Dealer aus Stadtlohn zu drei Jahren Haftstrafe verurteilt

rnDrogenprozess

Eine Fahrradkontrolle wurde einem Dealer aus Stadlohn zum Verhängnis. Jetzt wurde er zu drei Jahren Haft verurteilt. Der 30-Jährige sieht schon die U-Haft als Wendepunkt für sein Leben.

Stadtlohn

, 16.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Im grauen Pullunder und mit kariertem Hemd sah der 30-Jährige mit dem Fünf-Tage-Bart eigentlich aus wie ein braver Angestellter. Doch der Mann aus Stadtlohn wurde am Dienstag von zwei Justizvollzugsbeamten in Handschellen vor das Schöffengericht in Ahaus geführt. Schließlich lautete der schwere Vorwurf der Anklage: bewaffneter und gewerbsmäßiger Handel mit Drogen in nicht geringer Menge.

Amphetamin in der Unterhose entdeckt

Die Geschichte dieses Verfahrens begann am 2. August 2018 mit einem Zufall. Damals geriet der 30-Jährige in Stadtlohn in eine Fahrradkontrolle. Die Beamten fanden Drogen bei dem Mann und 990 Euro Bargeld. Unter anderem hatte er 80 Gramm Amphetamin in seiner Unterhose versteckt – eine Menge, die über einen möglichen Eigenbedarf deutlich hinausgeht. Daraus machte der geständige 30-Jährige vor Gericht auch keinen Hehl. „Ich habe Drogen verkauft, um meine eigene Sucht zu finanzieren.“

Dealer aus Stadtlohn zu drei Jahren Haftstrafe verurteilt

Nach dem Zufallsfund bei dem 30-jährigen Stadtlohner hatte die Polizei in Stadtlohn und in Gronau größere Mengen Drogen und Verkaufszubehör sicher gestellt. © Kreispolizei Borken

Der Fahrradkontrolle folgten Hausdurchsuchungen in Stadtlohn und bei seinem Lieferanten in Gronau. Dabei wurden vor allem Amphetamine, Ecstasy und Haschisch entdeckt, aber auch Kokain und LSD. Den Marktwert schätze die Polizei insgesamt auf eine Summe im sechsstelligen Bereich. Ein 29-jähriger Gronauer, bei dem der größte Teil der Drogen gefunden wurden, muss sich in einem getrennten Verfahren vor Gericht verantworten.

Mit 13 Jahren der erste Joint

Die eigentliche Geschichte des angeklagten Stadtlohners begann schon viele Jahre vor der Fahrradkontrolle. Im Jahr 2001 vielleicht, als der Angeklagte mit 13 seinen ersten Joint rauchte. Spätestens aber, seit er mit 15 oder 16 Jahren begann, regelmäßig Amphetamine oder Ecstasy zu schlucken. Seine Handwerkslehre brach er schon nach kurzer Zeit ab. Er schlug sich mit wechselnden Aushilfstätigkeiten durch.

„Ich war ein starker Konsument“, sagt er am Dienstag vor Gericht und zählt auf: Täglich habe er zuletzt ein bis zwei Gramm Haschisch und bis zu fünf Gramm Amphetamine zu sich genommen. Dazu kamen auf den Partys am Wochenende noch drei bis vier Ecstasy-Tabletten. „Ich habe die Hälfte meines Lebens Drogen genommen“, so der Angeklagte. Und seit über zehn Jahren, so wurde es im Verfahren deutlich, hat er seine Drogensucht durchs Dealen finanziert. „Offenbar ein florierender Handel“, so der Richter nach Lektüre der sichergestellten Chats des Angeklagten mit seinen Lieferanten. „Ich habe noch kein Verfahren mit einer solchen Vielzahl an Stoffen gehabt.“

Verfahren gegen Mutter eingestellt

Verantworten musste sich der 30-jährige Stadtlohner vor Gericht aber nur wegen der 2018 gemachten Drogenfunde in der Wohnung seiner Mutter, wo er gemeldet war, und in der Wohnung seiner Freundin, wo er lebte. In der Wohnung seiner Mutter wurden nicht nur ein halbes Kilo Amphetamine im Gefrierfach und etliche andere Drogen gefunden, sondern auch sechs Cannabispflanzen, die auch seine Mutter gegossen haben soll, so hieß es in der Anklageschrift. Dafür musste sich die Mutter in einem anderen Verfahren vor Gericht verantworten. Das Verfahren wurde aber nach Angaben der Verteidigerin des 30-Jährigen eingestellt.

Würgeholz ist juristisch eine Waffe

In der Wohnung der Freundin des 30-Jährigen fand die Polizei kleinere Mengen Drogen, dafür aber ein Nunchaku, eine Würgeholz mit Kette, das der Filmstar Bruce Lee bekannt gemacht hatte. In Deutschland ist der Umgang mit Nunchaku verboten. Der 30-Jährige versicherte, er habe das Gerät nur zum Training an Sandsäcken gebraucht. Doch der Richter ließ keinen Zweifel: Weil das Nunchaku in der gleichen Wohnung wie die Drogen greifbar war, handele es sich eindeutig um einen bewaffneten Drogenhandel, wenn auch in einem minderschweren Fall.

Angeklagter will „ein ganz normales Leben“ führen

Nach dem Drogen- und Waffenfund sitzt der 30-Jährige bereits seit dem vergangenen Sommer in U-Haft. Fast erleichtert stellt er vor Gericht fest: „Das ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass ich mal eine für eine längere Zeit keine Drogen nehme.“ Doch er sagt auch: „Ich bin wachgerüttelt worden. Ich möchte nie wieder ins Gefängnis.“ Darum habe er auch mit der Suchtberatung bereits Kontakt aufgenommen. Der Richter fragte: „Was wollen Sie machen, wenn Sie wieder auf freien Fuß kommen?“ Die Antwort des Angeklagten kam ohne Zögern: „Eine Drogentherapie. Die Haft ist ein Wendepunkt. Ich will ein ganz normales Leben führen.“ Er führte aus, er wolle zu seinem Vater ziehen und eine Arbeit aufnehmen.

Freiheitsstrafe und U-Haftenlassung

Das geht aber nicht sofort. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft forderte ein Strafmaß von drei Jahren Haft ohne Aussetzung der U-Haft. Die Verteidigerin hielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten für angemessen – und eine Aussetzung des Haftbefehls bis zum Antritt der Strafe. Richter und Schöffen verhängten nach 45-minütiger interner Beratung eine dreijährige Freiheitsstrafe und die sofortige Aussetzung des Haftbefehls unter strengen Auflagen. Strafmildernd wertete das Gericht die umfängliche und glaubwürdige Aussage des 30-Jährigen. Außerdem hatte er noch nie wegen Rauschgifthandels vor Gericht gestanden. Lediglich zwei Geldstrafen wegen Drogenbesitzes waren in der Vergangenheit gegen ihn verhängt worden.

„Es wäre durchaus sinnvoll, wenn Sie jetzt noch nicht auf freien Fuß kämen“, meinte der Richter, weil der Angeklagte dann mehr Abstand von den Drogen und seinen bisherigen Kunden hätte. „Aber diese Überlegung ist kein Haftgrund.“ Den Gerichtssaal konnte der 30-Jährige ohne Handschellen verlassen. Bis das Urteil rechtskräftig ist, kann der Angeklagte nun bei seinem Vater in Stadtlohn leben.

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