Die neue Masche

Strick-Festival

Stricken liegt im Trend. Mal wieder. Seit die Grünen einst im Bundestag provokant die Nadeln fliegen ließen, erfreut sich die Handarbeit einer Beliebtheit in Wellenbewegungen. Maria Weddewer aus Stadtlohn hat am Wochenende ein Strick-Festival in ihrem Laden veranstaltet.

Stadtlohn

von Susanne Menzel

, 21.08.2017, 18:12 Uhr / Lesedauer: 2 min

An die bewundernden Frauenblicke hat sich Jürgen Kleinschmidt schon gewöhnt. Dass sie nicht ausschließlich seiner Person gelten, sondern eher seinem Outfit, auch das ist dem 56-Jährigen klar. Der Oberhausener trägt gerne auffallende Designs – selbstgestrickt.

„Stricken ist trendy.“ Mal wieder. Seit die Grünen einst im Bundestag provokant die Nadeln fliegen ließen, erlebt die Handarbeit eine Beliebtheit in Wellenbewegungen. „Allerdings scheint es so, als ob wir die letzte Welle übersprungen hätten“, sagt Maria Weddewer, die am Samstag das „Strick-Festival“ in ihrem Ladengeschäft „Wolle & Design“ samt Vertretern und Designern einer Wollhersteller-Firma mit Workshops initiiert hat.

Neueste Kreationen wurden präsentiert

Decken, Pullover, Jacken – die neuesten Kollektionen waren da schon zu sehen. An den Tischen im Kaffeezelt Frauen an den Nadeln, fachsimpelnd im Gespräch vertieft. Im Geschäft zahlreiche Interessierte aus dem Ruhrgebiet, aus den Niederlanden, selbst aus dem Stuttgarter Raum.

„Zu solchen Gelegenheiten nehmen die Kunden selbst die weiteste Anreise auf sich. So auch Jürgen Kleinschmidt. „Ich lasse seit 37 Jahren die Nadeln fliegen“, rechnet er nach kurzem Überlegen vor. „Ich habe mich damals an der Uni stets darüber geärgert, dass die Mädels bei den Vorlesungen eifrig gestrickt haben, während die Herren der Schöpfung die Vorträge der Dozenten mitschrieben. Obwohl es die ja als Skript gab. Da habe ich mir eines Tages ebenfalls Strickzeug besorgt. Und seitdem hat mich das Virus erfasst.“

Dass er als Mann an den Nadeln kein alltägliches Bild abgibt, ist dem Strickfan bewusst. Von Beruf aus Softwareentwickler, findet er sein Hobby nicht nur als Ausgleich zur Computerarbeit entspannend und abwechslungsreich, er kann auch hier zwei Leidenschaften miteinander verbinden. Längst erstellt er seine Entwürfe jetzt am PC. Kleinschmidt: „Und je komplizierter das Muster ist, desto ruhiger werde ich beim täglichen Arbeiten.“

Aktuelle Strick-Trends: Individualität und Qualität

Individualität und hochwertige Qualität – das sei kennzeichnend für den aktuellen Stricktrend, sagt Maria Weddewer. „Früher wurde vor allem aus Kostengründen gestrickt. Um zu sparen. Und wenn der Pulli oder die Jacke ausgedient hatten, wurden sie wieder aufgeribbelt und das Garn konnte für ein neues Teil verwendet werden.“

Auch das Internet heizt den Strick-Boom an. Nicht nur, dass die Shops dort ihr Material an einen immer größer werdenden Kundenkreis (Maria Weddewer: „Wir haben rund 30 000.“) verkaufen können. Auch Anleitungen und reger Fachaustausch finden in den sozialen Netzwerken enormen Zuspruch.

Sie selbst stricke nach wie vor jeden Abend, versichert Maria Weddewer. „Meistens mit der Intention, es für mich zu verwenden. Aber dann hänge ich das fertige Produkt letztendlich doch als Anschauungsobjekt in den Laden.“ Ihre drei Söhne, lächelt sie auf Nachfrage, seien allerdings nicht in wolligen Stramplern und Höschen aufgewachsen: „Das schafft man bei drei Kindern gar nicht, da auch noch alles an Kleidung selbst herzustellen. Das einzige, was die Jungs zu schätzen wussten und immer noch wissen, sind die selbstgestrickten Socken von Oma.“

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