Stadtlohn wird am Sonntag, 17. Oktober, wieder zur Hauptstadt der Kiepenkerle. Beim Fassanstich in diesem Jahr gibt es aber nur Einwegbecher – aus Infektionsschutzgründen. © SMS
Kiepenkerlsonntag

Echte Kerle mit Kittel und Kiepe: Stadtlohn ist Hauptstadt der Kiepenkerle

Stadtlohn ist am Sonntag zum 40. Mal die Hauptstadt der Kiepenkerle. Für die Besucher gibt es wieder „‘nen Appel und ‘n Ei“. Nur auf ein Schnäppsken wird in diesem Jahr verzichtet.

Schwarze Schirmmütze, blaues Hemd, rotes Halstuch – und natürlich klappernde Holzschuhe. 100 Kiepenkerle und Bäuerinnen in alter westfälischer Tracht werden am Sonntag, 17. Oktober, Äpfel und Eier an die Besucher der Stadtlohner Innenstadt verteilen. Für einen Tag ist Stadtlohn dann wieder die Hauptstadt der Kiepenkerle.

Blick in die westfälische Vergangenheit

Seit nunmehr 40 Jahren lockt der Kiepenkerlsonntag jeden Herbst viele Tausend Besucherinnen und Besucher in die verkaufsoffene Stadtlohner Innenstadt. Ein besonderer Magnet ist dabei der Blick in die westfälische Vergangenheit. Und der liegt Günther Südhoff besonders am Herzen.

Der 81-Jährige ist einer der Väter des Vereins „Kiepenkiärls, Meerschke un Tödden von 1981“. Zusammen mit dem Stadtlohner Kiepenkerl Heinrich „Hennok“ Demes entwickelte Günther Südhoff Anfang der 1980er-Jahre die Idee zum Kiepenkerlsonntag. „Zur Premiere 1981 kamen fünf Kiepenkerle“, erinnert sich Günther Südhoff. Beim letzten Kiepenkerltreffen 2019 waren es rund 130.

Großer Umzug der Blaukittel ist einer Höhepunkte des Tages

Der große Umzug der Kiepenkerle und Bäuerinnen (13.30 Uhr) ist immer ein Höhepunkt. Anschließend verschenken die Kiepenkerle und Bäuerinnen 3000 Eier und 300 Kilogramm Äpfel an die Besucherinnen und Besucher der Innenstadt.

Auf die traditionelle Verteilung von „Schnäppsken“ wird aber verzichtet – aus Infektionsschutzgründen. Der große Fassanstich um 14 Uhr auf dem Markt findet aber statt – „in diesem Jahr aber wegen Corona nur mit Einwegbechern“, sagt Martin Auras vom SMS-Stadtmarketing.

Das Kiepenkerltreffen in Stadtlohn ist das größte seiner Art. „Eigentlich ist es auch das einzige“, sagt Günther Südhoff. Darum ist es bei den Kiepenkerlen und Bäuerinnen, die aus ganz Westfalen nach Stadtlohn kommen, besonders beliebt.

Ihr großer Tag in Stadtlohn beginnt am Sonntag (17.10.) um 9.30 Uhr mit einer plattdeutschen Messe, die Heiner Innig in der St.-Otger-Kirche liest. Anschließend versammeln sich die Blaukittel zum Festkommers im Kettelerhaus.

„Magnet für Familien aus der ganzen Region“

Martin Auras, Geschäftsführer des SMS-Stadtmarketings, freut sich auf das Treffen: „Der Kiepenkerlsonntag ist ein echter Magnet für Familien aus der ganzen Region. Von allen verkaufsoffenen Sonntagen in Stadtlohn ist er der umsatzstärkste.“ Und der geschichtsträchtigste.

Schließlich erinnert er an die gewerbsmäßigen Aufkäufer, die in der letzten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch das Münsterland zogen. Ausgestattet mit einem Wandergewerbeschein waren sie berechtigt, Eier, Kurzwaren und Textilien aufzukaufen und wieder zu verkaufen.

Meistens waren es große, kräftige Männer, die in der Lage waren, die schweren vollbeladenen Kiepen über weite Strecken auf dem Rücken zu tragen. Sie wurden unter dem Namen „Kiepenkerl“ bekannt.

SMS-Geschäftsführer Martin Auras (l.) und Günther Südhoff freuen sich auf den 40. Kiepenkerlsonntag. Das stählerne Kiepenkerldenkmal soll später auf einer Kreisverkehrsinsel in Stadtlohn platziert werden.
SMS-Geschäftsführer Martin Auras (l.) und Günther Südhoff freuen sich auf den 40. Kiepenkerlsonntag. Das stählerne Kiepenkerldenkmal soll später auf einer Kreisverkehrsinsel in Stadtlohn platziert werden. © Stefan Grothues © Stefan Grothues

Ein Drehorgelorchester aus Duisburg, die Husarenkapelle, die Wiesentaler und der Spielmannszug der KG werden den Kiepenkerlsonntag musikalisch untermalen. Weidenkorbflechter, münsterländische und niederländische Volkstanzgruppen und ein Midwinterhornbläser entführen in alte Holzschuhzeiten.

Und der Herzens-Kiepenkerl Günther Südhoff träumt derweil von einem kleinen aber feinen Kiepenkerlmuseum in Stadtlohn, dem er auf Dauer seine historische Sammlung anvertrauen möchte. Südhoff: „Eine Ausstellung im Haus Hakenfort oder in der Berkelmühle, das hätten die Kiepenkerle verdient.“

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Stefan Grothues