Computer im Kindergarten weckt Neugierde und erhöht Bildungschancen

rnLensing Media Hilfswerk

Digitales Lernen ist ein großes Thema. Es sollte schon im Kindergarten beginnen, sagt Marion Röttgers, die Leiterin des Familienzentrums St. Otger. Das Lensing Media Hilfswerk unterstützt das.

Stadtlohn

, 25.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Johannes, Emily, Linna und Janna sind nicht mehr zu bremsen. Gerade erst haben die Fünfjährigen mit dem Digital-Mikroskop ihre Kleidung unter die Lupe genommen und über die Faserstruktur gestaunt, die auf dem Tablet-Bildschirm sichtbar wurde. Jetzt wird mikroskopiert was das Zeug hält: die Tapete, die Turnmatte und der kleine Kratzer an Johannes‘ Hand. Der Forscherdrang kennt keine Grenzen.

Kita-Leiterin Marion Röttgers entdeckt mit Johannes, Emily, Linna und Janna mit dem Tablet und einem digitalen Mikroskop den Mikrokosmos.

Kita-Leiterin Marion Röttgers entdeckt mit Johannes, Emily, Linna und Janna mit dem Tablet und einem digitalen Mikroskop den Mikrokosmos. © Stefan Grothues

Der Tablet-Computer mit Digital-Mikroskop gehören erst seit einigen Tagen zur Kindergartenausstattung im Familienzentrum St. Otger an der Dr.-Decking-Straße. Dass es bei den Kindern gut ankommt, überrascht Kita-Leiterin Marion Röttgers nicht. Sie hat sich intensiv in Fortbildungen mit dem Thema digitales Lernen im Kindergarten auseinandergesetzt.

„Kita kommt um den Computer nicht drum herum“

Sollen denn Computer tatsächlich Einzug in den Kindergarten halten? „Ja“, sagt Marion Röttgers. „Computer gehören heute zum Leben dazu, die Kinder kommen spätestens in der Schule nicht drum herum. Darum sollten wir uns auch im Kindergarten nicht davor verschließen. Denn die digitale Technik hilft uns, die Welt zu entdecken.“ Und der Kindergarten habe schließlich einen Bildungsauftrag. Und er trage die Verantwortung, Chancengleichheit in der Bildung zu schaffen.

Chancengleichheit? Marion Röttgers erklärt: „Es gibt Kinder, die lernen schon zuhause, wie Computer helfen können, Wissen zu erlangen. Es gibt aber auch Kinder, die daddeln höchstens mal an einem Handy. Wir wollen hier allen Kindern zeigen, dass digitale Medien nicht nur der Unterhaltung dienen. Wir wollen den Kindern bei der Frage helfen: Wie kommen ich an das Wissen ran? Wir wollen, dass alle Kinder in der Schule mit möglichst gleichen Voraussetzungen starten.“

Tablet nur für Schlaufüchse

Und das nicht nur digital. Der Kindergarten hat eine kleine Bibliothek eingerichtet, in der die Kinder mit Unterstützung der Erzieherinnen in gedruckten Büchern oder auch in der Tageszeitung die Welt entdecken können. Außerdem gibt es eine Forscherwerkstatt, die nur den „Schlaufüchsen“ vorbehalten ist. Schlaufüchse, so heißen im St.-Otger-Kindergarten die älteren Kindergartenkinder, die sich schon auf einen Wechsel in die Schule vorbereiten.

Auch der Zugang zum neuen Tablet-Computer ist auf die Schlaufüchse beschränkt. Linna hat die Vorlage für Ausmalbild ausgedruckt und ein Auto knallrot angemalt. Marion Röttgers hilft ihr nun, das gemalte Bild einzuscannen. Dann kann das handgemalte knallrote Auto durch virtuelle Welten fahren. „So können wir auch Kinder zum Malen mit Stiften motivieren, die sonst weniger Lust dazu haben“, sagt Marion Röttgers.

Kinder dürfen nicht in virtuellen Welten versinken

Das ist der Kita-Leiterin wichtig: Dass die Kinder nicht in virtuellen Welten versinken. Die Zeit am Tablet ist streng limitiert. „Das Tablet ist, auch wenn es Spaß macht, eine Arbeitsmittel, das den Blick nach außen öffnen soll, das Neugierde wecken soll: für die Umwelt und für andere Menschen“, sagt Marion Röttgers.

Darum ist sie froh, dass gleichzeitig mit dem Tablet auch ein Beamer angeschafft werden konnte, damit die Kinder auch andere Kinder an ihren Forschungsergebnissen teilhaben lassen können. „So lernen die Kinder ganz nebenbei auch das Präsentieren“, sagt Marion Röttgers.

2000 Euro vom Lensing Media Hilfswerk

Das Lensing Media Hilfswerk hat die Anschaffungen des St.-Otger-Kindergartens mit einem „Bildungsscheck 2020“ über 2000 Euro unterstützt. Insgesamt fördert das Hilfswerk lokale Bildungsprojekte in diesem Jahr mit 5000 Euro.

Johannes, Emily, Linna und Janna haben inzwischen die Forscherwerkstatt wieder verlassen. Sie sind nun analog unterwegs: in der Bauwerkstatt, im Sandkasten oder im Rollenspielbereich. Das freut Marion Röttgers. Denn das ist noch wichtiger als die digitale Bildung. „Die Kinder sollen das vielseitige Leben der Erwachsenen nachspielen und sich geistig und sozial weiterentwickeln.“

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