Citymanager gegen Leerstand

Grundsatzbeschluss

Stadtlohn soll einen "Citymanager" bekommen. Er soll künftig Leerstände in der Innenstadt verhindern helfen. Diesen Grundsatzbeschluss hat am Mittwochabend der Haupt- und Finanzausschuss einstimmig gefasst. Der Stadtmarketingverein SMS hatte die Einrichtung einer solchen Stelle beantragt. Hier sind Fragen und Antworten zum Thema.

STADTLOHN

, 11.05.2017, 18:04 Uhr / Lesedauer: 2 min
Leerstände in der Innenstadt vermeiden und beseitigen, das sollen Aufgaben des Citymanagers sein.

Leerstände in der Innenstadt vermeiden und beseitigen, das sollen Aufgaben des Citymanagers sein.

Warum will der Stadtmarketingverein SMS einen Citymanager?

"Das Thema beschäftigt uns schon seit längerer Zeit", sagte SMS-Geschäftsführer Martin Auras im Ausschuss. Die Innenstadt habe mit der gestalterischen Erneuerung einen großen Schritt nach vorne getan. Dennoch bedrohten der Strukturwandel und der Onlinehandel die Innenstadt. Stadtlohn stehe immer stärker im Standortwettbewerb mit den Nachbarstädten. Mit einem Citymanager könne die Stadt aktiv etwas gegen Leerstände unternehmen. "Wir wollen jemanden haben, der sich ausschließlich darum kümmern kann", erklärte Michael Weise vom Stadtmarketingverein am Mittwoch im Ausschuss.

Sind Leerstände ein großes Problem in Stadtlohn?

Noch nicht, aber sie könnten es werden. "Stadtlohn hat das Glück, dass es hier noch mehr inhabergeführte Geschäfte gibt", so Michael Weise. "Die Innenstadt ist ein Juwel geworden." Aber man dürfe die Augen nicht vor problematischen Leerständen - zum Beispiel an der Dufkampstraße - verschließen. Michael Weise beziffert die Stadtlohner Leerstände auf rund 2000 Quadratmeter Ladenfläche. "Darüber hinaus gibt es noch versteckte Leerstände in den Seitenstraßen." Martin Auras beschrieb die Gefahr einer Abwärtsspirale: "Leerstände führen zu stadtinternen Abwertungsprozessen, an deren Ende eine Verödung der Innenstadt und dauerhafte Leerstände drohen könnten.

Warum gibt es die Leerstände eigentlich?

Der Markt funktioniere nachfragebedingt nicht mehr so selbstverständlich wie früher, so Martin Auras. Immobilienbesitzer müssten aktiver auf die Suche gehen. Vertreter des Stadtmarketings haben in Gesprächen mit Immobilienbesitzern verschiedene Gründe für eine Nichtvermietung ausgemacht: Sanierungsstau, fehlende ökonomische Notwendigkeit oder eine unsystematische Suche nach Mietern. Weise: "Die meisten Ladenbesitzer sind sich der negativen Ausstrahlungswirkung ihres leerstehenden Objekts auf die Stadt gar nicht bewusst."

Was könnte ein Citymanager dagegen unternehmen?

Nach der Vorstellung des SMS soll der Citymanager "Motor und Kümmerer" einer systematischen Entwicklung der Innenstadt sein. Er soll Eigentümer und Interessenten beraten, ein Kataster aller Geschäfte und Leerstände erstellen, Potenzialflächen untersuchen, Datenbanken aufbauen, gezielt Sortimentsanbieter ansprechen, alternative Nutzungskonzepte entwickeln und in enger Zusammenarbeit mit der Wirtschaftsförderung und dem Stadtmarketing ein Netzwerk mit regelmäßigen Gesprächsrunden ins Leben rufen. Weise: "Es gibt keine Garantie, dass so Leerstände verhindert werden können. Ich bin aber davon überzeugt, es klappt."

Was muss ein Citymanager können?

"Er muss schon etwas von einer eierlegenden Wollmilchsau haben", umschrieb Weise die notwendige breite Qualifikation. Er soll im Marketing oder in der Wirtschaftsförderung zu Hause sein, Verhandlungsgeschick und Kenntnisse im Quartiersmanagement haben und unternehmerisch denken. Weise: "Er muss die Leute auch umarmen und mitnehmen können."

Was kostet das?

Genaue Berechnungen gibt es noch nicht. Details will die Stadtverwaltung vor der endgültigen Entscheidung noch ermitteln. Eine Hausnummer aber nannte Bürgermeister Helmut Könning schon: 80.000 Euro im Jahr. Das Projekt soll nach einhelliger Meinung im Ausschuss mindestens fünf Jahre laufen - macht rund 400.000 Euro.

Gibt es eine Förderung?

Theoretisch schon. Eine Förderung über das Integrierte Handlungskonzept Innenstadt ist allerdings nur dann denkbar, wenn das Citymanagement an ein Fachbüro vergeben wird. Diesen Weg halten Verwaltung und Politiker für nicht so erfolgversprechend. Auch weil ein Antrag frühestens 2018 gestellt werden könnte.

Was sagen die Politiker?

Helmut Stowermann (CDU):"Wir können uns die Einrichtung der Stelle gut vorstellen. Zuvor sollten aber die Kosten genau ermittelt werden."

Karl Herbstmann (UWG): "An der Einrichtung der Stelle führt kein Weg vorbei. Wir diskutieren seit Jahren, jetzt muss der Hebel umgelegt werden. Aber auch die Einzelhändler stehen in der Verantwortung."

Reinhold Dapper (SPD): "Wir begrüßen die Stelle und sind für den Grundsatzbeschluss. Vor der endgültigen Entscheidung wollen wir aber die Kosten kennen."

Andrea Wiggering-Cirkel (FDP): "Wir sind nicht abgeneigt. Wir sähen die Stelle aber lieber im Rathaus angesiedelt als beim SMS Stadtmarketing."

Richard Henrichs (Grüne): "Das ist eine interessante Stelle - und ein Riesengewinn für unsere Stadt, wenn es funktionieren würde."

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