Wenn Friseure wieder öffnen: Einiges ändert sich, manchmal auch der Preis

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Die Friseure öffnen am 4. Mai wieder. Schon jetzt ist der Ansturm auf Termine riesig. Während der Corona-Zwangspause haben Kunden viel versucht, um trotzdem an einen Haarschnitt zu kommen.

Stadtlohn, Südlohn

, 22.04.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Leben ist in Corona-Zeiten aus der Fasson geraten. Und der Haarschnitt auch. Sehnlich erwarten viele deshalb, dass am 4. Mai die Friseure endlich wieder öffnen dürfen. Vieles wird dann anders sein, manchmal auch die Preise. Doch für einen guten Haarschnitt geben manche Menschen alles. Das hat die Corona-Zwangspause mit durchaus skurrilen Angeboten gezeigt. Wir haben uns bei Hairfashion Wensing in Stadtlohn und Haarfein Kerstin Kühn in Südlohn umgehört.

Bei Hairfashion Wensing in der Brookstraße in Stadtlohn steht Linda Wensing in diesen Tagen bereits im Salon. Sie putzt, desinfiziert bis in jeden Winkel. „Hier könnte man jetzt operieren“, sagt sie lachend. Viele Gedanken haben sie und ihr Mann Guido Wensing sich gemacht, wie es am besten weitergehen wird. Noch stehen nicht alle Bedingungen fest. Aber alles soll bereit sein, wenn sie ab 4. Mai wieder öffnen.

Als die Nachricht kam, stand das Telefon nicht still. „Wir hatten schon nach zwei Stunden eine Anrufliste auf drei Din A4-Seiten“, sagt sie. Jetzt haben sie einen Anrufdienst eingerichtet. Vom 27. bis 30. April wird das Team Terminwünsche ganztägig von 8.30 bis 18 Uhr telefonisch entgegennehmen.

Zwei Teams arbeiten und das auch noch spät am Abend

Die Ladentüren bleiben dann noch zu. „Da werden sicher welche vor der Tür stehen“, so Linda Wensing. Und jeder, so die bisherige Erfahrung, wolle möglichst gleich am 4. oder 5. Mai einen Termin. Guido Wensing, stellvertretender Obermeister der Friseur-Innung Ahaus, hofft da auf das Verständnis seiner Kunden.

Am Donnerstag werden sie im Team die Organisation besprechen. „Wir werden in zwei Teams arbeiten“, sagt Linda Wensing. Möglich wäre eine Schicht von 7 bis 14 Uhr, eine zweite von 15 bis 22 Uhr. 40 Kunden bedient das achtköpfige Team normalerweise am Tag. So soll es möglichst auch nach dem 4. Mai wieder sein.

Die Hälfte der Stühle hat das Ehepaar bereits herausgenommen, damit der Abstand eingehalten werden kann. Für alle Mitarbeiter gibt es Mundschutz. Die Kunden müssen ihn mitbringen. „Wir können nicht genug Masken bekommen, um sie auch an Kunden abgeben zu können“, so Linda Wensing und erzählt erbost, wie teuer die Masken sind, die ihnen angeboten werden.

Wimpernfärben und Augenbrauenzupfen geht nicht mehr

Desinfektionsmittel für Oberflächen und Hände, Handschuhe für die Mitarbeiterinnen – das alles hat das Ehepaar Wensing besorgt. Auch ein Spuckschutz am Empfangstresen wird noch angebracht.

Wie ihre Kollegen landauf, landab werden auch bei Hairfashion Wensing nicht mehr die Wimpern gefärbt oder die Augenbrauen gezupft. Auch Bartpflege ist in Friseurgeschäften erst einmal nicht erlaubt. „Näher an die Schleimhäute kann man ja gar nicht kommen“, so Linda Wensing.

Ohne Mundschutz geht nichts mehr in den Friseursalons, auch nicht bei Kerstin Kühn in Südlohn.

Ohne Mundschutz geht nichts mehr in den Friseursalons, auch nicht bei Kerstin Kühn in Südlohn. © Bernd Schlusemann

Das hält auch Kerstin Kühn (51) in ihrem Salon Haarfein in Südlohn so. Jedem Kunden werden hier auf jeden Fall die Haare gewaschen, auch das ist eine der Vorgaben für die Öffnung der Salons. Auch in ihrem Salon werden die insgesamt vier Friseurinnen in Schichten arbeiten. Einen der sechs Stühle haben sie herausgenommen.

Kerstin Kühn ist bereits zwei Wochen ausgebucht

Auch weil jeder Stuhl nach jedem Kunden wieder desinfiziert wird, rechnet Kerstin Kühn damit, dass sie für jeden Kunden mehr Zeit einplanen muss. Deshalb wird sie künftig auch am Montagvormittag öffnen. Für die ersten zwei Wochen ist sie bereits ausgebucht. Auch Kerstin Kühn erzählt von dem großen Ansturm.

Die Zwangspause hat sie finanziell einigermaßen überstanden. Für ihr Team hat sie Kurzarbeit angemeldet. Sie selbst hat die Soforthilfe in Anspruch genommen. Das klappte schnell und problemlos. „Das war eine große Hilfe“, sagt sie. Wie andere Kollegen hat sie zudem Stylingprodukte oder Haarfarbe nach Hause geliefert.

Mehr Zeit für einen Kunden, Mehrkosten wegen der Schutzmaßnahmen – für Kerstin Kühn bedeutet das, dass sie die Preise leicht erhöhen wird. „Im Sommer wird es auch zu einer Tariferhöhung kommen“, nennt sie einen weiteren Grund für die Anpassung.

Keine Preiserhöhung bei Wensing, teurer kann es aber werden

Bei Hairfashion Wensing denken die Inhaber nicht über eine Preiserhöhung nach. „Viele sind von der Krise betroffen, haben Kurzarbeit, die wollen wir nicht auch noch bestrafen“, sagt Linda Wensing. Teurer wird der Friseurtermin manchmal trotzdem. Nach langer Pause wird bei manchen Kunden ein Neuschnitt berechnet. Und für das Haarefärben wird beim inzwischen großen Haarsatz mehr Material fällig.

Viele Menschen wollten nicht warten, bis die Salons wieder öffnen. Auch bei Wensing in Stadtlohn fragten viele nach, ob sie nicht nach Hause kommen könnten. „Ein Herr stand sogar bei uns zu Hause vor der Tür, ich solle zu ihm nach Hause kommen, seine Frau würde wild aussehen“, erzählt Linda Wensing und lacht. Einer ihrer Mitarbeiterinnen wurden sogar 50 Euro für einen Herrenschnitt angeboten. Und manche Kunden bestehen vehement darauf, jetzt als erste bedient zu werden.

Neuer Haarschnitt auch für Linda Wensing

„Das Einkaufen wurde zum Spießrutenlauf“, erzählt Linda Wensing, „ich wurde regelrecht umzingelt.“ Sie hat auch schon mitbekommen, dass manche jetzt Termine bei mehreren Friseuren machen und schauen, wo sie zuerst drankommen. „Da muss man ein dickes Fell haben,“ sagt sie Stadtlohnerin. Neukunden würden sie deshalb erst einmal nicht annehmen.

Auch für die 52-Jährige wird der 4. Mai ein persönlicher Neustart. Dann wird auch sie wieder einen frischen Kurzhaarschnitt und frische Farbe haben. Linda Wensing weiß, wie ihre Kundinnen sich fühlen: „Ich habe mir in dieser Zeit aus Solidarität nicht die Haare gemacht.“

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