Vergangenheit, die bis heute nachwirkt: Bürgermeister Helmut Könning ebenso wie Hermann Hintemann, der Vorsitzende des Heimatvereins, oder Archivar Ulrich Söbbing.

Und die Nachfragen von Karlheinz Pettirsch, dem Ersten Beigeordneten, und Günter Wehning, Leiter des Fachbereichs Kultur, machten es sofort deutlich: Die Stimme von Zeitzeugen besitzt für die Nachgeborenen einen unschätzbaren Wert – wenn sie denn verstehen wollen, wie jene lange vergangenen Tage waren, die die Weichen für das Heute gestellt haben. Wer sich für den reich bebilderten, 98 Seiten starken und mit vielen Erläuterungen ergänzten Band interessiert, kann sich an das Bürgerbüro oder an den Heimatverein wenden. Vorgesehen ist ein Ausgabepreis von zehn Euro.

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