Drei Jahre und sieben Monate Gefängnis für Missbrauch des eigenen Babys

Vater muss in Haft

35 Sekunden dauern die schockierenden kinderpornografischen Szenen des Handyvideos. Dafür muss ein 30 Jahre alter Stadtlohner drei Jahre und sieben Monate ins Gefängnis. Die Bilder zeigen die sexuelle Misshandlung seiner erst sechs Wochen alten Tochter.

STADTLOHN

, 15.11.2016, 17:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts in Münster ist am Dienstag am dritten Verhandlungstag das Urteil gegen den Vater gefällt worden. Wie berichtet hatte der 30-Jährige im Dezember 2015 in einem kinderpornografischen Chat mit einem Unbekannten zunächst pädophilen Fantasien freien Lauf gelassen sowie Bilder und Videos getauscht, die, so der Richter, "schwerste sexuelle Missbräuche von Kleinkindern zeigte". Dann missbrauchte er seine eigene Tochter und bot seinem Chatpartner die Filmaufnahmen seiner Tat zum Tausch an.

Allein für den sexuellen Übergriff hielt das Gericht eine dreijährige Haftstrafe für erforderlich. Zwei bis fünfzehn Jahre sind je nach Schwere der Tat im Gesetz vorgesehen. "Es gibt deutlich schwerere Fälle von sexuellen Übergriffen", so begründete der Richter die Entscheidung des Gerichts für ein Strafmaß am unteren Ende. Schließlich sei keine körperliche Gewalt und kein Eindringen nachweisbar. "Viel fehlte aber nicht", so der Richter.

Strafmilderndes Geständnis

Für die Misshandlung Schutzbefohlener sowie für die Erstellung und Verbreitung kinderpornografischer Bilder hielt das Gericht jeweils eine neunmonatige Freiheitsstrafe für angemessen. Die Einzelstrafen fasste das Gericht zur Gesamtstrafe von drei Jahren und sieben Monaten zusammen. Strafmildernd wertete das Gericht das frühzeitige Geständnis des Angeklagten, die Tatsache, dass er nicht vorbestraft sei sowie die Einsicht und Reue, die er zeige. Die bereits abgesessene halbjährige Untersuchungshaft wird auf die Strafe angerechnet.

Der Staatsanwalt hatte in seinem Plädoyer vier Jahre und neun Monate gefordert. Er hatte Zweifel an der vollen Einsichtsfähigkeit des 30-Jährigen. Der Angeklagte habe "in Abrede gestellt, dass die Tat sexuell motiviert war". Der Angeklagte hatte nach eigenen Aussagen vor allem seinem Chatpartner imponieren wollen. Ohne tiefere Einsicht aber, so der Staatsanwalt, werde der Angeklagte seine pädophilen Neigungen auch in Zukunft nicht beherrschen können.

"Nichts zu beschönigen"

Der Verteidiger gab in seinem Plädoyer unumwunden zu: "Es gibt nichts zu beschönigen. Die Staatsanwaltschaft hat vieles gesagt, was richtig ist." Der Verteidiger betonte aber, dass sein Mandant "gewisse sexuelle Neigungen zu jungen Menschen und Kindern" eingeräumt habe. "Er muss daran arbeiten, das weiß er auch."

Der Angeklagte selbst nahm am Ende der Verhandlung das Urteil ohne Widerspruch an. "Ich möchte mich bei meiner Frau, bei meinem Kind und bei meiner Familie entschuldigen", hatte er zuvor in seinem Schlusswort erklärt. "Ich bereue, dass ich nicht stark genug war. Ich weiß nicht, was passiert ist. Ich habe den Verstand verloren."

Traumatische Erfahrung

Nur 35 Sekunden dauert das Video vom Missbrauch, unter dem das noch nichts ahnende Kind sehr viel länger leiden wird. "Es wäre eine naive Annahme zu glauben, dass das Kind niemals davon erfahren wird", betonte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer: "Das Trauma ist nur in die Zukunft verschoben."

Der Staatsanwalt lenkte den Blick gestern auch in die Zukunft. Was ist, wenn die Haftstrafe dem Ende entgegen geht? Kann der Angeklagte, der erst kurz vor dem Prozessauftakt in der U-Haft die Mutter des Kindes geheiratet hat, mit seiner Familie zusammenleben?

Beherrschbarkeit entscheidet

Die Entscheidung darüber wird zu einem späteren Zeitpunkt in einem familiengerichtlichen Verfahren getroffen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft erinnerte daran, dass die Gutachterin bei dem Angeklagten „keine pathologische Störung“, sondern eine „beherrschbare pädophile Nebenströmung“ festgestellt hatte.

„Die Neigung ist nicht therapierbar – die Beherrschbarkeit ist entscheidend“, so der Staatsanwalt. Die dafür notwendige Einsicht beim Angeklagten vermisste nicht nur er, sondern auch der Vorsitzende Richter. Der stellte in Richtung des Angeklagten fest: „Sie haben den sexuellen Charakter ihrer Tat klein geredet.“ Es sei schwer, sich diese Neigungen selbst einzugestehen. „Wenn Sie aber nicht voll umfänglich dazu stehen, dann haben Sie ein Problem. Dann ist die Gefährdungslage noch da.“ 

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