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Die Zahl der in Stadtlohn neu ankommenden Flüchtlinge ist stark gesunken. Die Aufgabe der Integration bleibt dennoch riesengroß.

10.10.2018 / Lesedauer: 3 min

Ankommen in der neuen Heimat – darum geht es zurzeit in einem Projekt der Losbergschule und des Jugendwerks Stadtlohn. Dabei haben Schulsozialarbeiterin Michelle Cannoletta und Sozialpädagogin Vera Eßeling besonders die Schüler aus nicht-europäischen Ländern im Blick.

Damit Ranya aus dem Irak, Ibrahim aus Eritrea und Habib aus Afghanistan ihr neues Lebensumfeld kennenlernen können, hatten die beiden Projektbegleiterinnen am Montagmorgen den Bulli des Jugendwerks gechartert und damit einige Ziele angesteuert. Nicht nur über Heimat reden, sondern diese auch erleben, hieß die Devise. Und weil Bilder mehr sagen als viele Worte, war der Fotoapparat dabei ein wichtiger Begleiter. Als erstes wollte Ranya in ihrem Zimmer fotografiert werden. Das bedeute jetzt Heimat für die Schülerin, erklärte Michelle Cannoletta.

Zeichen für Demokratie

Der Marktplatz war das nächste Ziel. Wichtig war den Losbergschülern, ein Foto vor dem Rathaus zu machen – als ein Zeichen für Demokratie, sagten sie. Dann ging es, chauffiert von Vera Eßeling, weiter zum Hallenbad. Schwimmen zu gehen sei für Ranya im Irak nicht selbstverständlich gewesen, sagt Michelle. Dass sie sich hier in Deutschland bei der Wahl ihrer Kleidung selbst entscheiden könne, schätze sie ganz besonders. Zum Abschluss genossen die Schüler noch kurz die Herbstsonne im Losbergpark, bevor es zurück ging in den Unterricht an der Losbergschule.

Das Projekt der Losbergschule reiht sich ein in ein ganzes Maßnahmenbündel ein, das Flüchtlingen die Integration erleichtern soll. „Wir haben ein super Netzwerk in Stadtlohn“, sagt Gaby Schneider. Die Sozialpädagogin ist bei der Stadt Stadtlohn zuständig für die Integration und Betreuung der Flüchtlinge.

Eng arbeitet sie dabei mit der ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe, dem Caritasverband, dem Sozialpsychiatrischen Dienst und dem JFB zusammen. Nähgruppen, Eltern-Kind-Gruppen, Mathematik-Nachhilfe und Unterstützung bei der Ausbildung gehören zu den Angeboten im „Café Wir“ an der Straße Am Bach. Im Mittelpunkt steht auch die Hilfe bei der Suche nach Wohnungen oder Arbeitsstellen.

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„Das Hauptproblem aber ist nach wie vor die deutsche Sprache“, sagt Gaby Schneider. „Manche lernen sie sehr schnell, andere können nach drei Jahren gerade einmal ,Guten Tag‘ sagen.“ Motivation und Sprachbegabung seinen wichtige Faktoren, mitunter aber steckten auch Traumata von Krieg und Flucht hinter den Lernproblemen. „Da werden wir in den nächsten Jahren noch einiges aufzuarbeiten haben. Integration ist ein Langzeitprojekt.“

Sie gelinge aber schneller und besser, wenn die Flüchtlinge persönlich betreut werden. „Dafür suchen wir noch weitere Freiwillige“, sagt Gaby Schneider. Interessenten können Näheres unter Tel. (02563) 4002141 erfahren.

„2015 hat uns er Flüchtlingszuzug in Atem gehalten, jetzt ist das fast Routine“, sagt Ludger Wilmer, Leiter des Fachbereichs Arbeit und Soziales im Stadtlohner Rathaus. Die Entspannung ist vor allem auf den drastischen Rückgang der Flüchtlingszuweisungen zurückführen. 2015 musste die Stadt 345 Menschen unterbringen. In diesem Jahr (bis September) hat die Stadt lediglich 29 Flüchtlinge aufnehmen müssen. Sie kamen aus den Herkunftskländern Georgien (8), Syrien (5) Irak (3) Afghanistan (2), Iran (2) und je einer aus Somalia, Nigeria, Guinea, Aserbaidschan und Marokko.

Rein rechnerisch könnten weitere 87 Flüchtlinge zugewiesen werden, weil Stadtlohn seine Aufnahmequote noch nicht ganz ausgefüllt habe, erklärte Ludger Wilmer in der jüngsten Sitzung des Sozialausschusses. Weil das aber in den umliegenden Kommunen auch so sei, „ist es unklar, wann, ob und wie viele Flüchtlinge in nächster Zeit tatsächlich zugewiesen werden.“ In den städtischen Asylunterkünften stehen noch 89 freie Plätze für den Fall der Fälle bereit.

Die Frage, wie viele Flüchtlinge heute in Stadtlohn leben, ist schwer zu beantworten, denn anerkannte Flüchtlinge, die ihr eigenes Auskommen haben, werden in keiner Statistik geführt. 96 Personen erhalten Zuwendungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. 255 anerkannte Flüchtlinge beziehen SGB II-Leistungen.

Ludger Wilmer begrüßte die Entwicklung, dass Stadtlohn künftig mehr Flüchtlinge mit Bleibeperspektive zugewiesen werden, weil die Verfahren in den Aufnahmelagern beschleunigt worden seien. Anerkannte Flüchtlinge könnten besser integriert werden.

Der Familiennachzug wird die Zahl der Flüchtlinge in Stadtlohn nach Ludger Wilmers Einschätzung nicht schlagartig erhöhen. Wilmer: „Das Verfahren ist langwierig und restriktiv.

Etwa 35 abgelehnte Asylbewerber leben in Stadtlohn. 2018 wurden bislang neun Flüchtlinge abgeschoben, sieben reisten freiwillig aus, vier sind untergetaucht. Fünf Verfahren wurden eingestelllt, weil die Betroffenen eine Arbeit aufgenommen haben und über ein ausreichendes Einkommen verfügen.
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