Chefärzte-Karussell rotiert

Krankenhaus Maria-Hilf

Das Chefärzte-Karussell am Stadtlohner Krankenhaus Maria-Hilf hat sich in den vergangenen zwölf Monaten schnell gedreht. Fünf Chefärzte wurden neu eingestellt. Drei Chefärzte haben das Haus verlassen. Zwei von ihnen sind abgesprungen, einen hat die Fliehkraft bereits während der Probezeit hinausgetragen.

STADTLOHN

, 15.02.2017, 18:15 Uhr / Lesedauer: 3 min
Im Krankenhaus Maria-Hilf dreht sich das Chefarztkarussell weiter

Im Krankenhaus Maria-Hilf dreht sich das Chefarztkarussell weiter

Zuletzt hat Dr. Peter Kappius das Krankenhaus Maria-Hilf in der vergangenen Woche verlassen. Der Chefarzt der Kardiologe und ärztliche Leiter im Medizinischen Versorgungszentrum war seit sechs Jahren am Stadtlohner Krankenhaus tätig. "Die Trennung erfolgte im Guten", erklärte Krankenhausgeschäftsführer Michael Saffé auf Anfrage. "Dr. Kappius wird weiter mit uns zusammenarbeiten. Über die Form der Kooperation machen wir uns gerade noch Gedanken", so Michael Saffé.

Bereits im Herbst 2016 hat Dr. Thomas Lübbers (54), seit 2010 Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie, Stadtlohn den Rücken gekehrt, um eine Chefarztstelle am Klinikum in Leer anzutreten. "Dr. Lübbers hat noch mal eine neue berufliche Herausforderung gesucht", so der Krankenhausgeschäftsführer. Auch hier sei die Trennung im Einvernehmen erfolgt. "Wir stehen weiter in Kontakt", so Michael Saffé. Das dürfte im Fall des Onkologen Dr. Nicolaos Chatzimanolis anders sein. Der 41-Jährige hatte erst im vergangenen August seine Chefarztstelle in Stadtlohn angetreten. Bereits zum Ende der Probezeit im Dezember wurde ihm gekündigt. Saffé: "An fachlicher Kompetenz hat es nicht gemangelt. Über Führungsaufgaben gab es aber unterschiedliche Ansichten."

Neueinstellungen

Neben dem gekündigten Chatzimanolis wurden 2016 Dr. Alessandro Cuneo als Chefarzt der Kardiologie und Dr. Stefan Lakemeier, Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie, neu eingestellt (wir berichteten) - und sind geblieben. "Beide sind hier gut angekommen", betont Saffé.

Zum Jahresbeginn haben zwei neue Chefärzte ihren Dienst in Stadtlohn angetreten: der Onkologe Dr. Bernhard Jung und der Unfallchirurg Magdy Ramzy.

Individuelle Gründe

Dr. Hildegard Bleker, seit 2002 Leitende Oberärztin in Stadtlohn, wird nun Leitende Ärztin im medizinischen Versorgungszentrum (MVZ), das bislang von Dr. Kappius geleitet wurde. Krankenhaus-Geschäftsführer Michael Saffé räumt ein, dass es "viel Bewegung" gegeben hat. Gibt es dafür strukturelle Gründe? Kostendruck? Arbeitsbelastung? Arbeitsklima? Saffé schüttelt den Kopf. In jedem Fall seien die Wechselgründe trotz der Häufung sehr individuell gewesen. Hinzu komme ein Trend, der auch andere Krankenhäuser treffe: "Früher war eine Chefarztstelle häufig eine Lebensposition. Heute sind die Chefärzte wechselfreudiger und suchen häufiger neue Herausforderungen."

Das Stadtlohner Krankenhaus Maria-Hilf zählt heute insgesamt neun Chefärzte, vier in der Chirurgie, drei in der Inneren, einen in der Anästhesie und einen in der Radiologie.

Mehr Betten

7600 Patienten wurden 2016 im Krankenhaus Maria-Hilf behandelt. Die Innere (Kardiologie, Onkologie und Allgemeinmedizin) zählte 4100 Patienten, die Chirurgie 2500. Der Rest entfiel vor allem auf die Gynäkologie. 140 Betten zählt das Krankenhaus Maria-Hilf. Eine Erhöhung der Bettenzahl soll in naher Zukunft erfolgen, sagt Michael Saffé, der seit zehn Jahren Geschäftsführer des Krankenhauses ist.

55 Ärzte arbeiten im Stadtlohner Krankenhaus und im Medizinischen Versorgungszentrum. Insgesamt ist die Krankenhausstiftung mit 850 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber der Stadt. 32 Millionen Euro beträgt der Gesamtjahresumsatz. Der Umsatz hat sich in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt, ebenso wie die Mitarbeiterzahl.

Breite Grundversorgung

Platz 2 belegt das Stadtlohner Krankenhaus nach Saffés Angaben in Sachen Leistungsentwicklung im Vergleich zu allen Krankenhäusern in Westfalen-Lippe. Spezialisierung und breite Grundversorgung, so der Geschäftsführer, seien der Schlüssel zum Erfolg.

70 000 Menschen wohnen im Einzugsgebiet des Krankenhauses, das, so Saffé, neben Stadtlohn auch Südlohn, Gescher und Vreden umfasst. Langfristig sieht Michael Saffé gute Entwicklungschance für das Stadtlohner Krankenhaus, allein schon wegen der demografischen Entwicklung. „Unser Schiff ist nicht so groß, das lässt sich bei neuen Herausforderungen leichter umlenken.“

Neue Ärzte

Dr. Bernd Jung (54), geboren in Ramelsbach (Westpfalz), studierte Medizin in Mainz und arbeitete 27 Jahre als Arzt an der Dr.-Horst-Schmidt-Klinik Wiesbaden, zuletzt als Leitender Oberarzt der Inneren. Schwerpunkte: Chemotherapie, FACS-Labor, Mikroskopische Diagnostik, Ultraschalldiagnostik.

Magdy Ramzy (55), geboren in Alexandria/Ägypten, war nach dem Studium an der Universität Alexandria an verschiedenen Krankenhäusern unter anderem in Düsseldorf, Dortmund, Hamm, Coesfeld und Dorsten. Seine Schwerpunkte: Unfallchirurgie und Sporttraumatologie, Chirotherapie.

Dr. Hildegard Bleker (54), geboren in Borken, studierte Medizin in Bochum und Essen. 1997 Anerkennung als Fachärztin für Innere Medizin und 1998 Anerkennung des Schwerpunktes Kardiologie; arbeitete in Krankenhäusern in Essen und Haltern, bevor sie 2002 als Leitende Oberärztin nach Stadtlohn wechselte.

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