Digitaler Unterricht an Stadtlohner Schulen: Vorreiter oder Note 4 minus?

rnDigitalpakt Schule

Die Verwaltung sieht die Stadtlohner Schulen im Bereich der Digitalisierung vergleichsweise sehr gut aufgestellt. Aus der FDP gab es nun aber scharfe Kritik. Die blieb nicht unbeantwortet.

Stadtlohn

, 18.11.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Während des Bürgermeisterwahlkampfes, den am Ende Berthold Dittmann knapp für sich entschied, kamen die beiden Kandidaten häufig auf das Thema Schule zu sprechen. Genau wie Dittmann lobte auch Günter Wewers das dreigliedrige Schulsystem in höchsten Tönen. Die Digitalisierung wollten beide weiter vorantreiben, sahen Stadtlohn aber bis dato schon auf einem sehr guten Weg.

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Diesen Eindruck bekräftige nun Hermann Heumer von der Stadtlohn Stadtlohn in der ersten Sitzung des neu gebildeten Schul- und Bildungsausschusses: „Wir sind im Kreis Borken Vorreiter.“ Eine Dreiviertelstunde präsentierte er den Mitgliedern die aktuellen Fortschritte in diesem Bereich und berichtete in diesem Zusammenhang auch über die Umsetzung des „Digitalpakt Schule“.

Rund 750.000 Euro fließen nach Stadtlohn

Von den rund fünf Milliarden Euro, die der Bund für die Digitalisierung der Schulen in die Hand nimmt, flossen gut 750.000 Euro nach Stadtlohn. Durch den Eigenanteil von zehn Prozent erhöhte sich der Betrag auf rund 830.000 Euro. Gemeinsam mit der Bezirksregierung hatten sich Schulleiter und Vertreter der Verwaltung zusammengesetzt und darüber diskutiert, an welchen Stellen das Geld am besten investiert werden kann.

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Hermann Heumer erklärte, dass man einen Großteil der Summe, genau 708.975 Euro, für die Einführung des gemeinsamen Schulservers „IServ“ , die Ausstattung aller Unterrichts- und Fachräume mit Medientechnik und die W-Lan-Ausleuchtung in der gesamten Schule in die Hand genommen habe. Dass das Schulnetzwerk „IServ“, wie es der Zufall wollte, pünktlich zum ersten Lockdown in allen Schulen an den Start gehen konnte, lobte Hermann Heuer: „Es zeigt, wie richtig die Entscheidung war. Von dem Austausch über diese Plattform haben Schüler und Lehrer insbesondere während des Distanzunterrichts enorm profitiert.“

Die restlichen Mittel aus dem Digitalpakt Schule sollen unter anderem in die Erweiterung des Computerraums an der Hordtschule und die Ablösung der Alt-PCs an der Losbergschule investiert werden. Aus einem anderen Fördertopf soll ein Problem behoben werden, das sich während des ersten Lockdowns offenbart hat: die fehlenden mobilen Endgeräte bei Schülern und Lehrern.

Rund 250 iPads für Lehrer bestellt

„Im August wurde uns mitgeteilt, dass wir ergänzend zum Digitalpakt weitere Gelder erhalten werden, um den Distanzunterricht jeder Lehrkraft und jedem Schüler zu ermöglichen“, so Heumer. Rund 250 Geräte für Lehrer wurden mittlerweile bestellt, bei den Schülern wird aktuell noch der Bedarf abgefragt. „In der Endausbaustufe wollen wir über 1070 Tablets der Marke Apple verfügen. Schon jetzt ist es beachtlich, wie weit wir gekommen sind“, erklärte der Mitarbeiter der Stadt den Ausschussmitgliedern.

Die beiden Vertreterinnen der FDP sahen das allerdings gänzlich anders und hielten mit ihrer Meinung nicht hinter dem Berg. Kirsten Rölver kritisierte, dass zum Beispiel die Plattform „IServ“ im Fall ihres Kindes bisher kaum genutzt werde. Karin Twyhues, die dem Ausschuss als sachkundige Bürgerin angehört, erklärte ergänzend: „Seit März ist die Situation in den Schulen unbefriedigend und hat sich über die Monate nicht entscheidend verbessert.“ Dem Krisenmanagement der Stadt in Bezug auf die Schulen und dem digitalen Unterricht in Stadtlohn während Corona stellte sie ein vernichtendes Zeugnis aus. „Wenn ich eine Note vergeben müsste, ist es eher eine 4 minus bis mangelhaft“, so Twyhues.

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Ein Kommentar, der vor allem zwei Leuten im Saal der Stadthalle sauer aufstieß: Jochen Wilsmann, Schulleiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums, und Stefan Wichmann, Schulleiter der Herta-Lebenstein-Realschule. Wilsmann erwiderte in Richtung der FDP-Vertreterin: „Das ist kein fundiertes Urteil, und die Aussage kann ich so nicht stehenlassen.“ Es sei ein Irrglaube, vor allem aus Teilen der Elternschaft, dass man den Unterricht einfach eins zu eins nach Hause übertragen könne. „Die St.-Anna-Realschule hat es probiert und das Experiment inzwischen wieder eingestellt. Unsere Arbeit ist nicht perfekt und es gibt immer Luft nach oben. Aber die Note ausreichend minus haben wir nicht verdient.“

Livestreams vom Unterricht schwierig umsetzbar

Stefan Wichmann ergänzte: „Was viele nicht wissen: Es geht häufig auch um den Aspekt des Datenschutzes. Wir können nicht einfach ohne Einverständnis der Personen Livestreams anbieten.“ Die schlechten Benotung war auch ihm ein Dorn im Auge. „Schulen aus der Region fragen uns, ob wir Hilfestellungen beim Digitalisierungsprozess bieten können. Stadtlohn muss sich sicher in diesem Bereich nicht verstecken.“

Beide Schulleiter betonten, dass man während der Pandemie viel dazugelernt habe und mittlerweile so gut aufgestellt sei, dass man – falls erneut erforderlich – jederzeit in den Distanzunterricht wechseln könnte. „Die Methoden haben sich bewährt. Im Vergleich zu anderen Gemeinden sind wir weit vorne – auch wenn nicht alles perfekt läuft“, so Jochen Wilsmann. Sie hoffen nun beide auf weitere Förderung aus den Töpfen des Landes, um die Infrastruktur weiter zu verbessern.

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