Bringt die Berkel Hochwasser? Digitales Messsystem gibt jetzt Antwort

rnBerkelpegel-Messsystem

Moderne Technik zeigt jetzt auf, wo sich in der Berkel eine Hochwasserwelle aufbaut und mit welchem Tempo sie Richtung Stadtlohn und Vreden fließt. Das digitale Messsystem ist im Testlauf.

Stadtlohn, Vreden

, 23.10.2020, 15:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Unter dem Eindruck des Berkelhochwassers im Jahr 2016 stand für die Verantwortlichen in Stadtlohn fest: Man will künftig besser vorbereitet sein. Wissen, wo in der Berkel gerade die Hochwasserwelle ist. „Und wie schnell sie ist“, ergänzte Gerd Große Frericks am Mittwoch beim Pressegespräch. Jetzt ist ein Riesenschritt zur besseren Information getan: Das Berkelpegel-Messsystem befindet sich im Testlauf.

Sind froh, dass das von der Stadt Stadtlohn initiierte Berkelpegel-Messystem jetzt an den Start gehen kann (v. l. )  Ewald Rathmer, Bürgermeister Helmut Könning und Gerd Große Frericks.

Sind froh, dass das von der Stadt Stadtlohn initiierte Berkelpegel-Messystem jetzt an den Start gehen kann (v. l. ) Ewald Rathmer, Bürgermeister Helmut Könning und Gerd Große Frericks. © Claudia Moensters/Stadt Stadtlohn

Gerd Große Frericks und sein Kollege Ewald Rathmer von der Stadt Stadtlohn haben an der Umsetzung der neuen Technik gearbeitet und stellten das System nun zusammen mit Bürgermeister Helmut Könning vor. Im Jahr 2018 hatte der Rat seine Zustimmung erteilt und Geld freigegeben für Machbarkeitsstudie, Technik und Umsetzung.

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Wer nun mit offenen Augen in Coesfeld, Gescher, Stadtlohn und Vreden an der Berkel unterwegs war, wird den einen oder anderen Pegelmesser vielleicht schon entdeckt haben. Die hochmoderne Technik ist mit Metallkästen verkleidet. Wetterfest – und auch gegen Vandalismus gesichert, wie Ewald Rathmer betonte.

Das Gerät misst per Radartechnik den Abstand zum Wasser der Berkel.

So sieht ein Pegelmessgerät ohne zerstörungssichere Verkleidung aus. Per Radar wird der Abstand zum Wasser festgestellt in zeitlichen Intervallen, die die Stadt Stadtlohn einstellen kann.

So sieht ein Pegelmessgerät ohne zerstörungssichere Verkleidung aus. Per Radar wird der Abstand zum Wasser festgestellt in zeitlichen Intervallen, die die Stadt Stadtlohn einstellen kann. © Stadt Stadtlohn

Der gemessene Pegelstand wird dann per drahtloser Internetverbindung an einen Server weitergegeben. Das Gerät verbrauche so wenig Energie wie möglich, betonte Ewald Rathmer.

Digitale Messstellen an acht Brücken von Coesfeld bis Vreden

An acht Brücken sind von Coesfeld bis Vreden die digitalen Messgeräte angebracht worden. In Stadtlohn sollen die seit 2013 bereits vorhandenen vier digitalen Pegelmesser noch mit in die Datensammlung aufgenommen werden, blickte Gerd Große Frericks voraus. Und auch die vier bestehenden Messstellen des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW.

Ein Standort in Stadtlohn ist die Brücke bei Harrier. Hier hat das Messgerät einen provisorischen Standort an einem Galgen - die Brücke wird wieder aufgebaut, dann wird das Gerät ans Geländer montiert.

Ein Standort in Stadtlohn ist die Brücke bei Harrier. Hier hat das Messgerät einen provisorischen Standort an einem Galgen - die Brücke wird wieder aufgebaut, dann wird das Gerät ans Geländer montiert. © Stadt Stadtlohn

Die Daten, die auf einen von der Stadt Stadtlohn angemieteten Server auflaufen, werden nutzerfreundlich aufbereitet. Es wird genau aufgezeigt, wie hoch der Pegel an den jeweiligen Messstellen ist. Zum Beispiel in Tungerloh-Capellen, wo am Hof Schulze Scholle der Felsbach in die Berkel mündet – ein neuralgischer Punkt bei Starkregenereignissen, wie Gerd Große Frericks betont.

Digitales Messsystem soll Antworten geben

Wenn es stark oder lange regnet, kann das System von den Verantwortlichen der Stadt Stadtlohn justiert werden: Normal wird alle zwölf Stunden gemessen. „Wir können aber auch alle zwei Stunden oder sogar jede Viertelstunde messen lassen“, so Große Frericks. Da ist Stadtlohn die Schaltzentrale für alle Anrainer.

Auf diesem Bildschirmfoto ist zu sehen, was schon bald jeder Interessierte per Internet abrufen kann. Dieses digitale Dashboard zeigt die Pegelmessstellen an, per Mausklick erfährt der Interessierte dann einzelne Höhen und weitere Angaben.

Auf diesem Bildschirmfoto ist zu sehen, was schon bald jeder Interessierte per Internet abrufen kann. Dieses digitale Dashboard zeigt die Pegelmessstellen an, per Mausklick erfährt der Interessierte dann einzelne Höhen und weitere Angaben. © Screenshot

Die gesammelten Daten werden nach ihrer Übertragung schnell auf einem Dashboard (digitale Informationstafel) im Internet angezeigt. Und dieses Dashboard soll jedem Interessierten zugänglich sein.

„Es war uns ganz wichtig, die Daten transparent zu machen“, betonte Ewald Rathmer. Gerd Große Frericks nennt ein Beispiel: Anhand der Entwicklung, die das Dashboard auf Wunsch auch grafisch anzeige, könne ein Anwohner des Erlenwegs abschätzen, „wann bei ihm die Berkel bis zur Gartenhütte reicht“.

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Mit dem Testlauf sind die beiden schon sehr zufrieden. Nächste Woche soll das Online-Angebot für die Öffentlichkeit scharf geschaltet werden.

„Wir sind froh, dass wir die Daten haben und nicht mehr im Blindflug agieren müssen“, betonte Gerd Große Frericks mit dem Blick auf die vergangenen Hochwasserereignisse.

Die Stadt Stadtlohn hatte die Federführung des Projekts übernommen, das insgesamt Kosten von 100.000 Euro für die Berkelanrainer-Kommunen verursacht.

Zuschuss vom Land NRW soll fließen

Einen 80-prozentigen Zuschuss will aber das Land zahlen. „Das Hochwasser macht ja an Ortsgrenzen nicht halt“, argumentierte Gerd Große Frericks für die interkommunale Zusammenarbeit. Und auch vor der Landesgrenze nicht: Von den niederländischen Berkel-Kommunen sei schon Interesse signalisiert worden.

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