Eine Ära endet auf dem Stadtlohner Markt: Ehepaar Lücke serviert ein letztes Mal Schinken

rnStadtlohner Markt

Rund drei Jahrzehnte zählten Hermann und Doris Lücke zu den Urgesteinen auf dem Stadtlohner Markt. Am Donnerstag können sich Kunden ein letztes Mal mit leckerem Schinken eindecken.

Stadtlohn

, 25.03.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein letztes Mal werden Hermann und Doris Lücke am Donnerstag (26. März) ihren Verkaufswagen bestücken und zum Stadtlohner Markt ziehen, am Samstag ist mit dem Markt in Dorsten dann endgültig Schluss: Die beliebten Markthändler gehen in den verdienten Ruhestand – wie so oft im Leben mit einem „lachenden und einem weinenden Auge“, wie Hermann Lücke berichtet.

38 Jahre Marktgeschäft mit Wurstwaren Lücke, davon rund 30 auch in Stadtlohn, haben schließlich geprägt. Der Abschied fällt nun ausgerechnet in die Zeit der Corona-Krise. „Die Menschen versorgen sich aktuell besonders bewusst. Auch deshalb fällt der Abschied schwer“, so der gelernte Metzger.

Gemeinsam durch „magere und fette Jahre"

Dass es in der besonderen Zeit auch viele Unternehmen gibt, denen es schlecht geht, das kann er nachvollziehen. „Auch wir hatten die berühmten fetten und mageren Jahre. Aber wir haben immer zusammengestanden“, erzählt der 66-Jährige, der an seiner Seite durch Frau Doris immer große Unterstützung gefunden hat.

Angefangen hatte alles mit einer Lehre im elterlichen Familienbetrieb an der Dufkampstraße. Später arbeitete Hermann Lücke als Metzger auch in Gronau, bis sich eines Tages die Chance ergab, einen Verkaufswagen zu übernehmen. „Da haben wir quasi bei null angefangen“, erinnert sich Hermann Lücke zurück. Und er hat es nie bereut, diesen Schritt gewagt zu haben. Denn: „Das Marktgeschäft ist schon ein besonderes. Viel persönlicher, man muss die Menschen ansprechen, auch mal einen Witz auf Lager haben.“

Viele Stammkunden schätzen die Qualität

Das ist dem Ehepaar Lücke mit Team über Jahrzehnte gelungen, denn rund 80 Prozent der Kunden sind Stammkunden. „Wenn man einem Kind eine Scheibe Wurst gibt und schon der Mutter eine Scheibe geschnitten hatte, dann merkt man, dass man selbst ja schon eine Generation weiter ist. Da grübelt man schon ein wenig“, freut sich Hermann Lücke heute ganz besonders noch einmal auf diese „besonderen Momente“.

Dass man gerade in einem „sehr individuellen Geschäft“ wie dem Marktgeschäft nur mit Qualität punkten könne, das habe er stets beherzigt: „Die Kunden kommen doch zum Markt, weil es ihnen schmeckt. Ein Ausrutscher wird einem vielleicht noch verziehen, ein zweiter nicht mehr.“

In Dorsten seit 1982

1982 hatten die gebürtigen Stadtlohner ihren Standplatz in Dorsten erhalten, noch heute geht es dreimal die Woche in die Dorstener Innenstadt, einmal zudem auf den Wochenmarkt nach Holsterhausen. Und natürlich donnerstagsnachmittags nach Stadtlohn. „Früher haben wir noch mehr gemacht. Aber es muss auch mal gut sein“, schmunzelt Hermann Lücke.

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Er denkt an die Samstage, wenn es in aller Herrgottsfrühe nach Dorsten ging. „Wenn du dann bis mittags Schinken aufgeschnitten hast, dann geht das schon an die Substanz“, so Hermann Lücke. Dabei hatten die Lückes schon 60 Kilometer Anfahrt hinter sich. Zunächst nur samstags, später auch montags und donnerstags.

Westfälische Spezialitäten

Dass sie – neben Stadtlohn - in Dorsten hängengeblieben sind, verdanken sie vor allem den „lieben Kunden“. Diese schätzen es, dass es dort noch Produkte nach überlieferten westfälischen Rezepten wie Grütz- und Kohlwurst gibt. Viele – vor allem die Stadtlohner – kämen wegen des Schinkens, weiß Hermann Lücke. Früher mehr am Stück, heute mehr geschnitten. Auf diesen müssen die Kunden nun verzichten.

Sicher: Das Ehepaar Lücke hätte es gerne gesehen, wenn es einen Nachfolger für ihr Marktgeschäft im eigenen Haus gefunden hätte. Aber auch der letzte Lehrling hatte kein Interesse. „Das ist nun mal auch viel Arbeit“, weiß Hermann Lücke zu berichten – dazu kommen die besonderen Arbeitszeiten. Aber eintauschen hätte er diese Aufgabe niemals wollen. Der Stadtlohner kennt die Nachwuchssorgen in der Fleischerbranche. Für das Marktgeschäft an sich sieht er hingegen „gute Perspektiven“.

Aufgaben in „Haus und Garten“ warten

Künftig wolle er sich mit Frau Doris vor allem „Haus und Garten“ widmen. „Die Kinder sind gut versorgt, nun haben wir uns den Ruhestand auch verdient“, berichtet die 61-Jährige. Dass man ein gesundes Geschäft aufgebe, dass passe schon: „Man muss einfach den Absprung schaffen“, so ihr Ehemann. Einen Absprung in einen neuen Lebensabschnitt – mit noch „vielen schönen gemeinsamen Jahren“ und „vielen schönen Erinnerungen“.

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