Stadtlohner „Butenstadt“ wurde früher als Gartenland genutzt

Serie Straßennamen

Stadtarchivar Ulrich Söbbing stellt in loser Reihenfolge die wechselvolle Geschichte der Stadt Stadtlohn vor und wie die Straßen zu ihren Namen kamen. Heute: die Straße Butenstadt.

Stadtlohn

von Ulrich Söbbing

, 17.06.2021, 04:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Bereich Butenstadt wurde früher als Gartenland genutzt.

Der Bereich Butenstadt wurde früher als Gartenland genutzt. © Markus Gehring

Wie sich die Zeiten ändern: Während das Stadtgebiet Stadtlohns sich seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts bei einer wachsenden Einwohnerzahl fortwährend vergrößert, hatten die Bürger vor rund 400 Jahren mit einer gegenteiligen Entwicklung zu kämpfen.

Der Stadtbrand von 1611, die Überfälle spanischer und niederländischer Truppen und die Schlacht im Lohner Bruch von 1623 hatten die Stadt hart getroffen und die Bevölkerung drastisch zurückgehen lassen. Die Stadt, die Ende des 14. Jahrhunderts fast idealtypisch in ovaler Form befestigt worden war, lag vor allem im westlichen Bereich weitgehend brach.

Wigboldplan von 1629

Am 28. Februar 1629 beantragten die Bürgermeister, Schöffen und die ganze Gemeinde bei der fürstbischöflichen Regierung in Münster die Genehmigung zur Verkleinerung der Stadt. Sie legten dar, dass ihr „Stättlein in vorzeiten zu weit begriffen, aber der dritte Theil kaum bezimmert, also nit voll besetzt oder beschützet werden kann“.

Der Wigboldplan zeigt das Stadtgebiet im Jahre 1629.

Der Wigboldplan zeigt das Stadtgebiet im Jahre 1629. © privat

Sie wünschten, die Stadt nach dem Plan des Meisters Henrich Mellingh aus Vreden zu verkleinern und „von der Eschporten leinenrecht nach der Mühlenporten“ abzutrennen. Die außerhalb ansässigen Bürger sollten innerhalb der Stadt mit einem Grundstück entschädigt und ihnen beim Versetzen der Häuser geholfen werden.

Stadtlohn zur Zeit des Urkatasters von 1826

Noch im gleichen Jahr wurde der Plan mit personeller Unterstützung der benachbarten Kirchspiele umgesetzt. Die Abtrennung erfolgte jedoch nicht wie zunächst geplant schnurgerade, sondern vollführte einen leichten Bogen, so dass die Häuser der Hohen Straße in der Stadt verbleiben konnten. Den umgesiedelten Menschen wurden überwiegend Bauplätze an der Neustraße angewiesen.

Der abgetrennte Bereich erhielt im Volksmund die Bezeichnung „Butenstadt“ und wurde fortan als Gartenland genutzt, gehörte aber weiterhin zum städtischen Verwaltungsbezirk. Noch 1826 befand sich dort bei der Vermessung zur Anlage des Grundsteuerkatasters nur das Haus des Abdeckers, obwohl die Stadt inzwischen außerordentlich eng bebaut war.

Der Stadtplan aus dem Jahr 1826.

Der Stadtplan aus dem Jahr 1826. © privat

Nach der Beseitigung der Stadtgräfte und der Anlage der Grabenstraße Ende des 19. Jahrhunderts begann die Wiederbesiedlung des abgetrennten Stadtviertels. Im Zentrum stand dabei die 1901 errichtete, teilweise auch Butenstadtschule genannte Wallschule. Vor dem Zweiten Weltkrieg verzeichnete die 1911 als Straßenbezeichnung wieder eingeführte „Butenstadt“ 17 Hausnummern.

Nachteilig war zunächst die schlechte Anbindung an die Innenstadt. Schon mit dem Bau der Schule entstand eine kurze Verbindung zur Grabenstraße, die 1927 als Josefstraße bis zum Schanzring verlängert wurde. Erst im Zuge des Wiederaufbaus nach 1945 gelang dann mit der Alten Poststraße auch ein direkter Anschluss an den Marktplatz.

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