Der Fluglärm stört Nachbarn im Bockwinkel

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Alte Bäume, bunte Blumenbeete und sogar eine große Palme. Der Garten von Bernhard te Vrugt ist ein kleines Paradies. Doch der Rentner kann es nicht in Ruhe genießen. Ihn stört das ständige Gebrumme der Sportflieger.

03.10.2018, 11:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Schon wieder einer!“ Bernhard te Vrugt legt seine Kopf in den Nacken und schaut mit angespannter Miene in den Himmel. Es ist Montagmorgen, kurz nach elf. Brummend schraubt sich ein Sportflugzeug in die Höhe. „Das ist schon Nummer 12 heute“, sagt Bernhard te Vrugt. Und sonntags oder feiertags, so sagt er, sei es noch viel schlimmer. Über 300 Überflüge habe er von morgens 9 Uhr bis abends um 21 Uhr schon gezählt. „Es ist furchtbar. Die Sonntagsruhe ist dahin. Wir können bei schönem Wetter auf der Terrasse weder in Ruhe frühstücken noch den Nachmittagskaffee genießen.“

Seine Nachbarn Hubert Kleingries und Heinrich Hintemann sehen das genauso. Die drei Männer sagen, sie sprechen für ein Dutzend weiterer Familien der Nachbarschaft Bockwinkel-Hünenburg. „Da muss sich was ändern“, sagen sie.

Rund 2700 Meter Luftlinie entfernt starten und landen die Sportflugzeuge auf dem Flugplatz Stadtlohn-Vreden. Das ist schon seit vielen Jahrzehnten so.

„Es wird immer schlimmer“

„Aber es wird immer schlimmer“, sagt Bernhard te Vrugt. In den letzen fünf oder sechs Jahren habe die Zahl der Starts und Landungen stetig zugenommen, so sein Eindruck. Und schlimmer noch, so sagen die Nachbarn vom Bockwinkel: „Die Piloten halten sich nicht an die vorgegebenen Flugkorridore.“

Norbert Hetkamp, der Geschäftsführer des Flugplatzes Stadtlohn-Vreden kennt die Beschwerde von Bernhard te Vrugt, teilt aber dessen Einschätzung so nicht. „Die Piloten fliegen mit GPS. Da ist es überhaupt kein Problem, die vorgesehenen Routen einzuhalten.“ Aber er schließt Fehlverhalten in Einzelfällen nicht aus: „In einigen Fällen gibt es auch berechtigte Beschwerden.

Lautes Oldtimerflugzeug

Neulich ist ein lauteres Oldtimerflugzeug unnötigerweise über das Stadtlohner Stadtgebiet geflogen. Der Beschwerdeanruf kam noch während der Flieger in der Luft war. So konnte ich den Piloten hinterher direkt ansprechen.“ Ziel sei es, jede unnötige Lärmbelästigung zu vermeiden. Norbert Hetkamp: „Wir versuchen ein gutes und vernünftiges Verhältnis mit den Nachbarn zu pflegen.“

Er würde sich freuen, die ganze Nachbarschaft Bockwinkel auf dem Flugplatz begrüßen zu können, um über die Problematik diskutieren zu können. Die Einladung habe er bereits mehrfach ausgesprochen. Auch habe er in diesem Jahr auf der Internetseite des Flugplatzes eigens eine neue Karte veröffentlicht, die die Piloten auf die Bereiche aufmerksam macht, die bei Starts- und Landungen nicht überflogen werden sollen. Rot schraffiert sind dort die westlichen Teile des Stadtgebietes mit Ausnahme des Gewerbegebietes, der Campingplatz, die Siedlung Wenningfeld – und der Bereich der Nachbarschaft Bockwinkel.

Gespräch mit Pilot gesucht

„Wir haben die Piloten gebeten, sich möglichst exakt an diese Vorgabe zu halten“, sagt Norbert Hetkamp. Doch auch wenn die Platzrunde korrekt geflogen wird, seien die Flugzeuge von der Terrasse Bernhard te Vrugts zu sehen und zu hören. „Das ist aber nicht neu, das ist schon seit Jahrzehnten so“, sagt der Flugplatzgeschäftsführer.

Beschweren sich eigentlich noch mehr Menschen aus Stadtlohn oder Vreden über Fluglärm? Von Sommer 2017 bis Sommer 2018 habe es insgesamt zehn Anrufe gegeben, sagt Norbert Hetkamp. „Es ist gut, wenn die Leute uns direkt ansprechen. Dann können wir die Piloten auch ermitteln und sie befragen oder gegebenenfalls auch um genaue Einhaltung der Routen bitten.“

Keine Sanktionsmöglichkeiten

Sanktionsmöglichkeiten aber hat der Flugplatz nicht. Offizielle luftrechtliche Beschwerden sind an die Bezirksregierung in Münster zu richten.

Dort liegen derzeit jedoch keine Beschwerden über Fluglärm in Bezug auf den Flugplatz Stadtlohn vor, erklärte am Dienstag Christiane Klein von der Pressestelle der Bezirksregierung. „Sollten Beschwerden diesbezüglich eingehen, werden sich Fachkräfte der Bezirksregierung vor Ort vom Sachverhalt ein Bild machen.“

Beispielsweise werde anhand des Hauptflugbuches geprüft, welcher Lärm möglich gewesen sei. Die Genehmigung des Flugplatzes und luftrechtliche Vorschriften dienten dabei als Grundlage. Auch ohne Beschwerden kontrolliert die Luftaufsicht der Bezirksregierung mehrmals jährlich den Ablauf auf den Flugplätzen im Zuständigkeitsbereich.

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