Der Kaplan klettert

St.-Otger-Gemeinde

Jonas Hagedorn freut sich auf die nächsten vier Jahre in St. Otger. Und er will die Firmlinge ganz wörtlich dem Himmel ein Stückchen näher bringen.

STADTLOHN

, 29.09.2017, 18:05 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Kaplan klettert

Jonas Hagedorn ist seit dieser Woche Kaplan in St. Otger.

Die Wohnung in der Kaplanei riecht nach frischer Farbe. Und im Arbeitszimmer stapeln sich die Umzugskartons. Erst vor einer Woche ist der neue Kaplan dort eingezogen Doch Jonas Hagedorn (30) steckt schon mittendrin im Gemeideleben: ein Taufgespräch, eine Trauung und eine Beerdigung und dazu noch der Predigtdienst liegen schon hinter ihm. Redakteur Stefan Grothues sprach mit dem 30-Jährigen über den Neuanfang in Stadtlohn.

Die erste Woche ist um. Sind Sie schon in St. Otger angekommen? Ja! Die Aufnahme war sehr freundlich. Und ich hatte ja auch schon eine Menge zu tun. Die Menschen sind hier sehr herzlich, die Begegnungen sind sehr offen.

Nur noch sehr wenige Männer entscheiden sich für den Priesterberuf. Gab es für Sie ein Schlüsselerlebnis? Ein besonderes Erlebnis gab es nicht. Bei mir zuhause wurde der katholische Glaube ganz selbstverständlich gelebt. Ein Vorbild aber hat mich besonders geprägt: der Krankenhauspfarrer Klemens Niermann. Er hat überzeugend gepredigt – und überzeugend gelebt. Ein Jahr vor dem Abi stand für mich fest, dass ich auch diesen Weg gehen möchte. Oder es zumindest versuchen will.

Wie haben Ihre Eltern und ihre Freunde reagiert? Meine Mutter war nicht überrascht. Ich war ja schon als Messdiener aktiv, im Pfarrgemeinderat, als Lektor und als Küster. Einige Freunde waren schon erstaunt. Aber sie fanden es auch gut.

Haben Sie auch andere Berufe im Blick gehabt? Bankkaufmann vielleicht. Als Schüler habe ich mal ein Praktikum bei Karl-Josef Laumann im Bundestag gemacht. Politiker, das wäre nicht mein Ding, aber Referent im Bundestag – das hätte ich mir auch vorstellen können.

Worauf freuen Sie sich hier in Stadtlohn am meisten? Die Arbeitsbereiche sind noch nicht festgelegt worden. Das soll im Oktober passieren. Besonders freue ich mich schon auf die Messdienerarbeit und die Firmvorbereitung. Ich würde gerne in die Schulen gehen – als Schulseelsorger und im Religionsunterricht. Dort treffe ich auch auf Kinder und Jugendliche, die der Kirche nicht mehr so nahe stehen. Das ist eine große Chance und eine große Herausforderung, weil man mit dem klassischen katholischen Vokabeln nicht weiterkommt. Da muss man neue Zugänge suchen. Das ist spannend, weil man auch sich selbst hinterfragen muss.

Die Kirche verändert sich massiv. Wohin geht die Reise? (überlegt) Da bin ich überfragt. Sicher ist, dass alles kleiner wird, die Volkskirchlichkeit bricht weg. Vieles was jetzt noch möglich ist, wird nicht mehr möglich sein. Das Engagement der Ehrenamtlichen wird noch stärker gefragt sein.

Ein Priester hat auch Freizeit. Was machen Sie dann? Ich lese gerne – zum Beispiel Krimis. Und ich gehe gerne Klettern. Als Hochseilgartentrainer will ich das auch für die Firmlinge in Stadtlohn anbieten…

Sie bringen die Jugend also dem Himmel näher… (lacht) So könnte man es bildlich sagen. Das ist aber mehr als ein Spaß. Beim Klettern lernt man zu vertrauen, Ängste zu überwinden, Halt zu finden – eine kleine Schule fürs Leben.

Jetzt haben Sie Gelegenheit, den Menschen etwas zu sagen, die nicht mehr in die Kirche gehen… Da greife ich auf meinen Primizspruch zurück: „Du zeigst mir den Weg zum Leben.“ Der Glaube und das Vertrauen auf Jesus Christus bereichert das Leben. Er verheißt ein Leben in Fülle, zeigt mir den Weg und begleitet mich. Es ist schön, darauf vertrauen zu können.

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